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Saturday, December 29, 2018

Rückblick und Ausschau auf das Jahr 2019

Fast genau auf den Tag genau vor zehn Jahren, genauer gesagt am 23. Dezember 2008, kehrte ich nach Dresden zurück. Doch warum?

Das Jahr 2008 war nicht nur weltgeschichtlich wegen der globalen Finanzkrise ein für uns alle einschneidendes Jahr. Für mich war es zugleich der Verlust eines über fast ein halbes Jahrzehnt geschätzten Arbeitsortes, der meine inneren Stärken erst richtig zur Geltung gebracht hatte. Während dieser Zeit erfuhr ich von einer Teilnehmerin auf der Internationalen System Dynamics Konferenz im Sommer 2006 in den Niederlanden, dass ich ein sogenannter "Boundary Spanner" sei. Mir war der Begriff gänzlich unbekannt bis zu diesem Zeitpunkt und doch fühlte ich mich umgehend beschrieben als jemand, der es versteht, zwischen unterschiedlichen Kulturen (auch innerhalb einer Organisation) zu kommunizieren, Menschen miteinander in Beziehung zu bringen und als "menschlicher Katalysator" bei Problemlöseprozessen zu agieren. 

Während des Jahres 2008 war ich auf mehreren internationalen Workshops und Konferenzen und erzählte einem meiner Mentoren, einem Hochschulprofessor, in Dresden davon. Als ich das Format World Café erwähnte, empfahl er mir, mich mit der Initiative "Genius Hellerau" in Verbindung zu setzen, die von einem alten Nachbarn aus Münchner Zeiten von ihm organisiert wurde. So kam es, dass ich mich eines Nachmittags am 13. Juni 2008 im Gebäudeensemble Hellerau zum 3. Hellerauer Kreis (UPDATE: die Website ist im Jahr 2019 eingestellt worden) einfand.

Den 4. Hellerauer Kreis besuchte ich gemeinsam mit einem Vertreter der finnischen Managementhochschule Team Academy am 12. September 2008. In Finnland hatte ich erst einige Wochen zuvor persönlich diese Hochschule erlebt. Ich war fasziniert von der Tatsache, was angesichts einer drohenden Wirtschaftskrise. Zum Zeitpunkt der Gründung von Team Academy Anfang der 90er Jahre befand sich Finnland und insbesondere die waldreiche Region um Jyväskylä in Mittelfinnland in einer starken Rezension. Ein findiger Hochschuldozent der dortigen Hochschule für Technik und Wirtschaft (den hiesigen HTWs vergleichbar) hatte die pfiffige Idee, StudentInnen live am realen Objekt (AKA einer eigenen von einem Team geführten Firma) wirtschaftsrelevante Studieninhalte vermitteln zu lassen.

Das Konzept und auch die bereits gemachten persönlichen Kontakte sowie der im Winter 2009 folgende einwöchige Workshopaufenthalt in Finnland ließen den Plan reifen, etwas Vergleichbares im vom Aufbruch trotz der sich andeutenden Wirtschaftskrise gezeichneten Dresden ebenfalls auf die Beine zu stellen. Ein Konzept beim Businessplan Wettbewerb von futureSAX mit dem Namen "Team Lea(r)ning Experience" (der Name setzt sich zusammen aus:  Teams, die Erfahrungen (experiences) unter dem Framework Lean, d.h. Mehrwert schaffen in kürzerer Zeit bzw. geringerem Ressourcenaufwand) war schnell gefunden.

Doch etwas machte mich schon damals stutzig. In einem der Workshops, die von futureSAX veranstaltet wurden, einige Teilnehmer hatten ambitionierte Projektideen vorgestellt, die oft jedoch erst in der Kombination mit anderen Ideen nachhaltige Geschäftsideen machen konnten, kam die Aussage des Workshopleiters an alle im Raum unvermittelt, "Wenn Sie keine Million Euros vor Augen haben, dann sollten Sie gar nicht erst anfangen, Ihre Idee umzusetzen!"

Angesichts der Geschichte Helleraus gut ein Jahrhundert zuvor hatte ich Hoffnung, dass sich an diesem Ort fasnzinerend Neues in kurzer Zeit entwickeln würde. So machte ich mich am 12. Dezember 2008 auf den Weg nach Hellerau zum 4. Hellerauer Kreis. Dort stellte ich die Idee von "Team Lear(ning) Experience" vor und war guter Dinge. Tage später machte ich alles für einen Umzug nach Dresden klar, um die Vision an dem Ort, der für mich (bis zu diesem Zeitpunkt) für Innovation und schnelle Umsetzung neuer Ideen stand, in die Tat umzusetzen.

Womit ich damals nicht rechnen konnte, Veränderungen politischer Natur, deutsche Reglementierungen und deren strikte Auslegung sowie Zurückhaltung von Personen und Organisationen angesichts der aufkommenden Unsicherheit, sich auf Neues jeglicher Art einzulassen.

Warum ich auch nach zehn Jahren die Hoffnung nie aufgegeben habe kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Dass die Vision, die aus der Tätigkeit während des Hochwassers in Dresden als Operativer Leiter der Hochwasserhilfe und meiner anschließenden Arbeit beim Werksaufbau des BMW Werk Leipzig lebt und wächst, oft an nicht gedachten Stellen, ist sicher. Gespräche in Stadt und Land mit Personen des öffentlichen Lebens, Wissenschaftlern und Unternehmern zeigen, dass etwas Großes, oft erst mit den kleinen Dingen und Erfolgen, möglich ist. 

Der MOOC "u.lab - Leading From the Emerging Future", den das Presencing Institute zusammen mit der Online-Lern-Plattform edX seit 2015 jährlich zwischen September und Dezember durchführt, hat einen gehörigen Teil dazu beigetragen. Nicht nur, dass es inzwischen eine Gruppe von Interessierten von Theorie U bzw. u.lab in Dresden gibt (ulabsaxony DresdenULabHub), auch die internationalen Verbindungen zu anderen Teilnehmern gab immer wieder positive Impulse.

Auch und besonders in Sachsen - LASST ES UNS GEMEINSAM REALITÄT WERDEN! Die Anfänge lassen sich überall erkennen, wenn man aufmerksam und achtsam schaut, und das im ganzen Freistaat Sachsen.

Allen, die dies lesen wünsche ich von Herzen einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel Erfolg in allen Lebensbereichen

Euer Ralf


PS.: Wie vergleichbare Gedanken im Kontext einer kleinen Stadt in Mittelsachsen aussehen, davon kann man sich in Augustusburg, einer kleinen Stadt südöstlich von Chemnitz, überzeugen. Seit Januar 2017 gab es drei persönliche Besuche dort in unterschiedlichen Kontexten. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Dinge sich dort entwickeln. Wie immer sind es auch hier Personen, die das möglich machen vom Bürgermeister bis hin zu engagierten Bürgerinnen und Bürgern.





Wednesday, October 18, 2017

Chemie - Gesellschaftlicher Katalysator? Roald Hoffmann macht es wahr!

Startfolie des Preisträgervortrrags
von
Prof. Roald Hoffmann
Roald: From a refugee camp in Wasseralfingen, books of Marie Curie and George Washington Carver in German, to America

(Roald: Von einem Flüchtingslager in Wasseralfingen, Bücher von Marie Curie und George Washington Carver auf Deutsch, nach Amerika)

Am 10. September 2017 feierte die die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) das Jahr ihres 150-jährigen Bestehens mit einem Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Höhepunkt des Abend war die erstmalige Verleihung des Primo-Levi-Preises an Prof. Roald Hoffmann, Nobelpreis in Chemie (gemeinsam mit Kenichi Fukui) 1981.

Primo Levi, italienischer Schriftsteller und Chemiker, der den Holocaust überlebte (ähnlich wie der Preisträger auch), hat mit seinem schriftstellerischem Wirken die Chemie in weite Teile der Bevölkerung getragen. Darüber hinaus hat er mit seinem autobiografischen Werk "Ist das ein Mensch?" über seine Erfahrungen während seines 11-monatigen Zwangsaufenthalts im Konzentrationslager Auschwitz einen Platz in der Weltliteratur eingenommen.

GDCh Präsidentin Thisbe K. Lindhorst und Prof. Roald Hoffmann
Mit dem Primo-Levi-Preis, der von der GDCh und der Italienischen Chemischen Gesellschaft (Societa Chimica Italiana) gemeinsam verliehen wird, werden "Chemiker oder Wissenschaftler chemienaher Disziplinen ausgezeichnet, die sich in besonderem Maße für die Wahrung der Menschenrecht einsetzen und damit den Dialog zwischen der Chemie und der Gesellschaft voranbringen" (Auszug aus der Pressemitteilung der GDCh vom 6. Juni 2017).

Roald Hoffmann, bedingt unter anderem durch seine Kindheit, geboren 1937 damals im polnischen Zloczow (heute zur Ukraine gehörig) ist ein "Brückenbauer" (Boundary Spanner via P2P Foundation) zwischen unterschiedlichen Kulturen und Disziplinen. Der Titel seiner Nobel Lecture anlässlich der Nobelpreisverleihung 1981 "Building Bridges between Inorganic and Organic Chemistry" lässt den interessierten Leser bereits vermuten, dass sich darunter mehr verbirgt als ausschließlich die Leidenschaft eines Chemikers im Kontext mit Atomen und Molekülen.

Kunst, Poesie und Philosophie sind die Felder, in denen Roald Hoffmann ebenfalls seit Jahren aktiv tätig ist, wie auf seiner Website zu entnehmen. Nicht ohne Grund ist die Kunst und die mit ihr verbundenen Künstlerinnen und Künstler ein Katalysator für gesellschaftlichen Wandel hin zu größerem Verständnis gegenüber der Wissenschaft (die, falls wir nicht selbst damit zu tun haben, uns abstrakt und im "strengen Sinne" überflüssig vorkommt, da wir sie in geringem Maße in unserer persönlichen Erlebenswelt einordnen können) und zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. Auf den Malta Conferences, die sich dafür einsetzen, die Kraft der Diplomatie der Wissenschaften für ein friedfertiges Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen im Nahen Osten einzubringen ist er ebenfalls ein regelmäßiger Teilnehmer, so auch in diesem Jahr im Dezember.

Jan Kollwitz (li.)
Roald Hoffmann (re.)
Besonders faszierend ist die gestiftete Keramik, die in tradioneller japanischer Technik von Jan Kollwitz, dem Urenkel von Käthe Kollwitz, die ihre letzten Lebensjahre in Moritzburg unweit Dresdens verlebt hat,  produziert worden ist. Just in dieser Woche, am morgigen Donnerstag, eröffnen die Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) im Kupferstichkabinett eine Sonderausstellung anlässlich des 150. Geburtstages von Käthe Kollwitz - man mag es für eine zufällige "Laune" der Geschichte halten und doch treffen wiederum unterschiedliche Stränge der Geschichte in Dresden in Form der Kunst zusammen.






Zusammenfassung des Erlebten während (und nach) der Eröffnungsfeier des Wissenschaftsforum 2017 (#wifo2017) im bewährten #PresencingStatus:

  • Good - Konzerthaus am Gendarmenmarkt war der passende Ort, um Wissenschaft, Kunst und Publikum emotional zu verbinden 
  • Tricky - mehrfache Anläufe zum Aufschreiben der Erinnerungen an diesen faszinierenden Abend in Berlin "scheiterten"
  • Learned - manche Dinge, wie das Schreiben dieses Artikels, benötigen mehr Zeit als vermutet, vor allem wegen der verfältigen Verflechtungen und Dockingpunkte mit anderen Dingen (SKD, Semperoper Ballett, Deutsche Physikalische Gesellschaft, Dialogmiteinander, Flüchtlingskrise, Bundestagswahl, Diversity, ...)
  • Action - Wie könnte ein Prototyp im Rahmen des MOOC "u.lab - Leading From the Emerging Future" aussehen, der die Vielfalt (diversity) von Personen, Erkenntnissen sowie Erlebnissen, die die offenbaren Grenzen zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft verschmelzen lassen und visuell oder in anderer geeigneter Form für andere erfahrbar macht? 

Thursday, February 23, 2017

"Kunst ist der Kitt, der uns zusammenhält"

Am vergangenen Mittwoch luden die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie der Landesverband Bildende Kunst Sachsen zum 1. Kulturfrühstück in den Lichthof des Albertinum ein.

Lichthof des Albertinum ©RalfLippold
Angesprochen waren in erster Linie bildschaffende (Bilder, Plastiken) KünstlerInnen aus Sachsen, um gemeinsam in den Austausch zu gelangen und auch die Nöte und Fragen unmittelbar von den Künstlerinnen und Künstlern zu erfahren. Dass auch weite Anfahrtswege nicht gescheut wurden, was den Wert der Veranstaltung unterstreicht, zeigten Teilnehmer auch aus den entfernten Gegenden des Freistaats wie z.B. Zittau.

Dr. Marion Ackermann, seit vergangenem Jahr die neue Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, führte als Gastgeberin in die von gut 100 Künstlerinnen und Künstlern besuchte Veranstaltung ein und erläuterte die Intention des Kulturfrühstücks. Sie betonte, dass es sehr wichtig in ihrer Arbeit und auch für Museen, wie die SKD, sei, "in den Kontakt mit wahren Menschen zu kommen." Obwohl die Kunst besonders in Dresden durch ihre Vielschichtigkeit, “der Kitt, der uns zusammenhält" (Dr. Marion Ackermann), doch oft (noch) zu wenig nach Außen präsent ist (abgesehen von den weltbekannten Kunstschätzen der Vergangenheit).

Am Stehisch in der Mitte (v.l.): Dr. Marion Ackermann,
Dr. Till Ansgar Baumgart, Uwe Gaul ©RalfLippold
Staatssektretär Uwe Gaul, SMWK, und Dr. Till Ansgar Baumhauer, Stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Bildende Kunst Sachsen e.V. standen den interessierten Gästen ebenfalls Rede und Antwort. Bezugnehmend auf die Ankaufs- und Auftragsaktivitäten Augusts des Starken, das in der sogenannten "Wunderkammer" ("Grünes Gewölbe") nach wie vor heute zu bewundern ist, standen die Herausforderungen zeitgenössischer bildender Kunst und ihrer Künstler im Vordergrund. Eine höhere Wertschätzung der Werke, sei es durch direkten Ankauf oder durch die Richlinie für Ausstellungsvergütung für bildende Künstler/innen in Sachsen, auf der einen Seite und bessere Vermarktung der eigenen Kunst für ein interessiertes Publikum standen über weite Teile des Morgens im Vordergrund der Gespräche.

Als das Gespräch gegen kurz vor 14 Uhr in kleiner Runde beendet worden war stand fest:

das kann nur der Anfang weiterer ähnlicher (lokaler) Veranstaltungen sein!

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Wie stets an dieser Stelle eine kurze Reflexion ganz im Sine des #PresencingStatus:

Good

  • ein fantastischer Raum (Lichthof), der geradezu zum Dialog über Kulturen und Institutionen einlädt
  • offener Raum, Stehtische und kein "opulentes" Frühstück (das oft zur Ablenkung verleitet)
  • interessierte KünstlerInnen aus Nah und Fern, die mit Politik, Museumsvertretern (neben Frau Dr. Ackermann war z.B. auch der Direktor des "Grünen Gewölbes" Dr. Dirk Syndram zugegen)
  • offenes Gesprächsformat, das viele (Gesprächs-)möglichkeitsräume für alle Anwesenden eröffnete
  • kostenfreies WLAN über Telekom Hotspot (3 Stunden kostenloser Internetzugang via WiFi-Netzwerk MUSEUM_SKD) 

Tricky

  • "das Eis zu brechen" (die 1. Frage zu stellen) ist nicht einfach (man steht sofort im "Rampenlicht" und der allgemeinen Wahrnehmung [diejenigen, die sich getraut haben, Ihre Fragen und Erfahrungen loszuwerden werden sicherlich bereichert sein]
  • punktuell schwache Ausleuchtung des WLAN (ansonsten großes Lob (!) für dies Möglichkeit)
Learned
  • KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen stehen ähnlichen Herausforderungen gegenüber, um ihr Werk einem breiten Publikum sichtbar und verständlich zu machen, siehe auch Staatsministerin Frau Dr. Eva-Maria Stange während ihrer Laudatio beim letztjährigen KUWI Preis 2016 des DWZK e.V. in den Technischen Sammlungen Dresden
  • neugieriges Fragen bringt Lösungen auch in Fragen der digitalen Vernetzung (WLAN)
  • dank leidenschaftlichen Beitrags von http://gabriele-watterott.de, einer Künstlerin aus Zittau erfahren, die den "wirtschaftlichen Funken" in den Dialog brachte
Action
  • erste Aktivität via Twitter während der Veranstaltung 

Auf ein Wiedersehen im Lichthof des Albertinums!


Wednesday, August 17, 2016

Mindestlohn - überflüssig oder notwendig?

Am 28. Juli 2016 stellten Staatssekretär Stefan Brangs, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehrs (SMWA) und Prof. Dr. Lutz Bellmann, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ca. zwei Dutzend Fachpressevertretern den "Forschungsbericht - Mindestlohn: Längsschnittstudie für sächsische Betriebe" vor. Hintergrund waren die Auswirkungen, die die generelle Mindestlohneinführung zum 1.1.2015 auf die sächsische Wirtschaft seit dem hatte. Grundlage der Datenbasis ist das IAB-Betriebspanel,  das seit 1996 auch für die ostdeutschen Bundesländer erstellt wird und für den speziellen Forschungsbericht entsprechend erweitert worden war.
Prof. Dr. Lutz Bellmann (2.v.l.), Stefan Brangs (2.v.r.)
Das Kurzfazit von Prof. Dr. Lutz Bellmann lautete "Keine anderen Bundesländer sind so stark (vom Mindestlohn) betroffen (wie Sachsen)".

Bereits 2014 (vor der Einführung des generellen Mindestlohns von 8,50 €) wären bei einer Einführung des Mindestlohns zu diesem Zeit ca. 31% der sächsischen Betriebe davon betroffen gewesen, da sie mindestens einen Arbeiternehmer mit einem Stundenlohn unter dem geplanten Mindestlohn beschäftigten. Mit Einführung des Mindestlohns gaben 44% der Betriebe an, dass dies Auswirkungen auf ihr Lohngefüge (nicht nur die Arbeitsverhältnisse mit Stundenlöhnen mit weniger als 8,50 €, sondern auch entsprechende Höherstufungen anderer Stellen (Stichwort: Lohnspreizung), um das Lohngefüge innerhalb der Unterhmung ausgeglichen zu halten).

Wesentlich geringer fiel die Auswirkung auf die Anzahl der Beschäftigten aus, die mit 13% (2014) bzw. 16% (2015) angegeben wurde.

"Warum Sachsen so stark?", so Prof. Dr. Lutz Bellmann - eine Frage, die auf den ersten Blick nicht einfach zu beantworten ist. Bei genauerem Betrachten fallen mehrere Aspekte auf, die für Sachsen eine entscheidende Rolle spielen:
  • Trotz des in der volkswirtschaftlichen Theorie gelehrtem "freien Spiel der Marktkräfte" (Tarifvertragsparteien) von dem in Deutschland ausgegangen wird, liegt Sachsen mit einer durchschnittlichen Tarifbindungsquote von ca. 23% eine besondere Situation vor. Dies bedingt, dass Löhne und Gehälter individuell zwischen den Arbeiternehmern und Arbeitgebern ausgehandelt werden oder Haustarifverträge in geringem Maße zur Anwendung kommen.  Die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmerseite ist u.a. aufgrund der geringen Tarifbindung schwächer.
  • Sachsen war unmittelbar vor der Wiedervereinigung (und in den Jahrzehnten zuvor) industrielles Kernland mit einem umfassenden Kapitalstock (Unternehmen, Infrastruktur) und einer sehr gut ausgebildeten Arbeitnehmerschaft. Höhere Löhne zogen in den vergangenen Jahrzehnten in hohem Maße Fachkräfte in Richtung Westdeutschland ab. Eindrucksvoll war bei der Ansiedelung von BMW in Leipzig und für die Region vergleichsweise hohen Tariflöhnen (wenn auch auf ostdeutschen und somit niedrigerem Niveau als im Westen) zu erleben, wie ehemals "ausgewanderte" qualifizierte Fachkräfte wieder nach Sachsen zurückkehrten
  • Die "Randlage" Sachsens zu Polen und Tschechien bedingt unmittelbar eine Preiskonkurrenz, die sich für einheimische Unternehmen durch eine Tendenz zu niedrigeren Löhnen ergibt, und durch die geringe Tarifbindung noch verstärkt wird
  • Als weiterer Grund wird eine "geringere" Produktivität von ca. 70% gegenüber den westdeutschen Unternehmen für sächsische Unternehmen (als Grundlage hierfür wird u.a. die Umsatzproduktivität in Form von Umsatz pro Mitarbeiter angegeben (siehe IAB Betriebspanel 2015, S. 93) herangezogen - ob dies der tatsächlichen Produktivität ist bleibt zu hinterfragen
  • Zusätzlich, und das führte Prof. Dr. Lutz Bellmann kurz aus, ist die Exporttätigkeit von Unternehmen in engem Zusammenhang zu gezahlten Löhnen und Gehältern zu sehen. Exportorientierte Unternehmen zahlen in der Regel höhere Löhne als ausschließlich lokal und national tätige Unternehmen.
Trotz aller Negativszenarien vor Einführung des Mindestlohns von 8,50 € wie z.B. in der vom Freistaat Sachsen beauftragten Studie "Auswirkungen des geplanten Mindestlohns auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in Sachsens Kreisen und kreisfreien Städten" des ifo Institut 2014 (siehe links) ist (zum gegenwärtigen Zeitpunkt) für Sachsen kein signifikanter Mindestlohneffekt auf den Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter, geringfügig Beschäftigter und freier Mitarbeiter in Sachsen und Ostdeutschland zu verzeichnen.


Was zum Zeitpunkt der IAB Studie 2016 zu beobachten ist:
  • eine Erhöhung der Stundenlöhne oberhalb von 8,50 €
  • eine geringe Reduktion der Arbeitszeit (nicht signifikant zur Zeit)
  • höhere Absatzpreise
  • kein signifikanter mindestlohnbedingter Effekt auf die Beschäftigung in Sachsen.

Trotz der offensichtlich nicht signifikanten negativen Auswirkungen des Mindestllohns auf den sächsischen Arbeitsmarkt und die Wirtschaft blieben Fragen der Medienvertreter nicht aus, wie z.B. "Ist eine Differenzierung nach Kreisen und kreisfreien Städten bei den Zahlen möglich, um ein differenziertes Bild der Auswirkungen zu erhalten?". "Nach aktueller Datenlage nicht möglich", so Prof. Dr. Lutz Bellmann. Aus welchen Gründen eine (anonymisierte) Datenerfassung in relativer Echtzeit (z.B. monatlich) und differenziert nach Kreisen und kreisfreien Städten bislang nicht möglich ist, um eine höhere Transparenz und somit Durchlässigkeit des Arbeitsmarkt zu ermöglichen, bleibt eine der offenen Fragen, die die Vorstellung der Studie hinterließ. Zugleich machte es Mut, dass Digitalisierung mehr und mehr als Chance für Unternehmer, Unternehmen und Städte und Gemeinden und Bürgerinnen und Bürger erkannt wird.

Auch die Auswirkungen der Digitalisierung für die sächsische Wirtschaft wurden hinterfragt. Neben neuen digital getriebenen Geschäftsmodellen (wobei diese sehr differenziert in den unterschiedlichen Branchen zu sehen ist) werden auch innerbetriebliche Produktions- und vor allem Kommunikationsprozesse durch Digitalisierung nicht nur vereinfacht sondern wertschöpfend erweitert werden können. Um dies zu gewährleisten braucht es engagierte und angemessen bezahlte Arbeitnehmer. Der Mindestlohn kann, auch wenn er vorübergehend die Gesetze des Marktes durchbricht, als untere Ebene verstanden werden, um Arbeit und Beschäftigung in Sachsen zu entwickeln, die ein Leben in allen Regionen des Freistaates auskömmlich machen. 

Der PresencingStatus (Kurzreflexion entstanden aus dem Presencing Institute, das zur Zeit zum wiederholten Male den kostenfreien MOOC U.Lab - Transforming Business, Society and Self anbietet) für das Thema Mindestlohn in Sachsen:
  • GOOD - Mindestlohn (ca. 1.400 € monatlich bei einer Vollzeitstelle) stellt eine "Sittlichkeitsgrenze" (Staatssekretär Stefan Brangs) dar; Ausgangslage, um bei sächsischen Unternehmen "Innovationsdruck", Internationalisierung und Skalierung der Geschäftstätigkeit unter Zuhilfenahme von Digitalisierung zu ermöglichen; Vorbereitung auf den Zeitpunkt 2020 (Auslaufen von Solidarpakt II und Rückgang ESF/EFRE-Förderung durch EU); besonders niedrigqualifierte ArbeitnehmerInnen durch Mindestlohn "verdrängt"
  • TRICKY - Mindestlohn von zahlreichen Akteuren als Eingriff in die Tarifautonomie und unternehmerische Entscheidung gesehen; Ad-Hoc-Reaktionen der Unternehmen (Stundenreduktion, keine Neueinstellung); "Lohnspreizung" kritisch gesehen
  • LEARNED - lediglich 23% der sächsischen Unternehmen unterliegen der Tarifbindung (stark abgenommen seit Mitte der 90er Jahre); Löhne und Gehälter in Deutschland  intransparent (außerhalb von Tarifverträgen)
  •  ACTION - Vermitteln des Nutzens von Digitalisierung (Prozesse innerhalb von Unternehmen, insbesondere zu Kommunikation; Nutzung für Außendarstellung, dass man im Internet gefunden wird); Entwickeln und Umsetzung neuer digitaler Geschäftsmodelle (zusätzlich zu den vorhandenen) für sächsische Unternehmen, die nicht im Technologie- und Hightech-Bereich zu finden sind (z.B. Tourismus, lokale Manufakturen, Spezialgerätehersteller)
Wie lässt sich der Mindestlohn als "Startbahn" für einen zukünftigen ökonomisch und gesellschaftlich prosperierenden Freistaat Sachsen nutzen (insbesondere,da Sachsen mit 2020 aus der bisherigen Förderung durch die EU und Beendigung des Solidarpakt II heruasfällt)? - eine Frage, die alle Akteure im Freistaat in der einen oder anderen Art beschäftigt.

Weiterführende Informationen inklusive der Studie sind der Medieninformation des SMWA hier zu entnehmen (im PDF-Format mit direktem Link auf den Forschungsbericht des IAB).

SMWA auf Twitter von der Fachpressekonferenz "Mindestlohn in Sachsen"



Sunday, March 27, 2016

Easter - A Time of Rebirthing

Sometimes you bear thoughts you'd like to share with someone, but don't dare to do so. Then there comes a unique opportunity where sharing something like this is part of the course curriculum as in the past ScalingUpMOOC gracefully led by Stanford professors Huggy Rao and Bob Sutton.

One of the early, individual exercises was the PREMORTEM Exercise which I'd like to share today on Easter Sunday which stands for death and rebirth at the same time. Only taking the courage to move forward when all seems to be stuck, or fail, is when you succeed in life.

Happy Easter to All and thank you to all who have helped over the course of five decades to become who I am today, and in the future !!!


A Detoured Dream


The amazing global team of CitizenScienceLab during #ScalingUp MOOC


It is a day late in summer of the year 2017, the academic semester is shortly to begin and CitizenScienceLab should have been running as a high-level on-institute of the local university as their multi-disciplinary system dynamics institute.

Not quite so, the project had not taken off to reality, and the properties where it would be housed in the future are still abandoned, and unused (probably awaiting real estate speculation, or other).
What had happened?

Early in 2016, all looked promising, the years of connecting across the globe with top leaders in the field seemed to take fruit finally and scaling towards finalization looked as being just a mile ahead. What we underestimated was the inertia of institutions and their stakeholders to give us backwind to propel what sounded like a must in the turbulent times of the refugee crisis that had a massive (negative) impact due to weekly protest marches and bad-mouthing across the world, which did not stop before foreign researchers that the university was attracting just months before due to playing a prominent role in the Germany-wide "excellence initiative" in order to raise global awareness of scientific and research excellence in the region. An urge of action by the various government, city and business constituencies not taking into account of going for another more sustainable approach that what has a positive impact on the "learning society" seemed still the norm, as it often is the case in crisis situations.

The initiator of the project, thus known in the city and government circles over the years, undebatable had low credibility as everybody knew that two of his ventures (a consulting firm, and a coworking space he brought up in the aftermath of the financial crisis in 2009/2010 both failed). His global connectivity sort of scared people away, who were bound to their local communities, and often did not dare to speak in English or other languages than German. To overcome this shortcoming, he had built a global network of mentors, supporters and useful connections that even led him to C-level executives in VC funds, and tech giants hoping to tie all this together (via digital technology, for this he had initiated another startup in order to build up the trust of the local tech, science, arts and academic community over the years).

Yet all this did not look like a real scaling effort, and really hard work to most people around him, and who would be needed to bring the project to lasting success.

Being an „outsider" to the local community and a born West German respect and trust was not as high brought back by local stakeholders so it would have fueled positively the process, and being not in the academic circles sort cut off from any support from institutions that are currently supported financially within a running governmental funding scheme. So things just took time to evolve - too long it seemed.

What really „killed the cat" was the fact that various aspects and focus topics of the CitizenScienceLab, such as action learning, lean thinking, Theory U, system dynamics being used to solve complex challenges, whether, in the business, educational, governmental or societal context seemed way too broad and disconnected for most, especially scientists who became interested in the concept and offered to support and scale. In the end, everyone is just close to their own issues, life & work challenges. And the viable business model had been vague for too long, especially as there is nothing comparable to the idea (even though the former Dean for Graduate Education at MIT, Christine Ortiz just stepped back from this position in order to found a new kind of university without professors, curriculum or major, mainly based on project-based learning). The concept of citizen science is literally unknown in the region, and attracting larger parts of the civic society to get involved did not work, partially due to missing incentives or language constraints.

The mindset of scaling, especially in the face of obstacles, sometimes putting a gear down in speed is an unfamiliar assumption in society here, where it is believed that success comes from hard work and going through "concrete walls" (if it needs), where the founder and his team are mainly focusing on finding the most elegant solution with the given resources, and having the future (long-term) in mind as well.

As progress did not positively scale new people for the team did not show up, perhaps also due to not doing marketing and attracting bright minds to co-create this new institution in the city that is known lately for being reluctant to quick change (even for prototypes).

Even though the project is not running in 2017, being ready for the first students, entrepreneurs and citizens to learn about how to bring a systemic view and understanding to solve their complex challenges, there is no end to and a next future milestone for 2018 will be set (with all the learning along the way to play out in a positive way).

Anybody willing to make it happen in 2017 is very welcome to visit CitizenScienceLab

PS.: Anyone eager to learn more about what has happened over the years, and where it all originated, here the complete story from the beginning.

Wednesday, May 20, 2015

Ein guter Ort - notwendige oder hinreichende Bedingung für gesellschaftlichen Dialog?

Am 28.03.2015 fand im Internationalen Congress Center Dresden die 1. Dresdner Bürgerkonferenz statt. Ebenfalls an diesem Ort hatte am 21.01.2015 das 1. Dialogforum Sachsen stattgefunden. Und doch waren die Veranstaltungen grundverschieden.

Einige Wochen später, gegen Ende März 2015, fand das inzwischen 2. Dialogforum Sachsen an einem neuen Ort, dem Albertinum, statt, zu dem wiederum rund 300 Bürger Sachsens eingeladen bzw. durch einen notariell begleiteten Auswahlprozess ihre Einladung per Telefonanruf erhielten.

Was einige Wochen zuvor seinen Anfang im Internationalen Congress Center Dresden genommen hatte, fand an diesem Abend im überdachten Innenhof des Albertinums seine Fortsetzung. Kurz nach der Neueröffnung des Albertinums im Oktober 2010 wurde dieser "neue" Raum erstmals vollständig für eine künstlerische Inszenierung genutzt. Das Semperoper Ballett führte dort die Choreographie von Jiri Bubenicek auf und das Publikum, das den TänzerInnen während vier Vorstellungen an zwei Tagen durch die Räumlichkeiten des Museums auf Schritt und Tritt folgte war fasziniert.

Diese Erinnerungen an die Tage im Oktober 2010 waren es, die mich beim Eintreten in den unübersehbar mit Dutzenden von weißen Tischen und noch mehr Stühlen und Menschen aus Dresden, Sachsen und dem Ausland (die in Sachsen wohnen, leben und arbeiten) gefüllt war nachdenklich werden lassen.

"Was wird der Abend bringen?" - unbestimmte Neugier überfiel mich, und nicht nur mich.

Graphic Recording of #ULab MOOC by @kelvy_bird


Kurz zuvor hatte ich mich bereits mit zwei Teilnehmern des MOOC "U.Lab: Transforming Business, Society and Self" aus Dresden getroffen, um das Dresden U.Lab Hub mit einem persönlichen Kennenlernen zu starten. Ein 1-minütiger persönlicher Vorstellungspitch, wie wir es inzwischen bei unseren regelmäßigen Treffen von "Dresden Business International Group" halten, brachte die Grundlage für einen intensiven Dialog, der uns über leckeren Kaffee (auch mit Sojamilch) fast den Start des #Dialogmiteinander im Nachbargebäude vergessen ließen.

Das Albertinum, ein (aus meiner persönlichen Sicht) wahrhaft "guter Raum", der als Katalysator zwischen Bürgerschaft und diversen Themen, ob Kunst, Technologie oder wie am heutigen Tage sozialen Herausforderungen, dienen kann. Möge es der Beginn vergleichbarer Veranstaltungen dieser Art dort gewesen sein. Die Energie, die in diesem ausladenden Raum innewohnt ist unvergleichlich (dies ist ein persönlicher Eindruck).

Nachdem wir als TeilnehmerInnen im Vorraum, neben der Skulpurenhalle, über die Teilnehmerliste verifiziert worden waren musste sich für eines der beiden Themenfelder "Asyl" und "Bürger, Gesellschaft, Politik" für den Abend entschieden werden. Ein Tischlos machte den "Anmeldeprozess" komplett und so konnte der Abend beginnen.

Es warteten einige Stunden mit hitzigen, interessanten und perspektivenöffnenden Gesprächen (noch kann man es nicht Dialog im Engeren bezeichnen, denn noch herrschte eine Darlegung der unterschiedlichen Positionen an den Tischen vor, ohne einen gemeinsamen Blick in die Zukunft zu eröffnen) - #Dialogmiteinander (der Dialog auf Twitter, der im Verlauf der inzwischen drei stattgefundenen Veranstaltungen merklich abgenommen hat).

Zwischenzeitlich (dieser Beitrag schlummerte einige Wochen) hat das 3. Dialogforum Sachsen (diesmal in Chemnitz im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (emac) stattgefunden. Eine wiederum neue Umgebung, neues Publikum, Weiterführung der bereits beim 1. Dialogforum Sachsen begonnen Gesprächsthemen.

Drei Mal ca. 300 Sachsen (Einheimisch und Zugewanderte aus aller Welt) - reicht das, das soziale Feld eines ganzen Bundeslandes zu verändern? Was macht man als Bürger, wenn man nicht ausgewählt worden ist oder wegen der Entfernung zum Veranstaltungsort keine Möglichkeit der Teilnahme hat? Ist es eine rein politisch getriggerte Veranstaltung oder liegt die Intention an der aktiven Einbindung des Bürgerwillens?

Fragen, die sich jeder selbst beantworten mag und auch mit ihrer bzw. seiner inneren Einstellung aktiv zu fördern kann.

Nachfolgend einige weitere Stimmen/Blogs zu den vergangenen Veranstaltungen des Dialogforum Sachsen:

Dialoggestalter (Kurzbericht von den Veranstaltern des Formats "Dialogforum Sachsen")
Sachsen Fernsehen (Bericht vom 3. Dialogforum Sachsen)
Katharina Weyandt (Teilnehmerin 3. Dialogforum Sachsen)
Jan Pötzscher (Teilnehmer 2. Dialogforum Sachsen)
Antje Osiander (Teilnehmerin 1. Dialogforum Sachsen)
MDR Sachsen (Bericht vom 1. Dialogforum Sachsen)

Hier der vollständige Abschussbericht zu den drei durchgeführten Veranstaltungen von #Dialogmiteinander (Dresden und Chemnitz) von Dialoggestalter

Zum Abschluss meine Gedanken mit ein paar Wochen Distanz im bewährten Presencing Status:
  • Good? - ein faszinierender Ort, heterogenes Publikum, Gesprächsformat
  • Tricky? - an den Tischen fehlte ein erfahrener Moderator/Facilitator, dominante Tischteilnehmer drängten leisere Teilnehmer aus dem Gespräch (wenn auch oft unbeabsichtigt), Online-Partizipation via "Dialog miteinander in Sachsen" komplizierter als zunächst angenommen
  • Learned? -Veränderungen innerhalb von "lebenden Systemen", wie es die Gesellschaft mit ihren zahlreichen Schichten, Gruppen, Bedürfnissen und Erfahrungen darstellen benötigen Zeit, Einfühlungsvermögen, Transparenz (über den Prozess und die Ziele) sowie eine gemeinsam teilbare Vision, in der sich alle Bevölkerungsgruppen in der einen oder anderen Weise wiederfinden
  • Action? - Gedanken niederschreiben und online stellen (was hiermit geschehen ist)

UPDATE 2018-11-21
Die 5. Ausgabe des MOOC "u.lab - Leading From the Emerging Future" läuft seit Mitte September (wie jedes Jahr) und endet Mitte Dezember 2018.

Zusätzlich existiert ein weiteres Projekt "Transforming Capitalism Lab", eine Kooperation zwischen dem Presencing Insittute und der Huffington Post. Ab 2019 wird dieses Projekt in "Societal Transformation Lab" überführt, das für Teams von 4-5 Personen offen ist.

UPDATE 2017-10-16
Seit 16. September findet bereits zum 4. Mal der MOOC "u.lab - Leading From the Emerging Future" statt. Einstieg ist jederzeit möglich.

Kurssprache ist Englisch. In Sachsen gibt es auch deutsch- bzw. englischsprachige Aktivitäten. Mehr unter: #ulabsaxony (auf Twitter und Facebook)

UPDATE 2017-05-10:
Seit dem 20. April 2017 läuft ein Prototyp-MOOC (Vorbereitung für den regulären MOOC "u.lab - Leading From the Emerging Future" im Herbst auf der neuen Webpräsenz.

Eine Teilnahme ist jederzeit möglich! Die Kurssprache ist Englisch.

Thursday, February 19, 2015

Frau Müller muss weg - oder die ungewollte Demaskierung der eigenen Realität

Dies wird meine erste Filmkritik sein. Standen zumeist Opern und Ballette im Fokus meiner bisherigen Reviews, so inspirierte der von Sönke Wortmann ("Deutschland. Ein Sommermärchen") kürzlich ins Kino gekommene Film "Frau Müller muss weg" meinen Schreibimpuls.



Eigentlich war es mehr ein Zufall, doch die Laufzeit am Samstagabend ermöglichte einen entspannten Besuch mit Freunden in einem republikweit mehr als bekannten Programmkino, dem PK Ost (Programmkino Ost), wie es hier in Dresden kurz heißt. "Frau Müller muss weg" lief am Samstag um 19 Uhr im GLORIA Saal, der mit reichlich 200 Zuschauern gut gefüllt war.

Dass das, was zunächst als Kommödie vermutet worden war von, sich letztlich als psychologische Studie Dresden in einem Mikrokosmos, nämlich der Schule (und bei ein wenig mehr Abstand sogar einem umfänglicheren Kontext) entpuppte, ließ sich bei den ersten auf der Leinwand vorbeiflimmernden Momentaufnahmen der Dresdner Stadtsilhouette nicht erahnen.

Der Plot ist schnell erzählt: eine Handvoll besorgter Eltern haben Angst, um die für eine Versetzungsempfehlung erforderlichen Noten ihrer Sprösslinge und haben sich in Vertretung für die komplette Klasse (eine Unterschriftenliste als Beweis) an einem schulfreien Samstag mit der Klassenlehrerin zu einer Aussprache verabredet. Man will ihr nahelegen, dass sie die Klasse noch vor den Halbjahreszeugnissen abgeben soll, da sie aus Elternsicht nicht ihren pädagogischen Auftrag erfüllt. Die Klassenlehrerin, wider Erwarten resoluter und leidenschaftliche Pädagogin ist zunächst geschockt, benötigt einen Moment, hinterfragt einige als unverrückbare Realität dargestellte Ereignisse und verlässt erbost das Klassenzimmer. Doch sie vergisst ihre Tasche (nebst Terminplaner und Notenübersicht).

... und hier beginnt sich die Geschichte richtig zu entwickeln, anders als zunächst zu erwarten.

Sicher auf den ersten Blick mag es um die "Helikopter-Eltern" gegangen sein, die sich in das Leben ihrer Sprösslinge derart einmischen, dass sie selbst wieder die Hausaufgaben machen, nur um sicherzustellen, dass die Noten stimmen. Dabei vergessen sie jedoch, dass es neben den schriftlichen auch mündliche Prüfungen gibt. Hier fällt spätestens den Lehrern in der Regel auf, dass etwas nicht stimmt.

Aus einem größeren Abstand betrachtet spielte sich an dem Tag in der Schule mehr ab als nur der beabsichtigte "Rausschmiss" der Lehrerin aus ihrer Klasse. Es war ein Spiegelbild des ganz "normalen" Wahnsinns, der sich auch 25 Jahre nach der Wende beobachten lässt, wenn in Westdeutschland sozialisierte Zugereiste (die lediglich wegen ihres Jobs z.B. in Dresden sind) und sich wundern, dass die Integrationskultur eine gänzlich andere als z.B. in Köln ist. War noch zu Beginn des (Film-)Tages die selbsternannte Wortführerin Jessica (gespielt von Anke Engelke) der Kristallisationspunkt der "Elternattacke" zerbrach dieses Muster sobald die Gruppe auf einmal ohne ihr "Bekämpfungsobjekt" (Lehrerin Frau Müller, gespielt von Gabriele Maria Schmiede) im Raum stand. Die Energie, die sich bisher auf Frau Müller konzentriert hatte, lag nun sozusagen im Leerlauf.

Es war, als ob sich alle Beteiligten auf einmal ganz anderen Themen widmeten, während sie allesamt versuchten Frau Müller im Schulhaus (durchaus mit einigen überraschenden Wendungen, .... "Ich suche Frau Müller!", "Im Wasser?" Persönliche Angelegenheiten aller Beteiligten, die bislang durch den Fokus auf das Wohl der Sprösslinge mehr als nur überlagert, sondern sogar zugedeckt waren, traten zu Tage.

Überspitzt und skaliert ist die Geschichte im samstäglichen Schulhaus auch in die Republik zu verlagern, in der oft Politik und Politiker die Geschicke der Bevölkerung sprich Bürger zu regeln versuchen. Nicht immer unter voller Wahrnehmung untrüglicher Anzeichen der Veränderung, die dann von heute auf morgen als unlösbar scheinende Probleme gesellschaftlicher Art wahrgenommen werden. Die Gesprächskultur fällt dann teilweise in einen Modus (zwischen allen Beteiligten) zurück, der den hitzigen Eskapaden der Akteure in "Frau Müller muss weg" nicht unähnlich sind (wenn auch nicht ganz so überspitzt).

Alles in allem ein lohnender Film, der einen zum Lachen bringt, Erinnerungen an die eigene Schulzeit aus dem Unterbewusstsein hervorkramt und doch einen manchmal das Lachen im Halse stecken lässt, wenn man die Geschichte in den größeren Kontext bringt und aufmerksam die ähnlichen Muster der Kommunikation wahrnimmt.

Ein kurzer #PresencingStatus soll auch an dieser Stelle nicht fehlen:

Gut - "Zeitgemäße" Kommödie, Dresden als Handlungsort altersmäßig sehr gemischtes Publikum
Tricky - Eindrücke verarbeiten, Verbindung zur Realität (auch in anderem Kontext) nicht einfach
Learned - "Dresden" zieht Dresdner ins Kino, Verhaltensmuster sind in der realen Welt sehr ähnlich
Action - Abschluss des MOOC #ULab & Verbindung zwischen ULab und Dresden weiterentwickeln

Auswahl einiger Kritiken in der deutschen Presse zum Film:

Spiegel-Kritik von Oliver Klever
FAZ-Kritik von Jan Weile
Abendzeitung München-Kritik von Adrian Prechtel
Tagesspiegel-Kritik von Julia Dettke
Handelsblatt-Kritik von Marcel Reich
... die Dresdner Zeitungen DNN bzw. Sächsische Zeitungen haben (bislang meines Wissens) keine im Web öffentlich zugängliche Kritik zum Film veröffentlicht


Saturday, March 29, 2014

All is Possible - Sometimes we Have to Look Back to Really See


First of all, it may sound odd, but most often you step across the most amazing things, paths or learning while searching intensively for something else. That is called SERENDIPITY (I personally didn't know about it until coming back from a conference on organizational learning in Muscat, Oman, in April 2008).

Around the time of the making of the video below (actually, it is more something like a full version movie, which carries lots of learning along the two hours) I was studying economics at the University of Bamberg. The "Iron Curtain" had fallen just some years earlier and as Bamberg is only 50 km away from the closed former East German border quite a few visits pulled me "over the border".

What I could see in the villages, and towns as well as talk to locals there was a social and economic system almost on the edge of collapse (quite what is the topic of the conversation in the movie with the makers of "Limits to Growth" (published in 1972, the link is to the original book version) Donella Meadows, Dennis Meadows and Jørgen Randers).


"Beyond the Limits" Global Tomorrow Coalition (1992)

20 years later living now in Eastern Germany, to be more exact in Dresden, now one of Europe's major hotspots for semiconductors (two major chip factories are found within city limits) and other emerging technologies such as plastic electronics, nanotechnology, life sciences, the mind flashed back to the days back in 1992 sitting in lectures, and hearing on how the economy of former East Germany could be sustainably transformed. Lots of effort was put into place, money flowed, and companies pushed out their products which the people eagerly bought as they lacked to have them over decades. All seemed possible.

Where do we stand now over 20 years later?

A question everybody of us has to ask her-/himself.

For me personally, the flow of action was as follows: while still in Bamberg I caught a copy of "The Machine that Changed the World" by Womack/Jones and somehow combined with what I had learned in my economics studies was hooked on what is called "Lean Thinking". The essence in short is to create more value with the given resources in a sustainable way, and at the same time enable all members of the workforce (from C-level to shopfloor) to cross-collaboratively learn to achieve the goal (more value with given resources) together.

Over the years I found myself in Dresden, where I moved right in the midst of the Economic Crisis of 2008/2009 with a dream my Finnish friends (whom I had met earlier in 2008 in Muscat, Oman) sort of whispered over via their blog. Google just had started a global competition, and people were asked to hand in their visions of the vision. I handed in what in version 1.0  was called Team Lea(r)ning Experience (something similar to what I had seen in Finland at Team Academy, a "management school without teachers" (as Peter Senge used to call it). Just a few months later in the spring of 2009, this vision became a name that sticks since then:


Vision: bringing together citizens, students, businessmen, and researchers to give their special skills/ knowledge/ networks to enable something similar to what Singularity University has established in 2008 and to make a difference. This could be to create a startup with the help of others, bring new knowledge back to their companies, share the challenges that they face in their organizations and get new innovative solutions from the teams at LockSchuppen

Mission: create a place where the emerging future can be seen, touched, and used (through prototypes of new technologies and applications) - moving the learning from reading to "tactile learning" across all genders, ages and disciplines

How can it be achieved?

It probably needs more than just a group of dedicated people eager to work on the vision, some tools, and structure. A framework on how to achieve such bold goals is what is useful to set the course. An example of such an approach called u.school gives Otto Scharmer who started in a similar direction in 2008 first on his blog, and then with Presencing Institute.

Currently running is a MOOC called "Leadership MOOC" (website not active any longer) which is co-organized by the Presencing Institute and GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH), is free of charge and has the title:


Feel free to attend (it started just this week, and we are already three attendees from Dresden - maybe you are the next). In case you are more orientated to learn for yourself new ways to tackle really complex challenges have a look at "The Systems Thinking Playbook on Climate Change" which can be downloaded free of charge from the website of the GIZ.

Have a relaxing Sunday, and enjoy with your friends, look out for a bright future, and appreciate the diversity around you. We will meet Egypt tomorrow here in Dresden, quite by another serendipity encounter, a call from Cairo yesterday. 

Everything is connected, and everybody makes it valuable together.