Showing posts with label Hellerau. Show all posts
Showing posts with label Hellerau. Show all posts

Saturday, December 29, 2018

Rückblick und Ausschau auf das Jahr 2019

Fast genau auf den Tag genau vor zehn Jahren, genauer gesagt am 23. Dezember 2008, kehrte ich nach Dresden zurück. Doch warum?

Das Jahr 2008 war nicht nur weltgeschichtlich wegen der globalen Finanzkrise ein für uns alle einschneidendes Jahr. Für mich war es zugleich der Verlust eines über fast ein halbes Jahrzehnt geschätzten Arbeitsortes, der meine inneren Stärken erst richtig zur Geltung gebracht hatte. Während dieser Zeit erfuhr ich von einer Teilnehmerin auf der Internationalen System Dynamics Konferenz im Sommer 2006 in den Niederlanden, dass ich ein sogenannter "Boundary Spanner" sei. Mir war der Begriff gänzlich unbekannt bis zu diesem Zeitpunkt und doch fühlte ich mich umgehend beschrieben als jemand, der es versteht, zwischen unterschiedlichen Kulturen (auch innerhalb einer Organisation) zu kommunizieren, Menschen miteinander in Beziehung zu bringen und als "menschlicher Katalysator" bei Problemlöseprozessen zu agieren. 

Während des Jahres 2008 war ich auf mehreren internationalen Workshops und Konferenzen und erzählte einem meiner Mentoren, einem Hochschulprofessor, in Dresden davon. Als ich das Format World Café erwähnte, empfahl er mir, mich mit der Initiative "Genius Hellerau" in Verbindung zu setzen, die von einem alten Nachbarn aus Münchner Zeiten von ihm organisiert wurde. So kam es, dass ich mich eines Nachmittags am 13. Juni 2008 im Gebäudeensemble Hellerau zum 3. Hellerauer Kreis (UPDATE: die Website ist im Jahr 2019 eingestellt worden) einfand.

Den 4. Hellerauer Kreis besuchte ich gemeinsam mit einem Vertreter der finnischen Managementhochschule Team Academy am 12. September 2008. In Finnland hatte ich erst einige Wochen zuvor persönlich diese Hochschule erlebt. Ich war fasziniert von der Tatsache, was angesichts einer drohenden Wirtschaftskrise. Zum Zeitpunkt der Gründung von Team Academy Anfang der 90er Jahre befand sich Finnland und insbesondere die waldreiche Region um Jyväskylä in Mittelfinnland in einer starken Rezension. Ein findiger Hochschuldozent der dortigen Hochschule für Technik und Wirtschaft (den hiesigen HTWs vergleichbar) hatte die pfiffige Idee, StudentInnen live am realen Objekt (AKA einer eigenen von einem Team geführten Firma) wirtschaftsrelevante Studieninhalte vermitteln zu lassen.

Das Konzept und auch die bereits gemachten persönlichen Kontakte sowie der im Winter 2009 folgende einwöchige Workshopaufenthalt in Finnland ließen den Plan reifen, etwas Vergleichbares im vom Aufbruch trotz der sich andeutenden Wirtschaftskrise gezeichneten Dresden ebenfalls auf die Beine zu stellen. Ein Konzept beim Businessplan Wettbewerb von futureSAX mit dem Namen "Team Lea(r)ning Experience" (der Name setzt sich zusammen aus:  Teams, die Erfahrungen (experiences) unter dem Framework Lean, d.h. Mehrwert schaffen in kürzerer Zeit bzw. geringerem Ressourcenaufwand) war schnell gefunden.

Doch etwas machte mich schon damals stutzig. In einem der Workshops, die von futureSAX veranstaltet wurden, einige Teilnehmer hatten ambitionierte Projektideen vorgestellt, die oft jedoch erst in der Kombination mit anderen Ideen nachhaltige Geschäftsideen machen konnten, kam die Aussage des Workshopleiters an alle im Raum unvermittelt, "Wenn Sie keine Million Euros vor Augen haben, dann sollten Sie gar nicht erst anfangen, Ihre Idee umzusetzen!"

Angesichts der Geschichte Helleraus gut ein Jahrhundert zuvor hatte ich Hoffnung, dass sich an diesem Ort fasnzinerend Neues in kurzer Zeit entwickeln würde. So machte ich mich am 12. Dezember 2008 auf den Weg nach Hellerau zum 4. Hellerauer Kreis. Dort stellte ich die Idee von "Team Lear(ning) Experience" vor und war guter Dinge. Tage später machte ich alles für einen Umzug nach Dresden klar, um die Vision an dem Ort, der für mich (bis zu diesem Zeitpunkt) für Innovation und schnelle Umsetzung neuer Ideen stand, in die Tat umzusetzen.

Womit ich damals nicht rechnen konnte, Veränderungen politischer Natur, deutsche Reglementierungen und deren strikte Auslegung sowie Zurückhaltung von Personen und Organisationen angesichts der aufkommenden Unsicherheit, sich auf Neues jeglicher Art einzulassen.

Warum ich auch nach zehn Jahren die Hoffnung nie aufgegeben habe kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Dass die Vision, die aus der Tätigkeit während des Hochwassers in Dresden als Operativer Leiter der Hochwasserhilfe und meiner anschließenden Arbeit beim Werksaufbau des BMW Werk Leipzig lebt und wächst, oft an nicht gedachten Stellen, ist sicher. Gespräche in Stadt und Land mit Personen des öffentlichen Lebens, Wissenschaftlern und Unternehmern zeigen, dass etwas Großes, oft erst mit den kleinen Dingen und Erfolgen, möglich ist. 

Der MOOC "u.lab - Leading From the Emerging Future", den das Presencing Institute zusammen mit der Online-Lern-Plattform edX seit 2015 jährlich zwischen September und Dezember durchführt, hat einen gehörigen Teil dazu beigetragen. Nicht nur, dass es inzwischen eine Gruppe von Interessierten von Theorie U bzw. u.lab in Dresden gibt (ulabsaxony DresdenULabHub), auch die internationalen Verbindungen zu anderen Teilnehmern gab immer wieder positive Impulse.

Auch und besonders in Sachsen - LASST ES UNS GEMEINSAM REALITÄT WERDEN! Die Anfänge lassen sich überall erkennen, wenn man aufmerksam und achtsam schaut, und das im ganzen Freistaat Sachsen.

Allen, die dies lesen wünsche ich von Herzen einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel Erfolg in allen Lebensbereichen

Euer Ralf


PS.: Wie vergleichbare Gedanken im Kontext einer kleinen Stadt in Mittelsachsen aussehen, davon kann man sich in Augustusburg, einer kleinen Stadt südöstlich von Chemnitz, überzeugen. Seit Januar 2017 gab es drei persönliche Besuche dort in unterschiedlichen Kontexten. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Dinge sich dort entwickeln. Wie immer sind es auch hier Personen, die das möglich machen vom Bürgermeister bis hin zu engagierten Bürgerinnen und Bürgern.





Tuesday, September 5, 2017

Hellerau - Gelebte Innovation durch "Power of Pull"

Am Montag, den 28. August 2017, fand die alljährliche Innovationskonferenz futureSAX an einem bemerkenswerten und geschichtsträchtigen Ort der Tanz und Baugeschichte statt (Englisch review to be found here). Das Festspielhaus Hellerau, einst entworfen von Heinrich Tessenow als kultureller Mittelpunkt der noch im Enstehen begriffenen ersten deutschen Gartenstadt Hellerau (Website des StadtwikiDD) "vor den Toren der  großen Stadt (Dresden)", die sich vor über 100 Jahren zu einem Innovationshub zu entwickeln begann.

Jedem Besucher Dresdens sei an dieser Stelle ein mehrstündiger Gang durch die verwinkelten (eher gebogenen) Straßen des Stadtteils mit seinen unterschiedlichen Architekturstilen empfohlen. Am besten geschieht die Anreise rein elektrisch (ganz im Sinne des Bestrebens der Landeshauptstadt Dresden künftig "Modellstadt der Elektromobilität" zu werden) mit der Straßenbahnlinie 8 unter Mitnahme des "Streifzug 3 - Hellerau, die erste deutsche Gartenstadt" (auch als gedruckter Faltplan bei den Mobilitätszentren der Dresdner Verkehrsbetriebe AG erhältlich) der DVB AG (übrigens eines der innovativsten Unternehmen der Region, oft unterschätzt in der öffentlichen Wahrnehmung).

An besagtem Montag trafen sich rund 550 TeilnehmerInnen, um von frischen Innovationen Startups, etablierten mittelständischen Unternehmen oder Projekten visionärer Köpfen des Freistaats zu erfahren und die Besten zu küren (hier geht's zum Livemitschnitt der Preisverleihung - Ausdrücklicher Dank geht an dieser Stelle an die Kollegin des SMWA, die dies möglich machte).

Doch worum ging und geht es bei Veranstaltungen wie diesen an solch außergewöhnlichen Orten wirklich?

p. 99, "The Power of Pull"
John Hagel, Faculty Member von Singularity University, hat es bereits in seinem Buch "The Power of Pull - How Small Moves, Smartly Made, Can Set Big Things in Motion" beschrieben und nennt es "Shaping Serendipity" (vereinfacht auf Deutsch gesagt: "gute Gelegenheiten schaffen"). Jeder von uns kennt es, man ist auf einer Konfernz, man plant Besuche einzelner Stände und  interessanter Gesprächspartner. Doch dann kommt alles anders! Man kommt in ein Gespräch, findet etwas außergewöhnlich Interessantes und kommt zu ungeplantem Wissen und Kontakten.
  • wähle die Umgebung, in der sich Menschen mit ähnlichen Leidenschaften aufhalten
  • werde sichtbar und bleibe dies auch für Menschen, die relevant sind
  • beeinflusse deren Projekte und verstärke ihre Wahrnehmung
  • entdecke und tausche dich mit den richtigen Leuten zur passenden Zeit(en) aus
  • mache das Beste aus jedem Serendipity-Erlebnis 
Ist das Festspielhaus Hellerau ein solch "guter Ort", wo Menschen und unterschiedliche Ideen aufeinandertreffen und zugleich dem Ort eine positive Energie innewohnt, die mehr als nur das flüchtige Gespräch in der Pause ermöglicht?

Definitiv und ein klares "Ja"!

Und wieder ist es der Tanz und die performende Kunst, ob als Rhythmik, zeitgenössischer Tanz, Ballett oder die von der Dresdener Breakdancegruppe The Saxonz in Kooperation mit Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden ins Leben gerufene Veranstaltung "Floor on Fire - Battle of Styles" (kurzer Trailer zum Format), Impulse für Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft gleichermaßen setzt.

In diesem Sinne darf man auf das kommende Programm "Rekonstruktion der Zukunft" in Hellerau gespannt sein, das sich um das Bauhaus, die Zukunft und last but not least Adolphe Appia, Bühnenbildner und Architekt, der vor über 100 Jahren Innenraum und Bühne des Großen Saals im Festspielhaus gestaltete.

Innovationen benötigen stets den passenden "Brutraum", um ins Entstehen zu kommen und das Festspielhaus Hellerau ist ganz sicher einer davon in der Stadt Dresden - ein wenig "versteckt" am Rande in der Heide. Wer einmal den Weg gefunden hat wird ihn sicher noch oft gehen, so wie selbst geschehen als ein Besuch und Führung in einem bis dato unsanierten Ensemble vor reichlich zwanzig Jahren auf dem Besuchsprogramm stand.

http://hellerau.org/rekonstruktion-der-zukunft

.... und zum Abschluss #PresencingStatus AKA Kurzreview:

  1. Good - Festspielhaus Hellerau ist ein wunderbarer Ort an dem Innovation, das Neue, Kunst und Kulturen aufeinandertreffen (seit über 100 Jahren)
  2. Tricky - Nutzung des futureSAX Veranstaltungs-WLAN nicht möglich, da Smartphone-Antenne keine 5 GHz Signale verarbeiten konnte
  3. Learned - Es gibt immer eine Lösung, die weiter führt :-) Inspirative Orte, wie z.B. das Festspielhaus Hellerau, den Lichthof im Albertinum oder die Gläserne Manufaktur gibt es zahlreich in Dresden - einfach noch mehr und digital darüber sprechen 
  4. Action - mehr als neugierig auf #inarowfestival und #RekonstruktionDerZukunft geworden