Wednesday, February 9, 2011

Kleene Strahlemänner :-)

Sonntag Abend 17 Uhr.  Was gab es da? PREMIERE!

Vor der Öffnung der Türen tummelten sich Jung und Alt, so unterschiedlich es nicht sein konnte. Wo war ich hineingeraten? Einige Tage zuvor gab es bereits in der Sächsischen Zeitung einen Vorgeschmack zum Kater und ein Interview mit "Prinzessin" Valda Wilson, die auch bereits von den Proben getwittert hatte.

Wenn die "Oma mit dem Enkel" hätte der unbedarfte Besucher meinen können wäre der Titel der Veranstaltung. Doch nein, es sollte anders kommen.

Foto: Matthias Creutziger
200 Plätze reichten kaum aus - Ausverkauft! - als dann noch der Dirigent das "Bühne bitte nicht betreten" Schild beiseite stellte, knisterte die Spannung. Das Bühnenbild in der noch zu "Dido and Aeneas" schlicht inszenierten Semper 2 Bühne hatte schon jeden gedanklich in die Märchenwelt verrückt, so bezaubernd war die Installation von Valentine Koppenhöfer. Der ganze Raum war sozusagen ein "Cultural Island", entrückt aus der Realität des eigenen Lebens.

Doch kam es noch besser. Die große Meute des Kinderchores verteilte sich auf der Bühne und Gerüst, spielte "Schnick-Schnack-Schnuck" und die Geschichte nahm ihren Lauf. So langsam tauchte wirklich jeder im Publikum, wie auf der Bühne, in die Märchenwelt ein. Wie real doch Märchen sein können zeigte sich als der Kater (Julian Mehne) vom jüngsten Müllersohn gepiesackt wurde. Sein Fauchen und Kratzen irritierte doch einige der Jüngsten, die es ein wenig mit der Angst zu tun bekamen. Doch nur kurz - die Neugier war dann doch stärker!

Ein genialer Schachzug war die Fahrradkutsche, die König Jeremy (Bowens) gemeinsam mit Prinzessin Valda (Wilson) forsch auf die Bühne strampelte :-) Überhaupt ist so manches Gimmick der Kostüme (das verwandlungsfähige Kleid von Prinzessin) und des Bühnenbildes (illuminiertes Mühlrad, das sprießende Gras und ausfahrendes Podest) zu erwähnen.

Zwischen Sprache und Gesang (der auch für die ungeübten Opernohren zu verstehen war) ging es hin und her - und insbesondere die Kleinen im Publikum dürfte dieser Wechsel sicherlich gefallen haben. Sicher ist es keine Performance, die es mit den großen Produktionen der Semperoper aufnehmen kann. Doch das war mit Sicherheit nicht Intention des Stückes. Was auf jeden Fall gelungen ist, Eltern und Kinder, sowie die Großeltern zu begeistern, was alles Oper heißen kann.

Mir hat es mächtigen Spaß gemacht, besonders wie auch das Publikum Teil des ganzen Spiels wurde. Der kleine Knirps, dessen Oma mir an der Garderobe sagte, "Ein bisschen Angst hatte er bei Erscheinen des Löwen an der Decke und er wollte schon gehen. Nun aber will er doch auf jeden Fall noch mal kommen". Dies ist ein gutes Zeichen, das hier etwas Neues am Entstehen ist und oft sind es die Stimmen am Rande, die die Stimmung wiedergeben. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die kommenden Vorstellungen entwickeln und sich das Team (immerhin mehrere Dutzend Akteure das Orchester eingerechnet) zusammenfügt und über sich hinaus wächst.

Wer mehr über Hintergründe erfahren und auch die eine oder andere Frage zum Stück hat, dem sei die Facebook-Gruppen JungeSzene empfohlen. Oder ein Blick in die Sächsische Zeitung oder Dresdner Neueste Nachrichten vom gestrigen Dienstag, 08.02.2011, dort gibt es auch ausführliche Kritiken, die das Bild abrunden.

Auf ein nächstes Mal nun noch die vier kurzen Fragen (und Feedback insbesondere von Besuchern jederzeit sehr willkommen):
  • 1. Good: Grandioses Bühnenbild mit minimalen und unorthodoxen Mitteln, ein begeistertes Premierenpublikum, Intendantin Frau Dr. Ulrike Hessler ließ es sich nicht nehmen auch anwesend zu sein, auch die Kleinsten hatten ihren Spaß (und so mancher will gleich noch mal kommen mit der Oma :-)), der Löwe vom Bühnenhimmel rauschend (!),  der kanadische (Jeremy Bowen) und australische (Valda Wilson) Sprachkolorit.
  • 2. Tricky: die Gesangspassagen forderten die Stimmen nicht wirklich (was es jedoch mit Sicherheit für die Sänger nicht einfacher machte), Story / Bühnenbild / Erzählstränge könnten in ihrer Fülle und Komprimiertheit für den einen oder anderen zu überbordenden gewesen sein.
  • 3. Learned: Premiere ist immer ein erster "Echtlauf", sicher ist noch nicht alles eingeschliffen und perfekt, doch wenn die Akteure so viel Spaß gemeinsam im Team haben (und das konnte man den Augen aller auf der Bühne spielenden, sprechenden und singenden Akteure ansehen), dann lässt sich das Ganze mit jeder Aufführung steigern.
  • 4. Action: definitiv den Premierenbericht schreiben (wenn auch etwas verspätet), das nächste Mal nicht alleine zur Vorstellung gehen (Dialog zu Stück tut immer gut ;-))
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