Monday, July 18, 2011

Kunst - kostet's oder bringt's was?

English speaking readers may find here a translation (done gratefully by GoogleTranslate)

Der heutige Sonntag brachte die Überraschung im Vorbereitungsstress zu #nbj2011 ("Imagine a future where innovations emerge from global partnerships across sectors, (also the arts field), etc.") als ich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung aufschlug:

Eine kleine Ökonomie der Oper, von Ralph Bollmann

Semperoper by e-concierge.de
Der zweiseitige Text - Oper und Kultur ist demnach definitiv im öffentlich Fokus - begann mit einer unerfreulichen Begebenheit aus Zwickau, Sachsen. Am Ende der vergangenen Spielzeit wurde die eindrucksvoll inszenierte Oper Genoveva nach der Pause jäh unterbrochen von einem Appell des Ersten Kapellmeisters an das Publikum und Bitte um Unterschriften gegen die geplanten Kulturkürzungen des Freistaats Sachsen. Was in Zwickau passierte ist ähnlich auch in den Landesbühnen Radebeul kürzlich noch viel dramatischer passiert - dort geht es um das "Aus" des Hauses.

Der Bericht - übrigens mit grandiosen Aufnahmen deutscher Opernhäuser gespickt - endet mit "Am Ende lässt sich über die Oper nicht eindeutig ökonomisch urteilen. Es bleibt die politische Entscheidung einer Bürgergesellschaft, ob sie diese deutsche Tradition fortsetzen will oder nicht."

.... PUNKT ... war es das gewesen? Gab es einen umfangreichen Dialog, zu "Was bringt Oper für die Wirtschaft, die Bildung, kulturellen Austausch?"

Meines Wissens nicht. Sollten hier Kürzungschritte unternommen werden von Politikern, die sich zwar auf Premieren ab und an sehen lassen, doch Oper oft wohl eher als "nettes Beiwerk" und "Touristenmagnet" sehen, ohne alle Möglichkeiten, Visionen und Chancen der Zukunft in Betracht gezogen zu haben.

Fragen, die durch meinen Kopf rasen. 40 (oder so) Besuche in den letzten 10 Monaten in der Semperoper Dresden haben (mir) ein vollkommen anderes Bild von Oper, Ballett und dem Sinn und Nutzen für eine zukunftsorientierte Bürgergesellschaft eines weltoffenen und innovativen Sachsen (und Deutschlands allgemein) eröffnet.

Mein persönliches Fazit und Ausblick (allzu gerne hätte ich Ralph Bollmann, übrigens in Berlin zu Wirtschaftspolitik zuständig, leider ohne Angabe einer Email-Adresse, zu einem Dialog eingeladen) als passionierter Volkswirtschaftschaftler und Systemsthinker ist doch ein anderer.

  1. Good: sehr gute Übersicht über die deutsche Opernlandschaft, opulente Bilder z.B. vom Wiesbadener Staatstheaters und des Mecklenburger Staatstheater Schwerin, Bericht in einer überregionalen Sonntagszeitung (am Wochenende hat man doch ein wenig mehr Zeit zum Lesen)
  2. Tricky: Fokussierung auf die "sichtbaren" ökonischen Größen, die sich in den Budgets der Länder wiederfinden und die Kultur so "teuer" machen
  3. Learned: die wirtschaftlichen Effekte von Opernhäusern und die Implikationen auf kulturellen Austausch werden selten bis gar nicht betrachtet, gerade in ostdeutschen Städten mit relativ geringem Bevölkerungsanteil ausländischer Mitbürger zeigt sich insbesondere in den Ballettensembles ein Mikrokosmos der Welt (siehe Ensemblemitglieder des Semperoper Balletts, bei ca. 80 Mitgliedern sind ca. zwei Dutzend Herkunftsländer vertreten und die Quoten sind eindeutig zu Gunsten der ausländischen Tänzerinnen und Tänzern verschoben); Oper und Ballett eröffnen für Forscher, Wirtschaftler und Politiker gleichmaßen ein differenziertes Bild vom Heute und der Zukunft (viele der Balletttänzer z.B. beschäftigen sich mit Zukunftsforschung, was mich selbst zunächst überrascht hat, doch dann auf den zweiten Blick verständlich ist)
  4. Action: ein Leserbrief an die FAZ Leserbriefredaktion wird folgen, die kommende Tour ins Valley rund um San Francisco mit Besuchen bei Opern anreichern
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