Saturday, July 13, 2013

Maria Stuart am Rande der Stadt auf Schloß Altroßthal

Schloss Altroßthal (Schlosshof)
Am 11. Juli fand im Schlosspark von Schloss Altroßthal die Premiere von Maria Stuart frei nach Friedrich Schiller statt. Eine wunderbare Location für eine wahre Geschichte, die wirklich in einem Schloss geschehen ist.

Gestern fahren wir zur zweiten Vorstellung - mit der Linie 90 der Dresdner Verkehrsbetriebe AG nicht nur direkt vor Ort (Neunimptscher Straße) nach einer Viertelstunde ab Tharandter Straße sondern auch noch mit überraschenden Blicken über die Stadt Dresden. Bevor der Schlosspark vor uns liegt, erhaschen wir einen Blick auf den Schlosshof hinter uns (Eingang übrigens rechts neben dem Tor mit den Ähren).

Junge und alte Leute, Studenten, Familien mit Kinder sind alle dabei. Wir nehmen Platz auf einer der  Bänke, die direkt vor der Szene stehen. Eine Frau auf der spartanisch ausgestalteten Bühne mit dem Rücken zum Publikum ist sehr beschäftigt, Namen mit Kreide auf eine Wand zu schreiben. Die Leute schauen sie an, niemand aber versteht genau, was sie da macht. Vielleicht bereitet sie noch etwas vor.

Pünktlich um 20:30 Uhr erklingt dezenter Trommelwirbel. Die Vorstellung beginnt!

Ein Mann mit Unterhemd und Lederjacke, tritt auf die Szene. Er guckt mit großem Interesse in eine  Holzkiste und holt weibliche sexy Lingerie heraus. Von der Königin keine Spur. Das Spiel fängt mal an - die verschiedenen Charaktere betreten zum geeigneten Zeitpunkt die Bühne und kaum dass man sich's versieht ist man im Spiel der Gefühle und Dynamiken gefangen. Theatralische Gespräche, lustige Situationen, Gesangseinlagen und kurze Marathonlaufeinlagen überraschen das Publikum von allen Seiten (nicht nur auf der Bühne). Der umliegende Schlosspark wird Teil des Geschehens.

Violine und Schlagwerk begleiten zusammen mit Musik vom Tonträger die Show und ermöglichen so eine Verbindung zwischen Altem und Neuem. Das gleiche passiert auch mit den Kostümen. Die politischen Spielchen, die auf der Bühne gespielt werden, sind nur der Zeit weit voraus, nicht jedoch in der Substanz, die auch in der Welt von heute noch ihre Gültigkeit hat - trotz aller sozialer, gesellschaftlicher und technologischer Entwicklung über die letzten fünf Jahrhunderte.


Die Inszenierung ist sehr zu loben, insbesondere weil es nicht den bekannten klassischen Erwartungen entspricht und Raum für neues Denken und der Verbindung mit dem heutigen eigenen Erleben eröffnet.

Die Professionalität der SchauspielerInnen, Musikern und dem ganzen Regie- und Unterstützungsteam, die mit einfachen Mitteln für zweieinhalb Stunden das Publikum wunderbar amüsiert haben, ist an dieser Stelle zu loben.

Vor Ort besteht auch die Möglichkeit, sich was zum Essen und zum Trinken zu holen - apropos Trinken, mit dem Wort "Bowle" hat es etwas Besonderes auf sich, doch davon mehr, wenn Ihr/Sie vor Ort seid/sind.

Nächste Vorstellungen Maria Stuart (übrigens auch auf Facebook zu finden): heute 13. und morgen 14. Juli jeweils um 20:30 (Einlass ab 20 Uhr)


PresencingStatus - vier kurze Fragen und ihre Beantwortung:

1. Gut - eine wunderbare Inszenierung in passendem Ambiente, einfache Möglichkeit, mit den Protagonisten ins Gespräch zu kommen
2. Tricky - nur ein paar Stechmücken später am Abend (doch nicht der Rede wert)
3. Gelernt - wieder eine innovative Inszenierungsumsetzung außerhalb der üblichen Vorstellungsperspektiven (Theater im freien Raum (Park), am Rand der Stadt, Auftritt der Personen aus unterschiedlichen Richtungen), siehe auch Review zu Simplicissimus an der Semperoper Dresden
4. Next Action - mehr von diesen Inszenierungen erleben

In Zusammenarbeit von Angela Incampo & Ralf Lippold
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