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Tuesday, October 10, 2017

Industrie 4.0 und die Jungen Neugierigen

Am Freitag, den 6. Oktober 2017, machte der Global Manufacturing and Industrialization Summit (GMIS) auf seiner GMIS Roadshow, u.a. über New York City, Paris und Peking, bei GLOBALFOUNDRIES Fab1 im Dresdener Norden Station. Bereits einige Wochen zuvor war das Event nicht nur auf Facebook sondern auch über den offiziellen Twitteraccount GMISummit angekündigt worden (siehe links).

Worum geht es? Warum gerade in Dresden als erste und somit einzige Station in Deutschland auf der GMIS Roadshow, die bereits in New York City, Paris und Letztens in Peking Station machte?

https://gmisummit.com/thesummit/the-initiative/
GMIS wurde 2015 auf Initiative der Vereinigten Arabischen Emirate in Kooperation mit der UNIDO (United National Industrialization and Development Organization) sowie SIEMENS und GE gegründet. Im Frühjahr dieses Jahres fand der erste GMISummit in Abu Dhabi an der dortigen Universite Paris Sorbonne Abu Dhabi statt. Statt der erwarteten 1.500 Teilnehmer waren es rund 3.000 Teilnehmer aus allen Bereichen von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um zu erfahren und zu erörtern, wie die weltweite Fertigung (engl.: manufacturing) zukünftig aussehen könne bzw. gestaltet werden soll, um die Sustainable Development Goals der UN gemeinsam zu erreichen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind über den staatlichen Investmentfonds Mubadala, der Alleineigentümer des Chipproduktionswerkes GLOBALFOUNDRIES Fab1 (das größte seiner Art in Europa und mit ca. 3.500 MitarbeiterInnen aus 50 Nationen), seit Jahren intensiv mit dem Freistaat Sachsen verbunden. Ministerpräsident Stanislaw Tillich begrüßte die ca. 50 Teilnehmer im Konferenzzentrum und betonte, nicht nur in seiner Funktion als Ministerpräsident sondern auch als Ingenieur, dass "... Sachsen als starker Wirtschaftsstandort und innovative Region in Europa steht dank vieler engagierter Unternehmer und kluger Köpfe mittendrin. ... Es ist uns gelungen, die gesamte Wertschöpfungskette von Forschung und Entwicklung bis zur Produktion im Freistaat zu etablieren. Und es sind gerade auch die kleinen und mittleren Unternehmen, die mit ihrer Tatkraft und ihrem Ideenreichtum zu diesem Erfolg beitragen."

Badr Al-Olama, GMIS
Badr Al-Olama, Head of GMIS und Head of Aerospace Business Unit - Mubadala Investment Company (Strata Manufacturing, zertifizierter Lieferant von Composite-Teilen für Boeing und Airbus), und spezieller Gast an diesem Morgen brachte es mit einem kurzen Fakt auf den Punkt. Der Börsenwert von Apple (ehemals "nur" ein IT-Unternehmen) stellt mit seinem Börsenwert die gesamten Gründungsunternehmen des GMIS (zu denen auch SIEMENS und GE zählen) in den Schatten. Die Wirtschaftslandkarte hat sich im vergangenen Jahrzehnt enorm gewandelt. Unternehmen wie Apple und Google sind inzwischen auch im Bereich von Robotics, autonomes Fahren und anderen (digital getriebenen) Industriefeldern tätig und zunehmend als Produzenten aktiv. "How do we make manufacturing aspirational?" ("Wie machen wir die Produktion anziehend?") - ein Satz von Badr Al-Olama, der die Intention des GMIS auf den Punkt bringt und zugleich aufzeigt, welche Herausforderungen bevorstehen.

Dass dies möglich ist, zeigten erfolgreiche Akteure aus dem sächsischen Mittelstand, wie die XENON Automatisierungstechnik GmbH mit Sitz in Dresden sowie der FEP Fahrzeugelektrik Pirna GmbH, die beide mit mehreren hundert Mitarbeitern nicht nur Wertschöpfung in Sachsen, sondern auch global schaffen und dabei auch das Thema Digitalisierung aktiv umsetzen.

In einer hochkarätig besetzten Diskussion beleuchteten Vertreter von Fabmatics GmbH, SIEMENS AG Business Unit Factory Automation, Fraunhofer IWU sowie FEP Fahrzeugelektrik Pirna GmbH unter Moderation von Dr. Gerd Teepe, Director Marketing for Europe, Globalfoundries die Auswirkungen der Digitalisierung auf die sächsische Wirtschaft, sowie deren Chancen und Herausforderungen.



https://twitter.com/UNIDO/status/916240750446292992
Die Relevanz der digitalen Transformation und die internationale Vernetzung innerhalb der Wertschöpfungskette für die sächsische Wirtschaft betonte Stanislaw Tillich nicht nur in seiner Funktion als Ministerpräsident des Freistaat Sachsen, sondern auch als Ingenieur, der an der TU Dresden seinen Abschluss machte. Die anschließende Unterzeichnung des Memorandum of Understanding (MoU) zwischen der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH und der GMIS setzte ein weiteres Zeichen für eine künftige Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Noch sind es knappe zwei Jahre bis zum nächsten Global Manufacturing and Industrrialization Summit in Russland in Jekatarinenburg, #GMIS19. Hinreichend Zeit für sächsische Unternehmen der Fertigungsbranche, sich mit anderen lokalen Unternehmen zu vernetzen und darüber hinaus die vielfältigen Möglichkeiten der sächsischen Forschungslandschaft, angefangen von der E3 Forschungsfabrik in Chemnitz, dem Smart Systems Hub und dem DLR Institut für Softwaremethoden zur Produktvisualisierung, Zentrum für Additive Fertigung Dresden (AMCD) und anderen aktiv zu nutzen.

Kurzfazit in Form des bewährten #PresencingStatus (ein Standardprozess der Reflexion, der aus Theorie U bzw. dem MOOC #ulab hervorgangen ist):

  • Good - einwandfreies WLAN; Veranstalter (GMIS & Globalfoundries) selbst auf zahlreichen Social Media Kanälen aktiv während der Veranstaltung
  • Tricky - kurze Anmeldungsvorlaufzeit (nicht 100%iger Rückmeldeprozess); kein Laptop dabei (Tippen auf dem Smartphone eine langwierige Angelegenheit)
  • Learned - die Vereinigten Arabischen Emirate haben bereits (auch im Industriekontext, wie Mubadala) die traditionellen Kommunikationsmethoden exponentiell erweitert (Twitter, Instagram, Facebook, Youtube);
    "Wir sind noch viel zu langsam! Egal was sie machen, tun Sie es zweimal so schnell!" - Prof. Dr. Matthias Putz, Fraunhofer IWU
    "Win-Win-Situationen möglich machen!" - MP Stanislaw Tillich;
    "How many people here are born in the 80's here? And 90's I'd assuming nobody?" - Badr. Al-Olama in seinem Abschlussstatement (niemand im Publikum ist in den 80ern geboren, vier Teilnehmer in den 90ern);
    "We [UAE] always ask ourselves:'Why not?' Not, 'Why should things happen the way they are?'" - Badr Al-Olama 
  • Action - aufmerksam nach wertschöpfenden Möglichkeiten und Verbindungen Ausschau halten, die eine Win-Win-Situation für den Freistaat Sachsen und GMIS darstellen und möglich machen
Ausgewählte Berichte über die GMIS Roadshow in Dresden am 6. Oktober 2017:


Social Media:








Thursday, June 16, 2016

smartKMU - nach Darmstadt nun in Sachsen

Gestern fanden sich rund 300 interessierte Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung zur 2. Ausgabe der Veranstaltung "smarter_mittelstand" (#smartKMU lautet der offizielle Hashtag auf Twitter) in der Börse Dresden ein.

Die Börse Dresden, Teil des ehemaligen von Stadtbaumeister Hans Erlwein konzipierten und gebauten Städtischen Vieh- und Schlachthof (Dresden), war der perfekte Ort am Rande der Stadt, der Tradition und Zukunft zusammenbrachte und neue Sichtweisen eröffnete.

Convent, der Eventveranstalter der ZEIT Verlagsgruppe, hatte für freies WLAN, eine Event-App ((iOS und Android), den (bereits erwähnten) Hashtag, sowie mit einem inspirierendem Veranstaltungsprogramm dafür gesorgt, dass Teilnehmer und Teilnehmerinnen über das Thema Digitalisierung miteinander ins Gespräch kommen und so manche Anregung für die eigene Organisation aus den Vorträgen und Workshops mitnehmen konnten.

Wie bereits bei #zeitsmashing im Februar in Hamburg, als DIE ZEIT ihr 70-jähriges Bestehen feierte, gab es derart viele Impulse, dass das 1-on-1 Gespräch zwar nach wie vor die vorherrschende Kommunikationsform war. Doch wie lässt sich der Wissensaustausch, -aufbau und Kompetenzausweitung auf die digitale Ebene erweitern? Eine Frage, die auch mich nicht "kalt" ließ, denn persönliche Gespräche, 1-Finger-Smartphone Bedienung und eventuell noch Verknüpfung von Themen stellten auch mich unter Stress.

Eröffnungsplenum mit Stefan Brangs (re) vom SMWA
Was bleibt ist, dass das Thema auch in Sachsen am wachsen ist. Oft wird Digitalisierung bereits auch in kleineren Unternehmen umgesetzt, ob in der Produktion oder im Vertrieb. Doch die Möglichkeiten, wie mit vorhandenen Ressourcen, Mitarbeiterkreativität, Zukunftsmöglichkeiten und Innovationen über die traditionellen Geschäftsfelder hinaus gesteigert werden können für den eigenen Unternehmenserfolg und letztlich für die Gesellschaft und den Einzelnen sind noch bei Weitem nicht ausgeschöpft.

Auf die folgenden Veranstaltungen von "smarter_mittelstand" (demnächst in Karlsruhe) darf man gespannt sein und sollte sie auch aus Sachsen mit "wachem Auge" digital verfolgen.

Ein kurzes Fazit des gestrigen Tages anhand von vier kurzen Fragen (AKA #PresencingStatus):
  • Good? Digitalisierung als Thema, das vielfältige Anknüpfungspunkt ergibt; vom Geschäftsführer bis zum Studenten, Startup und Privatier war; lokaler Mittelstnad aus Sachsen nahm den Weg nach Dresden auf sich; eingebettet in eine Vielzahl von Konferenzen zu vergleichen Themen in dieser Woche in Dresden 
  • Tricky? Hashtag war zwar bekannt gemacht (Print und Online Medien), doch fehlte z.B. eine Twitterwall (um den Anwesenden zu zeigen, was sich in digitalen Gesprächen tat) und ein Hinweis zwischen den Sessions auf den Hashtag #smartKMU (auf der Leinwand
  • Learned? Nutzung von digitalen Medien (App, Twitter, etc.) ist teilweise schwieriger zu erreichen als im maschinell geprägten Produktionsprozess; die stark fragmentierte mittelständisch geprägte Wirtschaft Sachsens hat alle Chancen einer Digitalisierung ihrer Wertschöpfungskette auf ihrer Seite (besonders aufgrund ihrer Unternehmensgröße, kreativen Mitarbeiterschaft und oft ländlich geprägter Standorte
  • Action? Ein schneller Nachbericht, was hiermit geschehen ist

Monday, May 30, 2016

SachsenIndustrie40 - Sachsen stellt sich auf - ein Nachbericht und Ausblick

Mit der Aussage - Arbeitskräfte sind bei Effizienzsteigerung und ohne Wachstum nicht zu halten – ist die Konferenz „Industrie 4.0 – Sachsen stellt sich auf“ in der letzten Märzwoche in Dresden zu Ende gegangen. Ohne Digitalisierung und sich daraus ergebende neue und skalierbare Geschäftsmodelle wird die sächsische Wirtschaft nicht in der Weltspitze bleiben können - so die allgemeine Stimmungslage.

In seinem Eröffnungsvortrag hatte Ministerpräsident Stanislaw Tillich zunächst betont, dass die Voraussetzungen für die Zukunft der sächsischen Wirtschaft gegenwärtig nicht besser sein könnten.  Die hervorragende Wissenschafts- und Hochschullandschaft sowie die industriellen Voraussetzungen liegen in Sachsen umfassend vor. Zugleich hat er die anwesenden sächsischen Unternehmer ausdrücklich aufgefordert, sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen und Vernetzungen über die traditionellen Branchengrenzen hinweg aufzubauen, um im internationalen Wettbewerb ganz vorne mitspielen zu können. In diesem Kontext wies er darauf hin, dass "die Geschwindigkeit in China auch nicht vor neuen Technologien und deren Umsetzung Halt machen wird“.

Für die rund 400 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik stellten sich Fragen wie „Wie kann den mittelständischen Unternehmen in Sachsen die digitale Transformation gelingen?“ oder „Wie wird Unternehmen geholfen, sich auf die Transformation in Richtung Industrie 4.0 vorzubereiten?“ Auf diese und andere Fragen haben Impulsvorträge und moderierte Workshops mögliche und machbare Zukunftspfade aufgezeigt. Darüberhinaus hat es zahlreiche Anregungen gegeben, aktuell sich ergebende wirtschaftliche und soziale Herausforderungen und gesetzliche Gegegebenheiten (wie z.B. Tarifverträge, Datenschutz, Cyber Security) entsprechend abzustimmen und weiter zu entwickel und so die positive Entwicklung auch im Kontext der Zukunft der Arbeit (gleichnamiger Titel von Prof. Jutta Rump beim Arbeitnehmerempfang des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr am 28.04.2016 in Dresden) zu fördern.

Dr. Henning Kagermann, Präsident acatech GmbH
Henning Kagermann, ehemaliger SAP Vorstand und Leiter der acatech, betonte in seinem Eingangsvortrag, „Es liegt nicht an der Analyse in Deutschland, sondern an der Umsetzung!“. Diese Einschätzung zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Tag. Insbesondere im Kontext der kleinteiligen und oft nicht tarifgebundenen sächsischen Wirtschaft ergeben sich besondere Herausforderungen für die digitale Transformation in Sachsen. Die sächsischen Unternehmen sind zwar weltweit bekannt für ihre Maschinenbau- und Ingenieurexpertise, die digitale Transformation ihrer Wertschöpfungskette jedoch stellt für die einzelnen Unternehmen eine weitaus größere Herausforderung dar, als dies für Großunternehmen mit entsprechenden Ressourcen der Fall ist.

Während seines Vortrags betonte der Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, Reimund Neugebauer die Wichtigkeit der schnellen Datenübertragung bei immer komplexeren Produktionsprozessen, die in Richtung "Losgröße 1" zielen. Dass "Losgröße 1" nicht nur ein theoretisches Ziel ist zeigen mittelständische Industrieindustrieunternehmen aus Sachsen wie z.B. die KAMA GmbH mit ihren Lösungen für kleine Losgrößen im digitalen Druck- und Verpackungsbereich zur Zeit auf der drupa2016.

Fraunhofer Präsident Reimund
Neugebauer zu 5G (neuer Mobilfunk-
standard)
Dass die umfassende Digitalisierung noch (immer) nicht im allgemeinen Leben ankommen ist trotz TDSL und 5G (das 5G Lab Germany erforscht an der TU Dresden hierzu Technologien und Anwendungsszenarien) zeigt die laufende Initiative „Sachsen Digital“. Dies war vom SMWA angestoßen worden, um landesweit, auch in den ländlichen Räumen, schnelle Breitbandverbindungen zu ermöglichen. Einer der Gründe hierfür ist, dass die großen bekannten Telekommunikationsanbieter aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte die bisherigen Geschäftsmodelle (braucht es an dieser Stelle neue?) nicht profitabel umgesetzt sehen und so mit einem Netzausbau zögern. Frei verfügbares WLAN während Konferenzen ist ebenfalls noch kein Standard, doch künftig ein entscheidender Pluspunkt für Konferenzen, um die Vernetzung von Teilnehmern, Branchen, Clustern noch einfacher und schneller zu ermöglichen, sowie den Wissensaustausch in Echtzeit über verschiedene Räume, Themen und Branchen fließen zu lassen.

Alles in allem hat es sich bei #SachsenIndustrie40 um eine gelungene Veranstaltung gehandelt, die gezeigt hat, dass das Thema Industrie 4.0 angekommen ist und Sachsen der Zukunft und den digitalen Herausforderungen mutig und entschlossen gegenüber steht bzw. stehen.

Autoren:
Angela Incampo und Ralf Lippold


Weiterführende Links:


Ausblick auf kommende Veranstaltungen mit Industrie 4.0 - Bezug: