Monday, December 15, 2014

Die Königskinder - beileibe kein Märchen

An einem verregneten Sonntag um 11 Uhr hieß es in Semper 2 wieder einmal "Einführungsmatinee" (lange waren wir nicht dabei). Sicher eine Einführungsmatinee ist nicht eine Oper und Semper 2 ist tatsächlich nicht mit der Semperoper zu vergleichen. Wer sich auf den Zauber dieser "unscheinbaren" Probebühne einlässt, die seit knapp fünf Jahren auch Raum für experimentelle Produktionen bietet, wird jedes Mal wieder angenehm überrascht.

Kurz vor dem Start in Semper 2
Waren kurz vor 11 Uhr die "Roten Sofas" noch leer, so waren doch die Zuschauerränge bereits gut gefüllt. Auffällig war, dass die Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren deutlich unterrepräsentiert war und so mancher der für eine Führung durch's Große Haus anstand hätte hier durchaus nicht nur ein Plätzchen, sondern auch Einblick in die kommende Premiere "Die Königskinder" von Engelbert Humperdinck bekommen können. Auf den ersten Blick mag die Oper an ein Märchen erinnern, doch das Libretto, das in den letzten Jahren des vorletzten Jahrhunderts von Elsa Bernstein geschrieben worden ist hat einen stärkeren Bezug zur Jetztzeit als man zunächst denken mag. 

Valeska Stern, Dramaturgin der kommenden Produktion, führte sehr routiniert und authentisch in die Oper und einige Hintergründe ein. Es war zu spüren, dass die Arbeit mit dem Regieteam rund um die niederländische Regisseurin Jetske Mijnssen und Bühnen- und Kostümbildner Christian Schmidt während der vergangenen Wochen Spaß gemacht hatte. Man darf also auf die Premiere am 19. Januar 2014 gespannt sein.

Eine Einführungsmatinee wäre keine an der Semperoper wenn nicht auch einige Protagonisten der Produktion eine stimmliche Kostprobe geben würden. An diesem Sonntagmorgen waren es Tichina Vaughn, die die Rolle der Hexe einnimmt und Christoph Pohl, der den Spielmann mimt.

Nach reichlich einer Stunde und fünfzehn Minuten stand fest: diese Produktion muss besucht werden.

Abschließend noch die Reflexion in Kurzform als #PresencingStatus:

Good - ein lohnender Sonntagmorgenbesuch in der Semperoper, Einführung in die Oper "Die Königskinder" inklusive einiger geschichtlicher Hintergründe

Tricky - eigentlich nichts bis auf die Tatsache, dass Frage aus welchem Grunde faszinierende Einführungsmatineen nicht die ihr verdiente Anziehungskraft haben

Learned - "Märchen" wie "Die Königskinder" haben mit der uns umgebenden Realität gemein als es auf den ersten Blick scheinen mag, Erinnerungen an "Verstummte Stimmen" (Elsa Bernstein [ein Abriss über Ihr Leben im Literaturportal Bayern] erlitt gleiches Schicksal wie viele jüdische Mitbürger in den 30er/40er Jahren)

Action - Besuch der Oper [Veranstaltungsübersicht inkl. verfügbarer Karten] (persönlich Karten für eine der künftigen Vorstellunge erstanden), wer am 19. Dezember 2014 die Premiere besucht (und auch spätere Vorstellungen) möge die Hashtags #DieKönigskinder & #Semperoper verwenden

Friday, November 14, 2014

SmartCityDresden - Was möchten Bürger, Stadtverwaltung, Unternehmen wirklich?

Die zweitägige Veranstaltung THINK! Smart City Dresden, die im Rahmen des Wissenschaftsjahr 2014 Ende vergangener Woche in den Technischen Sammlungen Dresden stattfand zeigte eines:

"smart" assoziiert in den Köpfen der Meisten von uns, dass alles mit dem Thema "smart" in der einen oder anderen Form mit dem "Smart"-phone zu tun hat.

Doch ist es das wirklich?

Mentale Modelle von uns, wie das oben beschriebene bewirken, dass Dinge um uns herum unverzüglich in bestimmte Schubladen in unserem Kopf verpackt werden, ohne dass wir noch weiter darüber nachdenken warum dies so ist. Man spricht auch landläufig von Vorurteilen. Sind diese erst einmal angetriggert fühlen sich all diejenigen ausgeklammert, die kein Smartphone (ich übrigens selbst bis vor wenigen Wochen nicht) besitzen oder aus bestimmten Gründen keines besitzen möchten.

Bilderwand im Foyer der Technischen Sammlungen Dresden

Was zunächst wie eine Technologieveranstaltung aussieht, immerhin handelt es sich beim dem Mitveranstalter Silicon Saxony e.V. um das größte europäische Cluster der Mikroelektronik in Europa, erschließt sich bei näherer Betrachtung als ein bürgernäheres Projekt als zunächst erwartet.

Seit einigen Jahren gibt es den Integrieren Stadtentwicklungsplan (INSEK) der Landeshauptstadt Dresden, der 2002 erstmals durch den Stadtrat bestätigt worden ist und seitdem kontinuierlich fortgeschrieben wird. Inzwischen erfolgt die Fortschreibung unter dem Namen "Zukunft Dresden 2025+" mit mehreren Schwerpunktfeldern der Stadtentwicklung, die bereits 2012 in einer Bürgerbeteiligung (mit zahlreichen veröffentlichen Vorschlägen Dresdner BürgerInnen) Ausdruck fand. 2013 fand sich die Landeshauptstadt Dresden mit Silicon Saxony e.V. zusammen, um das Konzept einer "klugen" Stadt weiter voranzubringen, wie dem Computer-Oiger (einem sehr lesenswerten Blog zu technologierelevanten Themen rund um Dresden) im Juni 2013 zu entnehmen war. Der 8. Silicon Saxony Day einige Tage später des gleichen Jahres brachte dann den Anstoß, über einen geführten Design Thinking Prozess, erste Ideen für Prototypenfelder zu entwickeln.

Mit einem Schärfungsversuch wurde am vergangenen Donnerstagabend in den Technischen Sammlungen Dresden nach einigen Impulsvorträgen und einer Live-Skype Schaltung nach Berlin (da aufgrund des Lokführerstreiks keine Züge fuhren) zum Deutschen Institut für Urbanistik der Boden für die Workshops und anschließende Publikumsdiskussion bereitet.

"Welche Bilder und Begriffe verbinden Sie mit einer Smart City Dresden? Welche Besonderheiten hat Dresden für die Entwicklung zu einer Smart City Dresden?"

"Welche Handlungsfelder sollten weiter adressiert werden? Inwieweit kann eine Periodisierung erfolgen?"

"Was sind die nächsten Schritte? Welche Kooperationen sind wichtig? Wie können Bürgerinnen und Bürger Teil dieser Entwicklung werden?"

Dass es in Dresden bereits eine Vielzahl von "smarten" Lösungen innerhalb des Stadtraums gibt, die wir schon längst mehr wahrnehmen, von der mit RFID-Chips ausgerüsteten Mülltonne bis zu einigen verkehrlichen Lösungen wie dem Verkehrsmanagementsystems VAMOS (Liste einiger Projekte auf Dresden.de) ist uns möglicherweise nicht so bewusst. Für Lösungen diesen Umfangs bedarf es durchaus starker Partner wie der TU Dresden und den Unternehmen, die sich im Silicon Saxony e.V. zusammengeschlossen haben.

Wenn es darum geht, kleinteiligere Bürgerbelange durch clever eingesetzte Technik, ob es sich um die altersgerechte Wohnung mit Bewegungssensoren oder (semi-)automatischer Heizungs- und Fenstersteuerung, die Vernetzung von Kunst- und Kulturorten innerhalb der Stadt, oder dem smarten Studienbegleiter auf dem Smartphone handelt - es gibt zahlreiche Möglichkeits- und Umsetzungsfelder, die auf Umsetzung warten. Die vier im Rahmen der öffentlichen Diskussion am Freitagabend vorgestellten Projektideen gab einen ersten Eindruck von dem, was auch in Dresden möglich ist. "Wir haben die Kompetenzen des gesamten Prozesses in Sachsen, um Smart Cities zu realisieren.", so Michael Kaiser, Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Dresden.

Was es heißt, das kreative Potential der Bürgerschaft dieser Stadt zu entfachen und die Bürgerbeteiligung über Generationen, Herkunft und Bildung möglich zu machen, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten im Rahmen der Dresdner Debatte offenbaren können.

Otto Scharmer

* oft entwickeln sich diese aus Fragen, warum bestimmte die Bürgerinnen und Bürgern betreffende Vorgänge in einer Stadt nicht einfacher verlaufen können.

(Fast) unbegrenzter Möglichkeitsraum (gesehen vom Turm der Technischen Sammlungen Dresden

Tuesday, November 11, 2014

Have you played out the Four Ps?

The Four Ps (Joi Ito): 

Projects
Peers
Passion
Play

Just watch and smile as you get reminded of your own creative genius.

Joi Ito, Director of MIT Media Lab at PopTech

Thursday, November 6, 2014

Smart Cities - Wie das Internet der Dinge die Zukunft eröffnet

Heute und morgen heißt es in den Technischen Sammlungen Dresden dem ehemaligen Stammsitz der Kamerawerke Ernemann:

Bildrechte: Landeshauptstadt Dresden

Dresden, eine Stadt, die über Jahrzehnte für Foto-, Filmtechnik und Feinmechanik macht sich auf den Weg, ihre seit den Tagen von Werner Hartmann gefundene Identität von Silicon Saxony nicht nur in Forschung und Chipproduktion zu belassen. Die Möglichkeiten, die sich mit dem mobilen Internet (das seit 2008 jährlich stattfindende Mobile Camp zeugt bereits davon) und dem Internet der Dinge (#IoT) sind schier unbegrenzt. Der vor einer Woche in Washington D.C. stattgefundene 2nd Annual Internet of Things Global Summit, den HTxA - HighTech x Agency offiziell als Social Media Partner begleitete zeigte einmal mehr die Herausforderungen für die Gesellschaften im Zeitalter sich exponentiell verändernder Realitäten. 

Am morgigen Freitag wird ab 17:30 Uhr auch die interessierte Öffentlichkeit eingeladen, sich aktiv in den beginnenden Veränderungsprozess einzubringen.

Details zur Veranstaltung: Think! Smart City Dresden

Tuesday, October 21, 2014

Graphen - Die "unsichtbare" Macht des Wandels

Fast auf den Tag vor drei Jahren fand am MPI-PKS (Max-Planck-Institut für Physik Komplexer Systeme) ein Workshop mit dem kryptisch lautenden Namen "Carbon-based Spintronics" statt. "Wer hatte schon zuvor (außerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft und industrienahen Forschung) davon gehört?" - die wenigsten Bürger Dresdens wahrscheinlich (mich eingeschlossen).

Der öffentliche Abendvortrag am 28. Oktober 2011 (übrigens wie viele Vorträge und Vorlesungen öffentlich im Science Kalender Dresden zu finden) sollte mit einigen Überraschungen aufwarten.

Prof. Heinrich Kurz (Foto von Prof. Gianaurelio Cuniberti)
Prof. Heinrich Kurz vom Institute of Semiconductor Electronics an der RWTH Aachen, GF der AMO GmbH, sowie designierter Leiter des Grapheme-CA [Graphene Flagship] versprach mit seiner Vorlesung "Graphen - Das neue Silizium des einundzwanzigsten Jahrhunderts?" einen aufschlussreichen Abend.

Einführend in das Thema des Abend war die erste Folie mit einer Darstellung von Moores Law (alle ca. 18 Monate verdoppelt sich die Anzahl der Schaltkreise auf einer gleichbleibend großen Chipfläche aus Silizium). Was damals zunächst wie ein Werbegag von Intel klang, um deren Konkurrenz zu verschrecken "bewahrheitet" sich als konstantes Paradigma. Erst ein Jahr zuvor hatte Ray Kurzweil, Futurist, Erfinder und Mitgründer der Singularity University auf dem 4. Dresdner Zukunftsforum davon in seinem Vortrag ebenfalls gesprochen.

Doch halt! Können wir den Implikationen für Wirtschaft, Gesellschaft und unser eigenes Leben, die sich aus diesem Paradigma ergeben überhaupt folgen? Zunächst werden derartige Entwicklungen stets unterschätzt (sowohl von der Öffentlichkeit als auch von den Medien - wer hat in den letzten drei Jahren in den lokalen Medien viel über "Moores Law" und "Graphen" gelesen oder gehört?). Kurz gesagt: unterschätzen wir (noch immer) die Zukunft?

Was mit der Erfindung des integrierten Schaltkreis und den Aktivitäten in Silicon Valley rund um die damals noch reichlich unbekannte Hochschule Stanford University (übrigens hervorgegangen aus einer privaten Stiftung) sich abspielte (sehr anschaulich in dem von Everett M. Rogers und Judith K. Larsen verfassten Buch "Silicon Valley Fieber" beschrieben) und den ersten "exponentiellen Steinwurf" in die Stille des "linearen Denkens" darstellte sollte noch übertroffen werden. Bereits 2002 wurde in einem Artikel in IEEE Spectrum [englisch] auf das Verschwinden des Transistors bei ständiger Miniaturisierung hingewiesen. Wo es genau hingehen (könnte) war noch nicht absehbar.

2004 war Graphen ("Wundermaterial" in Atomschichtdicke) von zwei russisch-stämmigen Wissenschaftlern entdeckt worden, die für ihre Entdeckung bereits 2010 den Nobelpreis für Physik erhielten. Seitdem hat das Interesse (innerhalb der Wissenschaft, weniger der allgemeinen Öffentlichkeit) an diesem "Wundermaterial" exponentiell zugenommen.

Ohne eingehender auf den Vortrag vom 28. Oktober 2011 einzugehen springen wir ins Jahr 2014. Wir schreiben den 20. Oktober 2014. Der Chiphersteller GLOBALFOUNDRIES, der auch in Dresden mit seinem Werk GLOBALFOUNDRIES Fab1 präsent ist gibt an diesem Tag bekannt, dass er die (verlustreiche) Halbleitersparte von IBM komplett übernimmt (Computer-Oiger sowie HTxA - HighTech x Agency und Silicon Saxony e.V. berichteten ebenfalls). Ebenfalls an diesem Tag veröffentlichte Peter Diamandis seine Gedanken zur Zukunftsentwicklung und Anwendungsfeldern von Graphen, die den wenigsten von uns bekannt sein dürfte im Wirtschaftsmagazin Forbes [English].

Doch was hat dies mit Graphen und dem Vortrag von Prof. Heinrich Kurz zu tun? IBM bereitet sich bereits auf die Nach-Silizium Zeit [englisch] vor und kann nun verstärkt Forschung in Richtung neuer Materialien, insbesondere Graphen, im Halbleiterbereich betreiben. GLOBALFOUNDRIES hingegen gewinnt durch den Deal die Möglichkeit entsprechendes eigenes Know-How in der Skalierung für neue Technologien (z.B. mögliche Integration von Graphen in bestehende Produktionsprozesse) einzubringen. Eine Win-Win-Situation aus volkswirtschaftlicher Sicht, können sich doch die Player auf ihre Stärken konzentrieren. Dresden gewinnt damit die Chance, die Forschung für zukunftsweisende Technologien auszubauen und angrenzende Anwendungsbereiche und Startup-Ecosystems entstehen zu lassen. Waren doch bereits 2011 acht (!) Institute an der Nöthnitzer Straße am südlichen Campusrand der TU Dresden mit der Forschung rund um die Nutzung von Graphen im Halbleiterbereich beschäftigt. Die Entscheidung von gestern sollte demnach weiteren Auftrieb für Forschung und Applikationsentwicklungen rund um Graphen bringen - auch und besonders hier in Dresden - nach sich ziehen.

Prof. Kurz schloss seinen damaligen Vortrag mit folgendem Vorschlag: "Ich schlage Ihnen vor, die Straße [Nöthnitzer Straße; Anm. der Verfassers] in Graphen-Straße umzubenennen!"

"Warum nicht?"





Wednesday, September 10, 2014

Wissenschaftscampus 2014 - Sprungbrett für Frauen in der Wissenschaft



Wer eines der MINT-Fächer studiert, jenseits des 4. Fachsemesters, dem weiblichen Forschungsnach-wuchs angehört und öfters neugierig Schwarze Bretter nach Neuem abscannt dürfte schon im ver-gangenen Jahr über das neue Format Wissenschaftscampus „gestolpert“ sein, das die Fraunhofer Gesellschaft in 2013 initiiert hat.

video
1. Iteration aus dem Design Thinking Workshop


Ist es doch seit Langem (leider) ein Fakt, dass sich weibliche Führungskräfte und Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen (sei es als Gruppenleiterinnen, Professorinnen oder sonstigen gehobenen wissen-schaftlich-technischen Positionen) im Vergleich zur Anzahl der Studentinnen vor allem in Deutschland in deutlich zu geringer Zahl wieder finden (Quelle: Femtech)).

Um dem Abhilfe zu schaffen hat die Fraunhofer Gesellschaft 2013 das Programm Wissenschaftscampus aufgelegt. An wechselnden Fraunhofer-Standorten werden während der Dauer von 4 Tagen den Teilnehmerinnen Workshops, Besuche bei Fraunhofer Instituten (67 Fraunhofer Institute in 7 Verbünden existieren zur Zeit) und Einblicke in Universitäten ermöglicht, die es für sie einfacher machen, die relevanten „Karriere-Steine“ im Lebensweg besser vorbereitet erklimmen zu können.

Am 18. August 2014 startete am Fraunhofer IPMS in der Nähe des Flughafen Dresdens der #Wissenschaftscampus2014 (so lautet auch der durchgängige Hashtag, nicht nur auf Twitter der wahrscheinlich in Kürze auch von Teilnehmerinnen genutzt oder gelesen wird, denn eine Anmeldung ist für Twitter nicht erforderlich, wenn es lediglich um das Lesen geht, u.U. ergeben sich jedoch interessante Querverbindungen und Impulse, die über Social Media einfach verknüpft wieder auffindbar und durch eigenes Wissen angereichert werden können). Knapp 50 Teilnehmerinnen aus allen Teilen der Republik von Aachen über Braunschweig, Karlsruhe, München bis an den östlichsten Rand, Zittau fanden den Weg nach Dresden, um sich auf das „Experiment“ einzulassen. Montags stand neben der Einführung in die kommenden Tage ein teamfindungsorientiertes Geocaching mit lokalen Experten statt, um sich dann am frühen Nachmittag im Festsaal des Rektorats der TU Dresden für die nächsten Vorträge einzufinden. Das Wetter spielte in diesem August nicht sonderlich sommerlich mit, so dass die Abendveranstaltung am City Beach mit Beachvolleyball zu einer besonderen  Herausforderung werden sollte.

Tag 2 am Dienstag war als Fachtag angelegt, bei dem die Teilnehmerinnen entsprechend ihrer Interessen an Vorträgen und Gesprächen bei verschiedenen Fraunhofer Instituten sowie an der TU Dresden teilnehmen konnten. Erstaunlich hoch war die Resonanz zum Gespräch zur wissenschaftlichen Karriere mit Vertreterinnen der TU Dresden. Dort war fast die Hälfte der Teilnehmerinnen zugegen. Drei Wissenschaftlerinnen, davon eine Professorin, Juniorprofessorin und Gruppenleiterin in einem außeruniversitären Institut, erzählten von ihren nicht immer gradlinigen Lebensgeschichten, die sie manchmal doch sehr überraschend dorthin brachten wo sie heute stehen. Drei Tips standen im Vordergrund in Bezug auf eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere, die nicht nur für Frauen von Interesse sind:

- neugierig sein
- Auslandsaufenthalte während des Studiums
- Networking (z.B. Forschungsgruppen, Konferenzen)

Ein Zitat in diesem Zusammenhang, das im Übrigen für alle Karrieren gilt, die nicht immer geradlinig verlaufen: „Wenn man nicht blind durch’s Leben geht tun sich stets andere Möglichkeiten auf“.

Nach dem Fachtag stand ein gemütlicher Abend zu einer Weingutführung und –verkostung an, so dass auch hier die Kultur nicht zu kurz kam.

Mit Tag 3 und 4 standen die sogenannten Managementtage auf dem Programm. Von Design Thinking zu Workshops zu Selbstbehauptung im Beruf, Vernetzung in Erfolgsteams und Projektmanagement sowie Coaching und Karriereabend standen vielfältige Möglichkeiten der Teilnahme für die Teilnehmerinnen zur Verfügung.

Dass ein anfängliches „unangenehmes“ Kribbeln im Magen durchaus in positive Energie (einschließlich grandioser Ergebnisse, die so gar nicht zu erwarten waren) ließ sich für alle Beteiligten am ersten Design Thinking Workshop am Mittwoch feststellen. Dankbarerweise war ich nicht nur „stiller Beobachter“ sondern vollständig als Teammitglied integriert worden (Ganz herzlichen Dank für Euer Vertrauen!) und Teil des Prozesses geworden.  Nach kurzer Einführung in Design Thinking, die von Hasso Plattner gegründete d.school in Potsam und dem ersten Kernenlernen verschiedener Kreativitätstechniken, hieß es für alle Prototypen basteln („Prototyping is thinking with your hands“ – David Kelley, Gründer der Design-Agentur IDEO). Was dabei herauskam lässt sich u.a. einige Zeilen weiter oben sehen - es ist davon auszugehen, dass in Kürze Aufnahmen der endgültigen Prototypen veröffentlicht werden.

Wer in Freiburg/Brsg. Anfang Oktober beim #Wissenschaftscampus2014 dabei sein wird, kann sich schon ein Bild davon machen, was einen erwartet. 

Die vier Tage im Rückblick betrachtet sind es vier Fragen, auf die es (oft überraschende) Antworten gab (#PresencingStatus, nach einem Design Thinking MOOC im vergangenen Jahr):

Good - Durchführung des Wissenschaftscampus als Sprungbrett für Frauen in der Wissenschaft (die noch immer von Männern insbesondere in den technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen dominiert ist); einen großen Dank an an Michael Vogel, den „geistigen Vater“ dieser Initiative; Neugier der Teilnehmerinnen, sich auf etwas einzulassen, dessen Ergebnis zu Beginn der Woche sicherlich nicht allen klar war; Möglichkeit aus den Veranstaltungen live über Social Media zu berichten

Tricky – Vielzahl an Veranstaltungen an räumlich getrennten Orten bedingte eine Auswahl; als männlicher „Vertreter“ in einer reiner Frauenveranstaltung nicht immer einfach, anfängliche Skepsis der Teilnehmerinnen

Learned – das Zusammenbringen von Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, Herkunft und Interessen bereichert stets, Entscheidungsprozesse von Frauen in Teams scheinen ruhiger (bei Design Thinking) und gemeinschaftlich getragen zu sein, als dies oft in männerdominierten Gruppen der Fall ist; Teamveranstaltungen wie das Geocaching bilden die Grundlage Vertrauen zwischen sich unbekannten Menschen aufzubauen; Social Media Tools (z.B. Twitter, Facebook) sind im Wissenschaftsbereich bisher in geringem Maße genutzt (hier gibt es keine zu beobachtenden Unterschiede zu den männlichen Kollegen); Kunst und Wissenschaften sind enger miteinander verflochten als wir oft denken (wenn Künstlerinnen zu Chemikerinnen werden, oder Pharmazeutinnen zu Opernsängerinnen), man muss ihnen die Chance lassen, beides zu ergründen und dann mit ihrer inneren Passion den Weg in die Zukunft eröffnen

Action – den Wissenschaftscampus 2014 weiterhin verfolgen und die Entwicklung dieses Formats beobachten; eigene Erfahrungen teilen, die ich während des Wissenschaftscampus 2014 in Dresden mitgenommen habe (z.B. http://www.creativeconfidence.com/ (neues Buch von David & Tom Kelley), http://www.dresden-ipp.de/ an der TU Dresden, http://de.slideshare.net/harriken/the-brown-book-of-design-thinking-lean-coursebook-ed (Jose Berengueres), http://www.lindau-nobel.org/ (Lindau Nobel Laureate Meetings) die zeitgleich in Lindau am Bodensee stattfanden)

Tuesday, July 29, 2014

OL - was ist denn das?

Vor fast 30 Jahren hörte ich das erste Mal von OL (Orientierungslauf). In meiner Banklehreklasse war eine Orientierungsläuferin, die regelmäßig zu nationalen und internationalen Wettkämpfen fuhr. Was für mich ausschließlich bislang in der Natur stattfand gab es im vergangenen Sommer während der 26th International Cartographic Conference in Dresden eine Veranstaltung in OL, jedoch nun für den städtischen Bereich.

Vor gut einem Jahr hatte ich in einem Vorbericht zur 26th International Cartographic Conference zu Kartographie und ihrer relevanten Funktion für zahlreiche Bereiche des Lebens berichtet. Dass der Sport Orientierungslauf (international: orienteering) eine derart enge Verbindung zu Kartographie und digitalen Technologien hat war nicht bewusst - bis vor wenigen Wochen die #WOC2014 (World Orienteering Championships 2014 im Trentino, Italien stattfanden).

Der Sport, "eine Geländelaufsportart bei der in der Umgebung mehrere Kontrollpunkte mit Hilfe von Karte und Kompass angelaufen werden" (aus @OL_Germany), wird überwiegend als Einzeldisziplin im Gelände (auch innerhalb von Stadtlandschaften immer stärker) durchgeführt und somit (bis auf die Zieleinläufe) wenig publikumswirksam.

Welche Rolle könnte Technologie als Boundary Object (zwischen Athleten, Veranstalter und Publikum, ob an der Strecke, im Zielraum oder "nur" via Web vernetzt) spielen? Welche neuen Technologieanwendungen sind für Sportarten interessant? Kann ein solcher Nischensport als Technologieermöglicher dienen?

Waren es ungewohnte Fotoperspektiven wie "WOC2014 - unconventional angles", die auf Flickr geteilt wurden, freies WiFi gesponsert durch FreeLuna & Alpsolutions oder dem Geschehen folgend über die Hashtags #WOC2014 & #WTOC2014 sowie die Facebook Accounts WOC2014Italy & Orientierungslauf (neben vielen anderen) - digitale Technologien fanden sich überall.

Live-Tracking von der Strecke für alle Läufer bei den Wettbewerben (außer Sprint Qualifikation) waren über die Seite der International Orienteering Federation angekündigt und stehen zum Nachschauen auf dem IOF-Live Center bereit.

Technologie macht es definitiv einfach, mehr über den Sport und seine Faszination zu erfahren. Wer sich den Sport OL mal aus der Nähe anschauen möchte, hier eine Wettkampfübersicht für den August.

PresencingStatus (4 kurze Fragen & Reflexion) an dieser Stelle:

  1. Good: digitale Technologien wo man sie am wenigsten erwartet
  2. Tricky: Sport ist so unbekannt wie Ultimate Frisbee für die allgemeine Bevölkerung
  3. Learned: hat meine keine emotionale Bindung zu einem Thema, existiert es förmlich nicht
  4. Action: beobachten, wie sich OL im Web weiterentwickelt



Weiterführende Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Orientierungslauf
http://orientierungslauf.de
http://facebook.com/Orientierungslauf
http://twitter.com/OL_Germany
http://twitter.com/WOC2014Italy

Wednesday, July 2, 2014

Wissenschaftler - bitte an Bord!

Dresden ist in aller Munde. Zumindest was Forschung und Wissenschaft angeht auf alle Fälle. Hat doch die TU Dresden seit Sommer 2012 den Status einer Exzellenzuniversität (unter 11 im Bundesgebiet die einzige in einem ostdeutschen Flächenstaat). Doch ist eigentlich klar, welch ein Schatz sich hier mitten unter uns befindet?

Veröffentlichungen, Papers, Konferenzen - das zeichnet in der Regel Wissenschaftler aus. Zu oft jedoch ist man als Bürger zu weit weg von den wissenschaftlichen Themen, um den Wert und Umfang der Forschung zu verstehen.

Was liegt also näher als den Wissenschaftler aus dem Labor in die Öffentlichkeit zu bringen?

So kam es am 25. Juni 2014 zur 2. Auflage von "#2im ...", die im Februar mit "#2imTurm" in den Technischen Sammlungen mit Prof. Gianaurelio Cuniberti, Prof. für Nanotechnologie an der TU Dresden und Dr. Susanne Eaton, Group Leader and Researcher at MPI-CBG (Max-Planck-Institute for Cellular, Biology Genetics) begann.

Was zunächst hoch hinaus in die Wolken ging, sollte diesmal tief ins Wasser der Elbe gehen: #2imBoot

Der Schaufelraddampfer "Dresden" der Sächsischen Dampfschiffahrtsgesellschaft wurde Ort des Geschehens, zwar angedockt am Pier am Terassenufer, doch sollte jeder der Teilnehmer an diesem Abend den Flair eines Dampfschiffes mit nach Hause nehmen können. Startete doch der Abend rund um den Maschinenraum in der Mitte der "Dresden".

Prof. Dr. Holger Brandes, Rektor der EHS (Evangelische Hochschule) fand sich als Erster "in der Bütt" oder auch Mini Science Slam wieder ("gefühlte" 2 m unterhalb des Wasserspiegels auf dem Boden des Maschinenraums - Anmerkung: Tiefgang des Dampfers ca. 90 cm) wo er seine aktuelle Forschung zu Männern in Kitas innerhalb von 5
li Prof. Brandes, re Tony Heyman
Minuten dem interessierten Publikum darlegte. Was zunächst wie ein Missgeschick aussah (der von ihm zu präsentierende Modellkoffer fegte mit Gravitationsbeschleunigung 'gen Boden und zeigte seinen vollständigen Inhalt), trieb nicht nur den Adrenalinspiegel bei allen Anwesenden nach oben sondern auch den von Prof. Brandes. Anschließend konnten wir den zweiten Wissenschaftler des Abends, Dr. Anthony (Tony) Heyman, einer der Direktoren des Max-Planck-Instituts Cell Biology and Genetics, als Nächster erleben.

Über den Zeitlauf von gut zwei Stunden konnten beide Wissenschaftler auch von ihren persönlichen
Seiten erlebt werden, ein Querflötensolo von Tony Heyman (welche Rolle dieses Instrument während seiner Zeit in San Francisco spielte konnten -leider- nur die Anwesenden erfahren) und die Malleidenschaftl von Holger Brandes war nur die Spitze des Eisberges was an diesem Abend erlebt werden konnte. Allen, die nicht kommen konnten sei eine Teilnahme bei der nächsten Ausgabe von #2im... wärmstens empfohlen.

Meine persönliche Kurzkritik soll wieder in Form eines #PresencingStatus mit vier kurzen Fragen geschehen:

Was war gut? Location war 1a (GROßES DANKESCHÖN an die Sächsische Dampfschiffahrtsgesellschaft und MPI-CBG),  hervorragende Protagonisten des Abends, die mehr als Laune machten (auch künftig wieder dabei zu sein)

Was war tricky? Offiziellen Hashtag #2imBoot gab vor/während Veranstaltung auf Twitter/Facebook diesmal nicht, kein Wifi, Starkregen (der so manchen Besucher abhielt), die Crowdfunding Kampagne "2 im Boot" auf Startnext fand zu wenige finanzielle und kommunikative Unterstützer (einige Freunde wollten schon ihr Kommen absagen, da sie davon ausgingen, dass bei nicht erfolgreichen Crowdfunding die Veranstaltung nicht stattfinden würde), persönliche Gespräche am Rande zu führen fast unmöglich

Was habe ich gelernt? Format bedarf eines langen Atems (zu wenige Dresdner erkennen bereits die Chance, hier aufschlussreiche Gespräche zu erleben), Schüler und Studenten können in direkten Kontakt mit Wissenschaftlern kommen, es gibt immer wieder Überraschendes und persönliche Kontakte, viel Neues gelernt (Musik und Kunst und ihre Rolle an der Verbindung zu Wissenschaft)

Next Action?  Blogpost schreiben (hiermit getan), Freunde (auch aus dem Ausland) für das Veranstaltungsformat interessieren

Friday, May 9, 2014

Crossing the Pond - Silicon Valley and New York Alley

Two days ago while chatting with one of the employees of GSVA (German Silicon Valley Accelerator) via Skype on how to connect the hightech & startup scene in Dresden/ Saxony with Silicon Valley my phone opposite mentioned there would be an event in Berlin the next day which probably could be of interest to us.

His question, "Are you short term flexible?" responded in my, "Yes, tell me more!". Five minutes later I'd signed up for the event as founder, and not knowing on how to go, whether to stay, and what to expect things got rolling.

When the HTxA - High Tech x Agency founders arrived on the scene it was still quiet, and people slowly began to poor in venue. One already could sense that something different to Dresden "was in the air" - the international flair on the boulevard leading towards Brandenburger Tor had been crowded with multi-national languages beforehand, and soon English became the number one language in the room.

Two major things were due to be announced that evening:

  1. New York City becoming the second region where startups will have the chance to learn "hands on" the "Silicon Valley Spirit"
  2. Rebranding of GSVA to GE (German Accelerator) due to the fact that New York City (Silicon Alley) will be from now on the second region that will be part of the program
Andy Goldstein, US-origin serial entrepreneur, Managing Director of German Entrepreneurship GmbH and strong supporter of GSVA led into the evening, and certainly smoothly managed the crowd (especially towards the end of the two hour talks, pitches and announcements). The crowd of 740 registered attendees (amongst which 250 startups could be found) of which not all attended (but who was not there missed quite an experience (!)) learned that despite the perception of the "German Economic Powerhouse" (especially in engineering) the GSVA gained its most valuable initial learning from Austria. Very much on the edge, Austria, agile and fast (just think of skiing) moved to the Valley already some time before GSVA with PlugAndPlay.

By now more than 40 alumni have been gone through the GSVA Program that enables startups to "smell" Silicon Valley business spirit for three or six months, amongst which had been also Lovoo a Dresden-based startup. Actually a bunch of students interested to learn more about entrepreneurship toured their headquarters on Wednesday during the #GründerTreff #2.

"Dance with Gorillas" round
What became the most insightful session during the evening was the "Dance with Gorillas" where entrepreneurs and leaders of big company innovation labs shared their experiences. The TTB (Technology to Business) of Siemens which is currently partnering with Parstream on "making sense" of big data that machinery is producing and that can be used in valuable ways (e.g. preventive maintenance, shift planning, etc.) caught my attention. One of the key points Michael Hummel, CEO of Parstream, was that a startup only can show its quality when a "big(ger) player" trusts in it and let it shine. In the end it's all about trust.

More on the program of yesterday see here: Celebrating Innovation and a short video about German Accelerator made real by Gründerpreis Frankfurt 2014 winner MeinUnternehmensfilm.

Short reflection on yesterday's challenges, #PresencingStatus:
  • Good - enthusiastic crowd, easy to connect, perfect location (to be reached by public transport), event run almost in time 
  • Tricky - no free WiFi, last train 9:35pm back to Dresden from Potsdamer Platz, network time, noisy crowd in the back of the venue
  • Learned - lot of ground of improvement (concerning the event), connection after event via Twitter possible, there certainly is more drive than expected in the German startup community to connect with Silicon Valley / New York Alley
  • Action - blog article (done here), with free WiFi at next event open to be social media partner with HTxA - High Tech x Agency for German Accelerator

Tuesday, April 29, 2014

MEISSEN® - Ein Traum aus Porzellan

Manchmal bringt die eindrucksvollsten Erfahrungen im Leben der Zufall. Was aus einer Mitnahme eines Flyers zum Tag der Offenen Tür der Staatlichen Porzellan-Manufaktur MEISSEN® im BioInnovationsZentrum Dresden werden sollte war Mitte der Woche noch nicht abzusehen.

MEISSEN® - man kennt das Porzellan, das man sich wahrscheinlich nicht als Standardtischgedeck für zu Hause zulegen würde. Doch weiß man auch, was wirklich dahinter steht?

Samstag, 26. April 2014 (übrigens der 1. von zwei Tagen der Offenen Tür in 2014, der neugierigen Besuchern offen steht; 18. Oktober 2014 auf jeden Fall schon einmal im Kalender vormerken) ab 9:00 Uhr ist die Staatliche Porzellan-Manuktur MEISSEN® (auch liebevoll "Manu" genannt) geöffnet.

"Forbidden Fruit" by Chris Antemann
Bis es mit der Führung zur Entstehung des neuer Arbeit von Chris Antemann, momentanen Artist in Residence im MEISSEN® ArtCampus, "Forbidden Fruit"losging ließ sich in den Gängen bereits ein erstes Gefühl für die handwerkliche Exzellenz erspüren, die mit dem Namen MEISSEN® verbunden ist. Was oft beim Betrachten der Preisschilder schockierend anmutet relativiert sich wieder wenn man lernt, dass sich Brennvorgänge (insbesondere bei filigranen und Großplastiken) über mehrere Wochen hinziehen und die fertigen Produkte nach dem Brennen ca. 16% Ihrer Masse verloren haben. Durch die hervorragende Führung von Frau Danielczyk gewann die "Gruppe der Fünfzehn" nicht nur einen ersten Einblick in das Manufakturgeschehen in den Produktionsräumlichkeiten, sondern auch zunehmend ein Gespür der Wertschätzung der filigranen Arbeiten der Kolleginnen und Kollegen, die an diesem Samstag Dienst taten.

Erinnerungen an meine ersten Erfahrungen mit dem Semperoper Ballett werden wach. Man sieht das fertige Ergebnis. Doch weiß man bereits, welche Arbeit, Fingerfertigkeit, Können und Teamwork und Prozessabläufe dahinter stehen?

Was auf den ersten Blick wie ein Unikat aussieht ist in Wirklichkeit eine Kleinserie (in diesem Fall acht Exemplare), die mit Zuhilfe-nahme von Dutzenden und mitunter Hunderten von Formen (rechts) semi-standardisiert produziert werden. Doch nicht alles kann in dieser Weise vorproduziert werden. Die "wahre" Handarbeit kommt sobald es ans Bemalen und die zahlreichen ergänzenden Bestandteile wie z.B. Locken geht.
Unter einer Plastikfolie, damit das Austrocknen nicht zu schnell geschieht finden sich allerlei Assessoires, die in reiner Handarbeit geformt werden. Wenn man das fertige Produkt sieht macht man sich selten Gedanken, wie dieses in Realität hergestellt wird. Kennt man doch auch in der Regel nicht die Produktionsorte und kann den Machern "über die Schulter schauen". Unten sieht man den Tisch, der mit seinen reichlich gedeckten Schüsseln und Tellern den Mittelpunkt von "Forbidden Fruit" bildet. Und es gehr wahrhaft nicht um Essen allein - nicht umsonst lautet der Titel der Arbeit "Verbotene Frucht".

"Forbidden Fruit" 

Nach Beendigung der Führung und der Entlassung in die Museumsräumlichkeiten, die sich über mehrere Etagen erstrecken war die Neugier erst recht geweckt, mehr und vor allem tiefer in die Produktion dieses Traditionshauses zu gehen.

Neben solch kolossalen Kunstwerken aus Porzellan ist es selbstverständlich auch das traditionelle Tafelgeschirr u.a. mit dem für MEISSEN® typischen Zwiebelmuster (wobei es sich wie wir von den Kollegen im Brennofenraum erfuhren nicht um Zwiebeln handelt, sondern um den im 18. Jahrhundert in dieser Gegend unbekannten Granatapfel). Was zunächst nach einem 1-2 Stunden dauernden Besuch aussah, sollte sich wider Erwarten und manch positiver weiterer Überraschung zu einem Ganztagsbesuch ausweiten.

Dass es unmittelbar in der Nähe der Manufaktur auch noch einen besonderen Schatz gibt ist nicht
jedem bekannt. Die Nikolaikirche unmittelbar an der Bahnstrecke gelegen beherbergt die weltweit größten Figuren aus Meissener Porzellan. Paul Emil Börner, Direktor der künstlerischen Abteilungen der Meißener Manufaktur, gestaltete Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Ausgestaltung der Kirche, die damals keine kirchliche Funktion mehr hatte.

Der Tag schloss mit zahlreichen neuen Erfahrungen aus Produktion, künstlerischen Büros und Einsichten von Mitarbeitern der Staatlichen Porzellan-Manufaktur MEISSEN®. Wie Leidenschaft ein Unternehmen in dieser Liga prägt und wie wichtig die Mitarbeiter für den Erfolg sind, ob in der Schauwerkstatt, Brennofen, Formenbau, Archiv, Zeichenbüros. Mehr wie die Leidenschaft gemeinsam für exzellente Produkte sorgt findet Ihr unter "Passion, Craftsmanship and Technology" (in englisch).


Zu sehen im Innenhof der Manufaktur
PresencingStatus bzw. kurze Reflexion zum Besuch der Offenen Tür der Staatlichen Porzellan-Manufaktur MEISSEN®:
  • Good? Flyer im BioInnovationsZentrum "gescannt", um 9 Uhr in Meißen, sich auf Neues eingelassen, viele interessante Gespräche
  • Tricky? Frühes Aufstehen
  • Learned? Leidenschaft steht hinter jedem exzellenten Produkt/Service - und die erlebt man erst im persönlichen Gespräch 
  • Action? Zwei Blogbeiträge (deutsch und englisch) schreiben (bereits geschehen), am 18. Oktober 2014 wieder da sein