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Wednesday, March 16, 2016

COW, oder wie ein Schwede das Verständnis von Ballett verändert

Am vergangenen Samstag den 12. März 2016 hatte "#COW - Ein Ballett" des schwedischen Choreographen Alexander Ekman auf der Bühne der Dresdner Semperoper Premiere. Nachdem der interessierte Ballettfreund (oder auch -freundin) bereits 2013 mit "Cacti" (im Rahmen von "Nordic Lights", das in der kommenden Saison wieder zu sehen sein wird) einen ersten Vorgeschmack auf seine Arbeit gewinnen konnte (seine Arbeiten unterscheiden sich, obwohl noch Anleihen des zeitgenössischen Tanzes vorhanden sind, ähnlich disruptiv von "üblichen" Ballettstücken wie einst Braque und Picasso mit dem Kubismus gegenüber der traditionellen Maltechnik und dem Fokus auf die Perspektive) stand also eine neue Überraschung auf dem Programmplan.

https://www.semperoper.de/spielplan/stuecke/stid/cow/
Warum die "Kuh" als Maß eines Ballettstückes? Die kurzen Clips zum Making von "COW Ein Ballett" sind dabei recht hilfreich (und unterhaltend zugleich).

Doch wer ein traditionelles Ballett mit viel Tanz erwartet - nun der wird möglicherweise ein wenig (oder mehr) enttäuscht von Dannen ziehen sollte er/sie sich für eine Karte der folgenden Aufführungen (heute Abend ist übrigens schon gleich die nächste - über die kommenden Wochen folgend noch sechs weitere Auführungen) geholt haben.

Obwohl, und dafür lohnt sich ein mutiger Gang in die 1.200 Besucher fassende Semperoper auf jeden Fall, wenn die Neugier größer als die Unsicherheit dessen, was einen erwartet, ist. Wer es wagt wird erleben, was eine Top-Ballettcompany wie das Semperoper Ballett wirklich kann (neben Balanchine, Forsythe, McMillan, u.a.) - ein Besuch lohnt sich. Darüber hinaus ist das Ballettstück ein außergewöhnliches "Cultural Island" (engl.; Blog von Abiel Guerra mit dem ich 2009 an einem Workshop von Edgar Schein teilnahm), das den Zuschauer aus seiner gewöhnlichen Rolle als ruhiger Betrachter und Genießer förmlich auf die Bühne und in den Flow zieht.

Wer sich vor einem Besuch der Bandbreite der Stimmungen offenbaren möchte, dem seien folgende Kritiken empfohlen:
... die obigen Kritiken in unbestimmter, wie gefundener, Reihenfolge und ohne Wertung. Jeder möge sich selbst eine Meinung bilden und dann entscheiden.

Ohne mich an dieser Stelle zu wiederholen (die vorliegenden Kritiken gehen bereits auf zahlreiche Aspekte ein) hier in aller Kürze der #PresencingStatus:
  • Good - Ballett mal ganz anders; Einbeziehung der kompletten Bühnentechnik (faszinierend, was alles möglich ist und selten zu sehen ist); ein neugieriges Premierenpublikum; es durfte auch spontan gelacht werden 
  • Tricky - keine Pause, um das Erlebte mit anderen auszutauschen; vergessen, dass Programmheft zu erstehen (da dürften noch einige Hintergrundinformationen zu finden sein
  • Learned - es bedarf Mut, ein solches Stück auf die Bühne zu bringen, und Aaron S. Watkin, Künstlerischer Direktor des Semperoper Ballett, kommt seiner Vision immer näher (die zahlreichen Einladungen der Company aus dem In- und Ausland machen dies ebenfalls mehr als deutlich)
  • Action - sicher ein oder zwei weitere Besuche (mal schauen, was sich machen lässt zeitlich)

Tuesday, May 19, 2015

Unverhofft kommt oft - oder was der Freischütz mit dem wahren Leben zu tun hat

Nachdem vor gut einem Monat die Einführungsmatinee zur Neuinszenierung von Carl Maria von Webers "Der Freischütz" an der Dresdner Semperoper anstand ging es in die von Peter Schneider am Pult geleitete Aufführung.

Quelle: Spielplan Semperper 
Es war nach langer Zeit die erste Oper bzw. Neuinszenierung, die nicht nur aus einem Impuls der Neugier nach der Einführungsmatinee am 14. April 2015 heraus gekauft worden war sondern auch hier im Blog eine ausgiebige Erwähnung findet.

Bereits die fast ausverkaufte Einführungsmatinee (ungewöhnlich) und der Hinweis von Regisseur Axel Köhler, dass es seit der ersten Aufführung Semperoper 1822 (die Premiere fand 1819 in Berlin statt) schon fast 1.500 (!) Aufführungen dieser romantischen Oper an der Semperoper gab, ließ aufhorchen.

Für all diejenigen, denen der Inhalt der Oper unbekannt ist, hier in aller Kürze und dem Spielplanheft Mai/Juni/Juli der Semperoper Dresden entnommen:

"Das verzweifelte Verlangen nach Erfolg zieht den Jägerburschen Max in die finstersten Abgründe des nächtlichen Waldes und der menschlichen Seele. Max, einst bester Schütze weit und breit, steckt in einer Pechsträhne. Ein einziger Schuss soll über seine Heirat mit Agathe entscheiden - eine zu wichtige Angelegenheit, um sie dem Zufall zu überlassen. Um Mitternacht in der Wolfsschlucht gießt max mit dem zwielichtigen Kaspar die verfluchten Freikugeln, die niemals fehlgehen."

Das ausverkaufte Haus wirkte ca. 15 Minuten vor Start der Vorstellung wie ein ungebändigter Bienenschwarm, die OrchestermusikerInnen im Graben probten die letzten Tonfolgen und die Plätze hatten sich weit in die Stehplatzreihen im 4. Rang gefüllt. Erst die Ouvertüre zu "Der Freischütz" brachte das "Soziale Feld" zur Ruhe.

Was dann über gut zweieinhalb Stunden folgte ließ nicht nur musikalisch, sängerisch und spielerisch überraschen. Sah doch das Bühnenbild zunächst vergleichbar der Installation "Die Königskinder" aus und gedanklich war man schon (fast) in diesem Bild verhaftet. Doch Axel Köhler hatte nicht zu viel versprochen. "Schlag Mitternacht" brach die "Wolfsschlucht" aus der Hausinstallation heraus und man fand sich unvermittelt im düsteren Dickicht des "wahren Lebens". Der Druck, dem Max im Werben und Finden seiner Angebeteten durch deren Vater ausgesetzt sah, ist auch in heutigen Real-Umgebungen, sprich der selbst erlebten Arbeitswelt, sehr oft zu finden.

"Wie wird damit (zu oft) umgegangen?"

Überstunden, Aufputschmittel, Arbeit am Wochenende, ..... und und und.

"Nutzt es wirklich etwas, das Glück mit diesen "Freikugeln" herauszufordern, um dann noch tiefer zu fallen?"

Ganz sicher nicht. Max hat das Glück, dass ein Mentor (der Weise Mann) ihn wieder in der Gegenwart ankommen lässt (wo doch alles schon verloren, die Angebete "tot" und die Zukunft nichts mehr wert schien).

Was ist von dieser "romantischen" Oper zu lernen, das man auch im heutigen Leben gebrauchen kann: konzentriere Dich auf Stärken, Tiefen entpuppen sich oft als Grundlage für künftige Höhen, entsage "Freikugeln" und sei dankbar für einen Mentor, der Dein authentisches "Ich" wahrnimmt und die Stärke hat, dies auch gegenüber anderen in Deinem Leben wichtigen Personen zu artikulieren.

Wer Lust auf mehr bekommen hat: heute am 19. Mai 2015, 19:00 Uhr heißt es wieder "Der Freischütz" in der Produktion von Axel Köhler an der Dresdner Semperoper.

Zum Abschluss mein persönlicher Presencing Status wie stets in aller Kürze:

  • Good - Integration von Gesang, Musik, Sprache, theatralischen Episoden (Kampf), Einspielung von "Überstimme"; Überraschungseffekte; komplexes wandlungsfähiges Bühnenbild, das die Stimmung der Entstehungszeit ausstrahlte; Licht- und Soundeffekte wie selten in einer Oper erlebt; Übertitel (trotz überwiegend gut verständlichen Gesangs)
  • Tricky - ein Hörplatz im 4. Rang, der den kompletten Überblick über die Szene zu einer fortwährenden Herausforderung werden ließ
  • Learned - Einführungsmatineen sind das "Salz in der Suppe" für den neugierigen Opernamateur (ab der neuen Spielzeit 2015/2016 heißt dieses Format "Premieren Kostprobe" und am 5. Oktober 2015, 18 Uhr ist die nächste Möglichkeit); SängerInnen und Chormitglieder besitzen sprachliche, komödiantisch und spielerische Fähigkeiten, die oft in dieser Weise in traditionellen Opern nicht zum Tragen kommen (die Vielfalt bereichert stets, denn sie spricht unterschiedliche Sinne beim Publikum an)
  • Action - die Blogreihe zu Oper- und Ballettbesuchen an der Semperoper Dresden fortführen wie ich sie im Oktober 2010 mit diesem Beitrag begann

Monday, December 15, 2014

Die Königskinder - beileibe kein Märchen

An einem verregneten Sonntag um 11 Uhr hieß es in Semper 2 wieder einmal "Einführungsmatinee" (lange waren wir nicht dabei). Sicher eine Einführungsmatinee ist nicht eine Oper und Semper 2 ist tatsächlich nicht mit der Semperoper zu vergleichen. Wer sich auf den Zauber dieser "unscheinbaren" Probebühne einlässt, die seit knapp fünf Jahren auch Raum für experimentelle Produktionen bietet, wird jedes Mal wieder angenehm überrascht.

Kurz vor dem Start in Semper 2
Waren kurz vor 11 Uhr die "Roten Sofas" noch leer, so waren doch die Zuschauerränge bereits gut gefüllt. Auffällig war, dass die Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren deutlich unterrepräsentiert war und so mancher der für eine Führung durch's Große Haus anstand hätte hier durchaus nicht nur ein Plätzchen, sondern auch Einblick in die kommende Premiere "Die Königskinder" von Engelbert Humperdinck bekommen können. Auf den ersten Blick mag die Oper an ein Märchen erinnern, doch das Libretto, das in den letzten Jahren des vorletzten Jahrhunderts von Elsa Bernstein geschrieben worden ist hat einen stärkeren Bezug zur Jetztzeit als man zunächst denken mag. 

Valeska Stern, Dramaturgin der kommenden Produktion, führte sehr routiniert und authentisch in die Oper und einige Hintergründe ein. Es war zu spüren, dass die Arbeit mit dem Regieteam rund um die niederländische Regisseurin Jetske Mijnssen und Bühnen- und Kostümbildner Christian Schmidt während der vergangenen Wochen Spaß gemacht hatte. Man darf also auf die Premiere am 19. Dezember 2014 gespannt sein.

Eine Einführungsmatinee wäre keine an der Semperoper wenn nicht auch einige Protagonisten der Produktion eine stimmliche Kostprobe geben würden. An diesem Sonntagmorgen waren es Tichina Vaughn, die die Rolle der Hexe einnimmt und Christoph Pohl, der den Spielmann mimt.

Nach reichlich einer Stunde und fünfzehn Minuten stand fest: diese Produktion muss besucht werden.

Abschließend noch die Reflexion in Kurzform als #PresencingStatus:

Good - ein lohnender Sonntagmorgenbesuch in der Semperoper, Einführung in die Oper "Die Königskinder" inklusive einiger geschichtlicher Hintergründe

Tricky - eigentlich nichts bis auf die Tatsache, dass Frage aus welchem Grunde faszinierende Einführungsmatineen nicht die ihr verdiente Anziehungskraft haben

Learned - "Märchen" wie "Die Königskinder" haben mit der uns umgebenden Realität gemein als es auf den ersten Blick scheinen mag, Erinnerungen an "Verstummte Stimmen" (Elsa Bernstein [ein Abriss über Ihr Leben im Literaturportal Bayern] erlitt gleiches Schicksal wie viele jüdische Mitbürger in den 30er/40er Jahren)

Action - Besuch der Oper [Veranstaltungsübersicht inkl. verfügbarer Karten] (persönlich Karten für eine der künftigen Vorstellunge erstanden), wer am 19. Dezember 2014 die Premiere besucht (und auch spätere Vorstellungen) möge die Hashtags #DieKönigskinder & #Semperoper verwenden

Tuesday, January 29, 2013

Wagner in Dresden - eine echt spannende Geschichte

http://bit.ly/14o2vxo
Richard Wagner, ein im Jahr 2013 - seinem 200. Geburtstjahr - überaus gefeierter Komponist in Dresden an der Semperoper und auch anderswo, wie z.B. dem Teatro Massimo, der Oper Palermo, ist eine nicht nur schillernde Figur sondern eine ambivalente hinzu.

Wagner in Dresden geboren und bereits früh mit Musik in Berührung gekommen, Schüler der Kreuzschule und später als Sächsisch-Königlicher Kapellmeister. Ständig umtriebig, nicht zuletzt da er mit seiner Familie in wenigen Jahren in Dresden und Europa die Wohnungen wechselte. Mit jedem Umzug wird ein neuer Mikrokosmos auf ihn eingewirkt haben, was letzten Endes seine Musik und seinen Einfluss auf die weltweite Musikwelt hatte.

Doch war Wagner stets in Dresden so willkommen wie heute?

Richard Wagner war zu seiner Zeit jemand, den man heute einen Social Innovator nennen würde, doch stieß er bei seinem Bestreben stets auf Widerstand bzw. verließ die Orte seiner Tätigkeit nach fortwährender Erfolgslosigkeit. So kam er 1842 nach Dresden als er von der Aufführung seiner Oper Rienzi an der dortigen Hofoper (jetzt Sächsische Staatsoper Semperoper) erfuhr und wurde 1843 Königlich-Sächsischer Kapellmeister derselben.

http://bit.ly/112doHe
Zeitlebens beschäftigte ihn der Wunsch, das Musiktheater zu revolutionieren. Stets flossen seine persönlichen Erfahrungen durch seine zahlreichen Umzüge mit der Familie im In- und Ausland sowie die Perspektive auf größere geopolitische Veränderungen sowohl in Opern als auch in persönliches Handeln ein. 1849 war er aktiv am Maiaufstand beteiligt und musste -steckbrieflich gesucht- die Stadt Dresden und das Königreich Sachsen verlassen. Erst 13 Jahre später durch Amnestie des sächsischen Königs war es Wagner möglich, wieder in Sachsen eine Aufführung zu leiten.

Erst geschasst und dann geliebt?!

Kreative Köpfe haben es stets schwer, vor allem, wenn sie große Dinge bewegen möchten. Zur Hilfe kommen kann dann nur ein Gönner, der Ähnliches durchgemacht hat und Reputation und finanzielle Mittel zur Seite stellen kann.

Die Zeiten mögen sich geändert haben, doch die Dynamiken, die Wagner zu dem machten, was wir heute von ihm kennen und auf der Bühne erleben, haben sich wenig verändert. Bleibt wenig mehr an dieser Stelle, als Dresden und seinen zahlreichen Kulturinstitutionen sowie Bürgern und Gästen ein mehr als erfolgreiches 'Wagner Jahr' zu wünschen und den Anlass zum Handeln nehmen, sich eingehender mit Richard Wagners Lebensgeschichte zu beschäftigen. Darüber hinaus bietet sich die einmalige Gelegenheit, andere Opernhäuser dieser Welt, wie z.B. das grandiose Teatro Massimo in Palermo über eine persönliche "Social Media Reise" kennenzulernen und damit sich zugleich mit weiteren Wagner-Begeisterten und Opernfans auszutauschen und zu vernetzen.

Reisen, fremde Kulturen und Sprachen, Neugier, in größeren Zusammenhängen denken, philosophieren, aufbegehren und Visionen verfolgen, das prägte Richard Wagner. Warum auch nicht jeden von uns?! "Die Zeiten waren nie besser" wie Peter Diamandis, selbst Visionär,  zu sagen pflegt.

PS.: Richard Wagner konnte seine Visionen erst in Bayreuth mit Unterstützung des bayerischen Königs Ludwig II. umsetzen.

Mehr zu Wagner in Dresden und darüber hinaus:

Stadtwiki Dresden - Richard Wagner
Semperoper Dresden - "Wagner in Dresden" Dresdner Hefte Nr. 112
Semperoper Dresden - "Homage an Richard Wagner in der Spielzeit 2012/2013"
Marketing Dresden GmbH - Richard Wagner Festjahr 2013
Teatro Massimo - Wagner in Palermo
Twitter - #Wagner
SLUB Dresden - Richard Wagner Jubiläumsjahr 2013 (die Bibliothek ist für die Öffentlichkeit zugänglich und am Zelleschen Weg gelegen - ein Besuch lohnt sich für jeden Dresdner und Gast(!))

Thursday, November 22, 2012

Bella Figura - Mindful Creation of a Personal Setting

Photo: Costin Radu
The visit to the last performance of 'Bella Figura' on 11th of November, 2012 at Semperoper Dresden was definitely different - the second visit to Semperoper Ballett's first premiere piece this season. With more than sadness the premiere on the 27th of October, 2012 was filled as Hans Werner Henze, creator of "Das Vokaltuch der Kammersängerin Rosa Silber" choreographed by Helen Pickett, had died earlier that afternoon in Dresden.

"Bella Figura" is the title of this ballet evening with three, more than different looking, pieces. Contemporary dance orientated choreographers building on music from the baroque times to today. What shall the audience expect to see, hear, and feel? As frequent readers of my reviews on ballet in Dresden you may already know, the focus of this kind review is more on the overall impact, the notions that are set free by the evening (or not) and unseen connections into our lives, than on the technical perfection of the dance company itself.

One thing that is trickling through the minds of over a thousand opera visitors, as the room fills up, in their minds, as well as in mine these thoughts must have also come up, "According to the introduction in the basement, this is going to be not the normal performance. But what is it going to be?"

It seems quite so that Edgar Schein has been right in his short essay "The Role Art, and the Artist"with the point, "First, art and artists stimulate us to see more, hear more, and experience more of what is going on within us and around us". During the intermissions - as to jump forward for a second into the middle of the evening - I met friends, local tech-entrepreneurs to be exact, who were mind-wandering about the further development of the evening - a good sign, that emotion sensors have been activated by the artists on stage already!

The leading question this evening, "What is the bonding element that holds the pieces together, so to see it as a 'whole'?"

This time prior to the performance the "movie makers" of Semperoper Ballett, Ian Whalen and István Simon had shared on the Semperoper Ballett Youtube-channel personal interviews with the makers of the three pieces, to give the interested audience a sense about the intent of the choreographers.

One common theme that after some reflection (certainly not that very evening, as the emotional input was by far too much, as a dedicated ballet lover on Twitter wrote) within all three pieces, Bella Figura by Jiří Kylián, Zwischen(t)räume Hans Werner Henze: Das Vokaltuch der Kammersängerin Rosa Silber by Helen Pickett, and Minus 16 by Ohad Naharin is the role of the individual in loose or uniformed group context struggling to find her/his own unique personality.

Bella Figura opening the evening, after the last bell ringing, the last visitors moving into a well filled Semperoper, the stage was already opened up, and some of the dancers where doing some exercises, jumps, and alike. For the onlooker not quite clear, "Is it part of the piece, or a pre-performance training in a modern public way?"And so all started with a clearing with the mind, and an unusual start into what normally is a fixed procedure with formal announcement of not taking pictures, and the dimming of the lights.

Photo: Costin Radu
Once again the audience could view an amazing performance of Claudio Cangialosi who not only performed individually with movement, even thinking about it yourself would wrinkle your brain fully already. What struck me personally most by this piece was that the baroque music of several Italian composers had been bound together by Jiří Kylián in such a way, that the performances of all dancers, whether performing solo, or in pairs, or groups naturally flowed from one stage to the other, and back - leaving the audience with (I guess) open mouths when all dancers, men and women, appeared in red skirts being apparently fully topless. In a world where lots of personality is shaped by clothes, and the "right" costume, this piece certainly brought back the notion that, despite apparent differences we have been all equals.

As always during ballet evenings like this not having a clearly to follow story, the murmuring on the staircases, and hallways was inevitable. What could be better for intended notion of bringing some new ideas, and thoughts to the audience's mind that shaking up with such a first piece?

After the break Helen Pickett's work based on Hans Werner Henze's music, brought not just in the ballet dance as such, but enriched it through theatrical moments, and conversation of the dancers (Oleg Klymyuk & Natalia Sologub). Both being amongst the top level ranked dancers of the company wonderfully showed that play, and voice is an more than enriching way to attach the audience in what is happening on stage. Ballet dance though wonderful to watch is for quite a few people (in and even more so outside the opera) difficult to decipher on what it truly means behind what we can see. Touching our other senses, also by bringing up a huge video screen in the background of the stage enables the serendipity encounters we then can make in our mind, reconnecting with our own stories of the past, the wishes, and struggles we have been through life, and perhaps hesitated to share with others.

The program then called for a break - normally it is like that. This time every seemed different.">Jiří Bubeníček was appearing in front of the curtain. And what happened then over the course of almost 20 minutes was not just hilarious, but amazing to see how a crowd of people, normally conditioned to walk straight into the pause, stayed on their seats to watch ">Jiří's comedian-like improvisation to the jazzy sounds that filled the vast Semperoper audience hall. Again the mind, which was expecting a ballet evening of a "traditional" form was led into an open space, letting go of traditional patterns of behavior. 

What followed then, as the curtain was going up again, was a glimpse of what positively can happen when different cultures hit the facilitating ground of music, and dance. 10 days after the last performance of Bella Figura (in the regular program of the 2012/2013 season) the events in the Middle East once again brought to memory that art provides a "cultural island" that enables trust-building, and understanding beyond imagination. It not only is the ground for individuals to grow, but also for groups to collaborate across "established" boundaries. Ohad Naharin, leader of the Batsheva Dance Company (scroll back to listen to his interview given while he was over in Dresden), has created something that I, and others have probably not have experienced in an opera house: concentrating the performance energy not just on stage, rather engaged the whole audience to become one large dance company over a period of time. While writing these lines, it becomes evident to me that writing a review about a performance can only capture a little piece of the feeling, and the emotions that hang in the air that night. So I will end this with answering the four questions of the PresencingStatus:


  • Good: experiencing such an amazing evening a second time
  • Tricky: bringing my emotions, feelings, and perceptions of what was going on into words
  • Learned: combining means of communication (dance, voice, video, ...) enriches perception; don't get overwhelmed by surprises (just let it come, and act upon); music is life erasing the differences of human beings; stick to what you excel in, and search for the group that welcomes you graciously (and all win, one could see)
  • Action: reflection of the effects of this evening; awaiting the next performance at Semperoper (25th November, 2012, 7pm, 'La Bohème" with Jessica Muirhead as Mimi)


Tuesday, September 25, 2012

"Wir erreichen den Fluss" - Sehen, das vom Herzen kommt

Es gibt/Man kennt zwei Arten von Blindheit: eine betrifft die Augen, die andere das Herz.

Wie weit muss man sich als Beobachter von einer Situation entfernen, um dies wahrzunehmen? Wie kann er sich aus der Situation überhaupt entfernen oder ist er gefangen in einem Beziehungsgeflecht?

Was ruhig und verhalten am 20. September 2012 in der Dresdner Semperoper startete sollte sich im Verlauf des Abends ändern. Knapp zehn Tage war es her als das Regieteam Einblicke in das 1976 in Covent Garden uraufgeführte Stück von Hans Werner Henzes "Wir erreichen den Fluss / We come to the River" gab. Diese Neuproduktion ist eingebettet in eine Hommage an einen der bekanntesten zeitgenössischen Komponisten während der kompletten Spielzeit 2012/2013 an der Semperoper in Dresden.

Intendantin Dr. Ulrike Hessler konnte diesem kräftigen Start mit der die Semperoper gänzlich auf den Kopf stellende furiose Operninszenierung nicht mehr beiwohnen, da sie im Sommer überraschend einem Krebsleiden erlegen ist. Das Inszenierungsteam um Elisabeth Stöppler, Rebecca Hingst, Annett Hunger, Frank Lichtenberg und Erik Nielsen widmen daher die Inszenierung aus diesem Grund Ulrike Hessler zum stillen Gedenken, welchem ich bzw. wir uns anschließen!

© Matthias Creutziger
Der Gast, der an den Vorstellungsabenden (13./20./25./26./29. September 2012) den Zuschauerraum betritt sieht sich in eine mehr als verwirrende (auf den ersten Blick) Bühnenlandschaft versetzt. Ist doch der Bühnenraum im Parkett durch einen Steg von der Bühne bis zur letzten Parkettreihe wie durch einen Fluss getrennt. Kaum dass die Vorstellung heran ist, fühlt man sich bereits unbehaglich, denn Männer und Frauen in Tarnuniform postieren vor sämtlichen Türen des Parketts. Mit dem Knallen der Türen und Stiefelgetrappel ist es allen klar: hier ist heute etwas anderes als sonst im Gange.

Die Inhaltsangabe ist kurz (hier ausführlich nachzulesen): ein General hat mit seinen Truppen nach erfolgreicher Niederschlagung eines Aufstandes ein Opernhaus besetzt, während noch immer mit Deserteuren und Leichenfledderen abgerechnet wird eröffnet ihm sein Leibarzt, dass er erblinden wird. Dies löst einen emotionalen "Hot Button" bei ihm aus, d.h. langsam erkennt er die Wahnsinnigkeit des Krieges, das Leid, das dieser anrichtet, und seine eigene Hilflosigkeit als es zur Erschießung einer jungen Frau kommt, die Leichen gefleddert hatte. Er ist nun für die Kriegsmaschinerie nicht mehr tragfähig, denn Gefühle gehören nicht in diese "harte Welt" und er landet im Irrenhaus. Er wird sowohl von der Regierung wieder als General angefragt, als auch von der Opposition, doch er entscheidet sich gegen beide Alternativen und erfährt letztendlich die "Blendung", die ihn vollends "sehend" macht und dann den eigenen Tod durch die Insassen der Irrenanstalt.

Was von Hans Werner Henze zu einer Zeit geschrieben worden ist, als der Vietnamkrieg in seinen letzten Zügen war, Krieg als ultimatives Mittel von nationaler Interessendurchsetzung angesehen wurde und darüber hinaus durch die Medien zur damaligen Zeit in jeden weltweit erreichbaren Haushalt drang, ist wahrscheinlich komplexer und persönlicher, als es dem Zuschauer lieb sein könnte. Kriechen doch unwillkürlich Erinnerungen an eigene Armeezeiten und sinnfreie Befehle (auch im Frieden) von Offizieren in einem hoch. Der Abstand sowohl zeitlich (1976 zu 2012) als auch die an nicht eingängige an 12-Ton-Kompositionen erinnernde Musik, noch dazu von drei räumlich getrennten Orchestern im Zuschauerraum gespielt machen es nicht einfach, den möglicherweise umfassenderen Kontext zu erkennen. Sind wir etwa von unserer eigenen "Blindheit" gegenüber der Kunst geschlagen? Was erkennen wir und was ist möglicherweise im nach "Tohuwabohu" aussehenden Stück verborgen?

Bei längerem Analysieren und "Betrachten" der einzelnen Teile der Oper kommen gänzlich andere und auch die heutige Zeit übertragbare Muster zum Vorschein - ist dies vielleicht sogar eine Art des "Sehens", die von Hans Werner Henze mit seiner Oper beabsichtigt war? Selbstverständlich dreht sich alles um einen General, doch stellt sich dem Zuschauer beständig die Frage, durch welche offensichtlichen wie subtilen Feedbackschleifen (wie sie in System Dynamics genannt werden) wird das Handeln der einzelnen Personen geleitet? Anders als die bislang zur Oper verfügbaren Rezensionen  wird lediglich am Ende kurz auf die Dinge eingegangen werden, die sich aus dem sängerischen wie künstlerischen Eindruck an diesem Abend speisten. Wer den etwas längeren Diskurs überspringen möchte, dem sei das Ende dieses Artikels empfohlen.

Die sehr umfangreiche Handlungsführung ist umfassender und näher an den Zuschauer herankommend als üblich, man wird förmlich zum Teil der Aufführung. Es lassen sich fünf größere Gruppen identifizieren, die aufgrund der folgenden Ereignisse eng miteinander verwoben werden und untrennbar für den Lauf der Ereignisse verantwortlich sind:

- Publikum - Teil der Bevölkerung, die teilnahmslos den Ereignissen folgt und doch "mittendrin" ist
- Opernpersonal - Orchester und Sänger, die den Nimbus des "Normalen" und "Schönen" verkörpern
- Armee - deren Protagonisten ihren "Job erledigen" nach über Jahrtausende ausgeprägten Mustern
- Regierung - weit weg, oben, repräsentiert durch ein Orchester über der Bühne
- "Irrenhaus" - eine Welt, die nicht konform geht mit der gelebten Realität
-  Alte Frau, junge Frau und Sohn - die "Augenöffner"

Zentralfigur der Handlung ist ein General, der zunächst "blind" ist, zu erkennen, welches Leid er mit seiner Soldateska unter der Bevölkerung und dem Opernpersonal (dem physisch kein Schaden zugeführt wird) anrichtet. Erst der Hinweis auf seine drohende Erblindung durch seinen Leibarzt scheint im Kontext des unvermeidbaren Todes des Deserteurs und der zwei Frauen mit ihrem Kind bzw. Enkel lassen ihn etwas erkennen, für das er bisher blind gewesen ist.

© Matthias Creutziger
Dem Leibarzt, der von Gerd Vogel eindrucksvoll gespielt wird, kommt in diesem Moment eine entscheidende Rolle zu, die im komplexen Geflecht der Akteure nicht auf den ersten Blick deutlich ist: er löst mit seiner "beiläufigen" Bemerkung (nachdem er sich über das verwundete Knie des Generals erkundigt hat), dass dieser blind werden würde, eine Kettenreaktion aus, die alle genannten Gruppen in ihren Bann zieht (ob gewollt oder ungewollt) und den "Stein ins Rollen bringt".

Die zentrale Frage von "Wir erreichen den Fluss" ist der "Blinde Fleck" des Generals, der in seinem bisherigen Handeln praktisch blind gegenüber den Auswirkungen seines eigenen Handelns war. Die Frage stellt sich für jeden von uns, "Ist das lediglich im Krieg so, oder beobachten wir ähnliche Tendenzen im täglichen Leben um uns herum in unterschiedlichen Kontexten?". Was wie ein "Arbeiten im Autopilot-Modus" aussieht, d.h. die Gewalt und das Morden, als auch die gefühllose und losgelöste Beauftragung derselben durch Regierungskreise (vom Kaiser bis zum Gouverneur hinab), mag mit dem "Runterladen" bekannter Muster wie von Prof. Dr. Otto Scharmer in "Führung vor der leeren Leinwand" beschrieben werden. Wo finden sich vergleichbare Muster im Heute und Jetzt?

Körperliche Gewalt, die im Krieg eine maßgebliche Rolle spielt kann im friedlichen Miteinander zu einer anderen Art von Gewalt transzendieren, die unschwer schwieriger wahrzunehmen ist.  Sie wird "'Attentional violence' genannt - ... Es ist die Gewalt der Aufmerksamkeit, an der einige Menschen nicht teilhaben können. Das Erkennen des höchsten Potenzials aller Menschen gilt als ein Meilenstein in der Wertschätzung der Person, denn dieses führt dazu, dass dieses Potenzial tatsächlich in Erscheinung tritt." (Olga Lyra, Führungskräfte und Verantwortungsgestaltung, S. 44). Eindrucksvoll lässt sich wahrnehmen, dass diejenigen, die die "Drecksarbeit" verrichten oft nicht die Entscheidungsträger sind, wie die Soldaten verdeutlichen, die "nur ihre Arbeit machen".

Ohne endgültige Antworten zu geben, und dem Zuschauer viel Raum für das eigene Hinterfragen auch persönlicher Entscheidungen zu geben ging an diesem Donnerstag einer der überwältigendsten Opernabende seit dem Herbst 2010 zu Ende. In den Gedanken und dem geistigen Auge treten immer mehr Verbindungen zwischen "Wir erreichen den Fluss / We come to the River" und unseren eigenen Lebensumständen zutage.

Persönlicher Presencing Status bzw. Kurzkritik zur Aufführung vom 20. September 2012:

  • Good: Hans Werner Henzes Idee, die Oper mit einem tagesaktuellen Thema in das Publikum hineinzuführen und Frau Ulrike Hesslers Vision, zeitgenössische Oper auf die Bühne und in das Gespräch zu führen; Erik Nielsen, der die verstreuten Orchester und das Schlagwerk virtuos dirigierte; Simon Neal, der einen General (es hätte auch ein Manager sein können) perfekt mimte und die folgende Zerrissenheit während des "Sehen Lernens" wundervoll darstellte; Vanessa Goikoetxea, von 2010 bis 2012 Mitglied des Junges Ensembles und nun in einer herausfordernden Rolle, die sie spielerisch und sängerisch bravourös interpretierte; das komplette Ensemble der Semperoper und der Gäste auf der Bühne und im Zuschauerraum zu sehen und zu erleben, wie ein derart komplexes Werk von einer weitsichtigen Regisseurin, Elisabeth Stöppler, und ihrem Team umgesetzt worden ist.
  • Tricky:  Welcher Fluss ist von Henze gemeint? Der Totenfluss, Styx, oder der "Fluss des Lebens"?sind, wie nicht anders zu erwarten, die vielfältigen Sinneseindrücke der unterschiedlich positionierten Spielorte im kompletten Zuschauerraum; Musik, die nicht direkt eingängig für das Gehör ist; Erinnerungen an 'Simplicius Simplicissimus' 
  • Learned: umso komplexer das Setting einer Oper desto länger dauert es, das auf der Bühne Erlebte mit eigenem Erleben sinnvoll zu verbinden - "Letting go to letting come"
  • Action: Sehr gespannt auf einen zweiten Besuch von "Wir erreichen den Fluss / We come to the River"

Saturday, March 3, 2012

Ein William Forsythe Ballettabend

by Angela Incampo & Ralf Lippold

The Premiere, and so just one performance, of 'Ein William Forsythe Ballettabend' at Semperoper was not enough. A new attendance as a follow-up performance was needed to understand and appreciate the choreografies created by the great choreogrepher Forsythe, and brought on stage by an always incredible ballet company, such as the Semperoper Ballet truly is. Everybody probably knows that Aaron S. Watkin is a former Forsythe dancer, and therefore more than every other ballet director can understand the difficulties, the efforts, and the great concentration these pieces require.

In a completely full theater (so full has been the Premiere as well) the music starts and the curtain rises. On stage the whole company starts with "Artifact Suite" a piece already performed to Semperoper's audience last spring in 2011 within a variation rich, and not thematic programme. Last spring the ballet company was asked to dance a classical piece (George Balanchine - 'Emeralds'), and two modern pieces (Mats Ek - 'She was black', and William Forsythe - 'Artifact Suite'). In this occation, the Ballett Company proved again their ability to switch from a classical piece to a modern piece and the dancing maturity they are capable to put on stage (for more information, here the relevant links to the articles). Not many companies are able to perfectly combine the movements typical of classical dance with those required by modern dance.

Photographer: Costin Radu
"Artifact Suite" on music by Eva Crossman-Hecht and Johann Sebastian Bach, is an extremely beautiful piece. The green-coloured costumes of all the dancers are interrupted by the white-coloured suit of one single dancer, Vanja Vitman. She is the guide, she controls all movements of the Corps de Ballet and sometimes also the two dancing couples performing the pas-de-deux (Elena Vostrotina with Oleg Klymyuk, and Yumiko Takeshima with Raphäel Coumes-Marquet). She is the master who "leads the puppets", helped by a big lightspot. She decides when they have to move, and when they have to stand moveless. Homogeneity and heterogenity are both performed. The whole ballet company is involved in this huge choreography. The lack of coordination among the dances in some scenes and the strong coordination in other scenes are wildly interrupted by the curtain falling continuosly down. Is what we see performed on stage, the lack of co-ordination we experience in our daily life as personal individuals, and as members of the society? Is it a clear sign of the difficulties we always meet? A smooth life, with the different seasons coming quietly one after the other finds no room in today's human life. Also the movements, sometimes so slow and sometime so fast, mirror the current times.

Photographer: Costin Radu
William Forsythe has created and new arranged, expressly for the Semperoper Ballet, the second piece "New Suite". On music by Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Luciano Berio, Gavin  Bryars, Thom Willems are brought on stage, one after the other, seven couples (Chantelle Kerr* with Claudio Cangilosi*, Elena Vostrotina with Oleg Klymyuk, Julia Weiss and István Simon, Anna Merkulova and Jiří Bubeníček, Duosi Zhu and Pavel Moskito, Yumiko Takeshima with Raphaël Coumes-Marquet, Anna Merkulova and Jón Vallejo). The costumes, for this second piece are plain and perfectly co-ordinated between the dancing couples. No curtain falls down to interrupt the scene. The stage is completely free. They can perform in an open-space, in movements of pure harmony and disharmony, shaping the relationship between the sexes, expecially on Berio's music.

The third and last piece is "Enemy in the figure". The whole choreography is illuminated by a big spotlight free to be moved around on stage (a main figure on stage, as it gives more or less emphasis to the scene). The spotlight is continuously moved around by the dancers according to their internal needs. A rope cuts the stage in two and so does also a wavelike wooden wall, that "hides" the sight on what's happening behind it. Depending on the position in the audience, one gets a totally different picture of the scene, and what is visible from one side, appears invisible from another position. Very much in flow with reality, that can differ vastly from your own position, and perspective - seeing reality is not what one sees on the surface.

Photographer: Costin Radu
The dancers (Chantelle Kerr*, Raquel Martinez, Anna Merkulova*,  Ana Presta, Elena Vostrotina, Julia Weiss, Jiří Bubeníček*, Claudio Cangialosi, Raphaël Coumes-Marquet, Maximilian Genov*, Fabien Voranger) wear totally white, totally black or white and black (pierrot-like) costumes. Looking at the dancers moving on stage and hearing the rough music, the viewer can physically feel the dichotomy on stage. The dancers movements are strong. They cut through the air like sharp knives, they seem forced to move by some unseen force, acting like under fever. They restlessly try to free themselves from a force that is hosted inside themselves, deep in their bodies, and in their souls. Their fast movements show the need to re-create the lost balance, the harmony between all parts. The elements on stage (rope and wooden wall) are a clear further sign of the dichotomy the dancers are living in. All metallic and rough sounds, the dissonances are created ad hoc - very strongly in need!

Also in this piece the difficulty to live a quiet life can be seen; the forces that move our souls and our bodies, and that keep us away from acting in free-will. The desperate search for peace in all different moments of life, private and public, is strongly threatened by the difficulty to find the right balance between being our true selves, and play our roles according to the "outer world". The dancers are merely a mirror of our own experiences, so strong that sometimes people in the audience are overwhelmed, like the couple sitting beside us, leaving the house after 'Artifact Suite'.

Yet the creative process overwhelms the conformity every time. People like conformity in the sense of stability, which makes life easier, and yet everyone of us has experienced the moment when we move out to the edges, performing different due to our own thinking, and will to express thoughts.

A great power can be seen in the modern dance and especially in William Forsythe's choreographies. In opposite to classical dance and choreographers, a major pillar in dance history and dance movements, modern dance empowers each single viewer to discover in the pieces a meaning, an idea that in classical ballet is not possible to see (being the audience guided step by step through the execution of the piece).
In modern ballet, the audience is free to give pace to the own ideas, reflections and comparison with personal and social situation. Modern pieces are not fairy tales made to let people dream, they are a door opened into the inner soul and into the society soul.

A performance that really deserve to be seen!

* - Dancers on the picture beside; more pictures to be seen on Semperoper.
To explain the role of art and artist we recommend the following article by Edgar Schein.