Wednesday, August 17, 2016

Mindestlohn - überflüssig oder notwendig?

Am 28. Juli 2016 stellten Staatssekretär Stefan Brangs, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehrs (SMWA) und Prof. Dr. Lutz Bellmann, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ca. zwei Dutzend Fachpressevertretern den "Forschungsbericht - Mindestlohn: Längsschnittstudie für sächsische Betriebe" vor. Hintergrund waren die Auswirkungen, die die generelle Mindestlohneinführung zum 1.1.2015 auf die sächsische Wirtschaft seit dem hatte. Grundlage der Datenbasis ist das IAB-Betriebspanel,  das seit 1996 auch für die ostdeutschen Bundesländer erstellt wird und für den speziellen Forschungsbericht entsprechend erweitert worden war.
Prof. Dr. Lutz Bellmann (2.v.l.), Stefan Brangs (2.v.r.)
Das Kurzfazit von Prof. Dr. Lutz Bellmann lautete "Keine anderen Bundesländer sind so stark (vom Mindestlohn) betroffen (wie Sachsen)".

Bereits 2014 (vor der Einführung des generellen Mindestlohns von 8,50 €) wären bei einer Einführung des Mindestlohns zu diesem Zeit ca. 31% der sächsischen Betriebe davon betroffen gewesen, da sie mindestens einen Arbeiternehmer mit einem Stundenlohn unter dem geplanten Mindestlohn beschäftigten. Mit Einführung des Mindestlohns gaben 44% der Betriebe an, dass dies Auswirkungen auf ihr Lohngefüge (nicht nur die Arbeitsverhältnisse mit Stundenlöhnen mit weniger als 8,50 €, sondern auch entsprechende Höherstufungen anderer Stellen (Stichwort: Lohnspreizung), um das Lohngefüge innerhalb der Unterhmung ausgeglichen zu halten).

Wesentlich geringer fiel die Auswirkung auf die Anzahl der Beschäftigten aus, die mit 13% (2014) bzw. 16% (2015) angegeben wurde.

"Warum Sachsen so stark?", so Prof. Dr. Lutz Bellmann - eine Frage, die auf den ersten Blick nicht einfach zu beantworten ist. Bei genauerem Betrachten fallen mehrere Aspekte auf, die für Sachsen eine entscheidende Rolle spielen:
  • Trotz des in der volkswirtschaftlichen Theorie gelehrtem "freien Spiel der Marktkräfte" (Tarifvertragsparteien) von dem in Deutschland ausgegangen wird, liegt Sachsen mit einer durchschnittlichen Tarifbindungsquote von ca. 23% eine besondere Situation vor. Dies bedingt, dass Löhne und Gehälter individuell zwischen den Arbeiternehmern und Arbeitgebern ausgehandelt werden oder Haustarifverträge in geringem Maße zur Anwendung kommen.  Die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmerseite ist u.a. aufgrund der geringen Tarifbindung schwächer.
  • Sachsen war unmittelbar vor der Wiedervereinigung (und in den Jahrzehnten zuvor) industrielles Kernland mit einem umfassenden Kapitalstock (Unternehmen, Infrastruktur) und einer sehr gut ausgebildeten Arbeitnehmerschaft. Höhere Löhne zogen in den vergangenen Jahrzehnten in hohem Maße Fachkräfte in Richtung Westdeutschland ab. Eindrucksvoll war bei der Ansiedelung von BMW in Leipzig und für die Region vergleichsweise hohen Tariflöhnen (wenn auch auf ostdeutschen und somit niedrigerem Niveau als im Westen) zu erleben, wie ehemals "ausgewanderte" qualifizierte Fachkräfte wieder nach Sachsen zurückkehrten
  • Die "Randlage" Sachsens zu Polen und Tschechien bedingt unmittelbar eine Preiskonkurrenz, die sich für einheimische Unternehmen durch eine Tendenz zu niedrigeren Löhnen ergibt, und durch die geringe Tarifbindung noch verstärkt wird
  • Als weiterer Grund wird eine "geringere" Produktivität von ca. 70% gegenüber den westdeutschen Unternehmen für sächsische Unternehmen (als Grundlage hierfür wird u.a. die Umsatzproduktivität in Form von Umsatz pro Mitarbeiter angegeben (siehe IAB Betriebspanel 2015, S. 93) herangezogen - ob dies der tatsächlichen Produktivität ist bleibt zu hinterfragen
  • Zusätzlich, und das führte Prof. Dr. Lutz Bellmann kurz aus, ist die Exporttätigkeit von Unternehmen in engem Zusammenhang zu gezahlten Löhnen und Gehältern zu sehen. Exportorientierte Unternehmen zahlen in der Regel höhere Löhne als ausschließlich lokal und national tätige Unternehmen.
Trotz aller Negativszenarien vor Einführung des Mindestlohns von 8,50 € wie z.B. in der vom Freistaat Sachsen beauftragten Studie "Auswirkungen des geplanten Mindestlohns auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in Sachsens Kreisen und kreisfreien Städten" des ifo Institut 2014 (siehe links) ist (zum gegenwärtigen Zeitpunkt) für Sachsen kein signifikanter Mindestlohneffekt auf den Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter, geringfügig Beschäftigter und freier Mitarbeiter in Sachsen und Ostdeutschland zu verzeichnen.


Was zum Zeitpunkt der IAB Studie 2016 zu beobachten ist:
  • eine Erhöhung der Stundenlöhne oberhalb von 8,50 €
  • eine geringe Reduktion der Arbeitszeit (nicht signifikant zur Zeit)
  • höhere Absatzpreise
  • kein signifikanter mindestlohnbedingter Effekt auf die Beschäftigung in Sachsen.

Trotz der offensichtlich nicht signifikanten negativen Auswirkungen des Mindestllohns auf den sächsischen Arbeitsmarkt und die Wirtschaft blieben Fragen der Medienvertreter nicht aus, wie z.B. "Ist eine Differenzierung nach Kreisen und kreisfreien Städten bei den Zahlen möglich, um ein differenziertes Bild der Auswirkungen zu erhalten?". "Nach aktueller Datenlage nicht möglich", so Prof. Dr. Lutz Bellmann. Aus welchen Gründen eine (anonymisierte) Datenerfassung in relativer Echtzeit (z.B. monatlich) und differenziert nach Kreisen und kreisfreien Städten bislang nicht möglich ist, um eine höhere Transparenz und somit Durchlässigkeit des Arbeitsmarkt zu ermöglichen, bleibt eine der offenen Fragen, die die Vorstellung der Studie hinterließ. Zugleich machte es Mut, dass Digitalisierung mehr und mehr als Chance für Unternehmer, Unternehmen und Städte und Gemeinden und Bürgerinnen und Bürger erkannt wird.

Auch die Auswirkungen der Digitalisierung für die sächsische Wirtschaft wurden hinterfragt. Neben neuen digital getriebenen Geschäftsmodellen (wobei diese sehr differenziert in den unterschiedlichen Branchen zu sehen ist) werden auch innerbetriebliche Produktions- und vor allem Kommunikationsprozesse durch Digitalisierung nicht nur vereinfacht sondern wertschöpfend erweitert werden können. Um dies zu gewährleisten braucht es engagierte und angemessen bezahlte Arbeitnehmer. Der Mindestlohn kann, auch wenn er vorübergehend die Gesetze des Marktes durchbricht, als untere Ebene verstanden werden, um Arbeit und Beschäftigung in Sachsen zu entwickeln, die ein Leben in allen Regionen des Freistaates auskömmlich machen. 

Der PresencingStatus (Kurzreflexion entstanden aus dem Presencing Institute, das zur Zeit zum wiederholten Male den kostenfreien MOOC U.Lab - Transforming Business, Society and Self anbietet) für das Thema Mindestlohn in Sachsen:
  • GOOD - Mindestlohn (ca. 1.400 € monatlich bei einer Vollzeitstelle) stellt eine "Sittlichkeitsgrenze" (Staatssekretär Stefan Brangs) dar; Ausgangslage, um bei sächsischen Unternehmen "Innovationsdruck", Internationalisierung und Skalierung der Geschäftstätigkeit unter Zuhilfenahme von Digitalisierung zu ermöglichen; Vorbereitung auf den Zeitpunkt 2020 (Auslaufen von Solidarpakt II und Rückgang ESF/EFRE-Förderung durch EU); besonders niedrigqualifierte ArbeitnehmerInnen durch Mindestlohn "verdrängt"
  • TRICKY - Mindestlohn von zahlreichen Akteuren als Eingriff in die Tarifautonomie und unternehmerische Entscheidung gesehen; Ad-Hoc-Reaktionen der Unternehmen (Stundenreduktion, keine Neueinstellung); "Lohnspreizung" kritisch gesehen
  • LEARNED - lediglich 23% der sächsischen Unternehmen unterliegen der Tarifbindung (stark abgenommen seit Mitte der 90er Jahre); Löhne und Gehälter in Deutschland  intransparent (außerhalb von Tarifverträgen)
  •  ACTION - Vermitteln des Nutzens von Digitalisierung (Prozesse innerhalb von Unternehmen, insbesondere zu Kommunikation; Nutzung für Außendarstellung, dass man im Internet gefunden wird); Entwickeln und Umsetzung neuer digitaler Geschäftsmodelle (zusätzlich zu den vorhandenen) für sächsische Unternehmen, die nicht im Technologie- und Hightech-Bereich zu finden sind (z.B. Tourismus, lokale Manufakturen, Spezialgerätehersteller)
Wie lässt sich der Mindestlohn als "Startbahn" für einen zukünftigen ökonomisch und gesellschaftlich prosperierenden Freistaat Sachsen nutzen (insbesondere,da Sachsen mit 2020 aus der bisherigen Förderung durch die EU und Beendigung des Solidarpakt II heruasfällt)? - eine Frage, die alle Akteure im Freistaat in der einen oder anderen Art beschäftigt.

Weiterführende Informationen inklusive der Studie sind der Medieninformation des SMWA hier zu entnehmen (im PDF-Format mit direktem Link auf den Forschungsbericht des IAB).

SMWA auf Twitter von der Fachpressekonferenz "Mindestlohn in Sachsen"



Thursday, June 16, 2016

smartKMU - nach Darmstadt nun in Sachsen

Gestern fanden sich rund 300 interessierte Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung zur 2. Ausgabe der Veranstaltung "smarter_mittelstand" (#smartKMU lautet der offizielle Hashtag auf Twitter) in der Börse Dresden ein.

Die Börse Dresden, Teil des ehemaligen von Stadtbaumeister Hans Erlwein konzipierten und gebauten Städtischen Vieh- und Schlachthof (Dresden), war der perfekte Ort am Rande der Stadt, der Tradition und Zukunft zusammenbrachte und neue Sichtweisen eröffnete.

Convent, der Eventveranstalter der ZEIT Verlagsgruppe, hatte für freies WLAN, eine Event-App ((iOS & Android), den (bereits erwähnten) Hashtag, sowie mit inspirierendem Veranstaltungsprogramm dafür gesorgt, dass Teilnehmer und Teilnehmerinnen über das Thema Digitalisierung miteinander ins Gespräch kamen und so manche Anregung für die eigene Organisation aus den Vorträgen und Workshops mitnehmen konnten.

Wie bereits bei #zeitsmashing im Februar in Hamburg, als DIE ZEIT ihr 70-jähriges Bestehen feierte, gab es derart viele Impulse, dass das 1-on-1 Gespräch zwar nach wie vor die vorherrschende Kommunikationsform war. Doch wie lässt sich der Wissensaustausch, -aufbau und Kompetenzausweitung auf die digitale Ebene erweitern? Eine Frage, die auch mich nicht "kalt" ließ, denn persönliche Gespräche, 1-Finger-Smartphone Bedienung und eventuell noch Verknüpfung von Themen stellten auch mich unter Stress.

Eröffnungsplenum mit Stefan Brangs (re) vom SMWA
Was bleibt ist, dass das Thema auch in Sachsen am wachsen ist. Oft wird Digitalisierung bereits auch in kleineren Unternehmen umgesetzt, ob in der Produktion oder im Vertrieb. Doch die Möglichkeiten, wie mit vorhandenen Ressourcen, Mitarbeiterkreativität, Zukunftsmöglichkeiten und Innovationen über die traditionellen Geschäftsfelder hinaus gesteigert werden können für den eigenen Unternehmenserfolg und letztlich für die Gesellschaft und den Einzelnen sind noch bei Weitem nicht ausgeschöpft.

Auf die folgenden Veranstaltungen von "smarter_mittelstand" (demnächst in Karlsruhe) darf man gespannt sein und sollte sie auch aus Sachsen mit "wachem Auge" digital verfolgen.

Ein kurzes Fazit des gestrigen Tages anhand von vier kurzen Fragen (AKA #PresencingStatus):
  • Good? Digitalisierung als Thema, das vielfältige Anknüpfungspunkt ergibt; vom Geschäftsführer bis zum Studenten, Startup und Privatier war; lokaler Mittelstnad aus Sachsen nahm den Weg nach Dresden auf sich; eingebettet in eine Vielzahl von Konferenzen zu vergleichen Themen in dieser Woche in Dresden 
  • Tricky? Hashtag war zwar bekannt gemacht (Print und Online Medien), doch fehlte z.B. eine Twitterwall (um den Anwesenden zu zeigen, was sich in digitalen Gesprächen tat) und ein Hinweis zwischen den Sessions auf den Hashtag #smartKMU (auf der Leinwand
  • Learned? Nutzung von digitalen Medien (App, Twitter, etc.) ist teilweise schwieriger zu erreichen als im maschinell geprägten Produktionsprozess; die stark fragmentierte mittelständisch geprägte Wirtschaft Sachsens hat alle Chancen einer Digitalisierung ihrer Wertschöpfungskette auf ihrer Seite (besonders aufgrund ihrer Unternehmensgröße, kreativen Mitarbeiterschaft und oft ländlich geprägter Standorte
  • Action? Ein schneller Nachbericht, was hiermit geschehen ist

Monday, May 30, 2016

SachsenIndustrie40 - Sachsen stellt sich auf - ein Nachbericht und Ausblick

Mit der Aussage - Arbeitskräfte sind bei Effizienzsteigerung und ohne Wachstum nicht zu halten – ist die Konferenz „Industrie 4.0 – Sachsen stellt sich auf“ in der letzten Märzwoche in Dresden zu Ende gegangen. Ohne Digitalisierung und sich daraus ergebende neue und skalierbare Geschäftsmodelle wird die sächsische Wirtschaft nicht in der Weltspitze bleiben können - so die allgemeine Stimmungslage.

In seinem Eröffnungsvortrag hatte Ministerpräsident Stanislaw Tillich zunächst betont, dass die Voraussetzungen für die Zukunft der sächsischen Wirtschaft gegenwärtig nicht besser sein könnten.  Die hervorragende Wissenschafts- und Hochschullandschaft sowie die industriellen Voraussetzungen liegen in Sachsen umfassend vor. Zugleich hat er die anwesenden sächsischen Unternehmer ausdrücklich aufgefordert, sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen und Vernetzungen über die traditionellen Branchengrenzen hinweg aufzubauen, um im internationalen Wettbewerb ganz vorne mitspielen zu können. In diesem Kontext wies er darauf hin, dass "die Geschwindigkeit in China auch nicht vor neuen Technologien und deren Umsetzung Halt machen wird“.

Für die rund 400 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik stellten sich Fragen wie „Wie kann den mittelständischen Unternehmen in Sachsen die digitale Transformation gelingen?“ oder „Wie wird Unternehmen geholfen, sich auf die Transformation in Richtung Industrie 4.0 vorzubereiten?“ Auf diese und andere Fragen haben Impulsvorträge und moderierte Workshops mögliche und machbare Zukunftspfade aufgezeigt. Darüberhinaus hat es zahlreiche Anregungen gegeben, aktuell sich ergebende wirtschaftliche und soziale Herausforderungen und gesetzliche Gegegebenheiten (wie z.B. Tarifverträge, Datenschutz, Cyber Security) entsprechend abzustimmen und weiter zu entwickel und so die positive Entwicklung auch im Kontext der Zukunft der Arbeit (gleichnamiger Titel von Prof. Jutta Rump beim Arbeitnehmerempfang des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr am 28.04.2016 in Dresden) zu fördern.

Dr. Henning Kagermann, Präsident acatech GmbH
Henning Kagermann, ehemaliger SAP Vorstand und Leiter der acatech, betonte in seinem Eingangsvortrag, „Es liegt nicht an der Analyse in Deutschland, sondern an der Umsetzung!“. Diese Einschätzung zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Tag. Insbesondere im Kontext der kleinteiligen und oft nicht tarifgebundenen sächsischen Wirtschaft ergeben sich besondere Herausforderungen für die digitale Transformation in Sachsen. Die sächsischen Unternehmen sind zwar weltweit bekannt für ihre Maschinenbau- und Ingenieurexpertise, die digitale Transformation ihrer Wertschöpfungskette jedoch stellt für die einzelnen Unternehmen eine weitaus größere Herausforderung dar, als dies für Großunternehmen mit entsprechenden Ressourcen der Fall ist.

Während seines Vortrags betonte der Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, Reimund Neugebauer die Wichtigkeit der schnellen Datenübertragung bei immer komplexeren Produktionsprozessen, die in Richtung "Losgröße 1" zielen. Dass "Losgröße 1" nicht nur ein theoretisches Ziel ist zeigen mittelständische Industrieindustrieunternehmen aus Sachsen wie z.B. die KAMA GmbH mit ihren Lösungen für kleine Losgrößen im digitalen Druck- und Verpackungsbereich zur Zeit auf der drupa2016.

Fraunhofer Präsident Reimund
Neugebauer zu 5G (neuer Mobilfunk-
standard)
Dass die umfassende Digitalisierung noch (immer) nicht im allgemeinen Leben ankommen ist trotz TDSL und 5G (das 5G Lab Germany erforscht an der TU Dresden hierzu Technologien und Anwendungsszenarien) zeigt die laufende Initiative „Sachsen Digital“. Dies war vom SMWA angestoßen worden, um landesweit, auch in den ländlichen Räumen, schnelle Breitbandverbindungen zu ermöglichen. Einer der Gründe hierfür ist, dass die großen bekannten Telekommunikationsanbieter aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte die bisherigen Geschäftsmodelle (braucht es an dieser Stelle neue?) nicht profitabel umgesetzt sehen und so mit einem Netzausbau zögern. Frei verfügbares WLAN während Konferenzen ist ebenfalls noch kein Standard, doch künftig ein entscheidender Pluspunkt für Konferenzen, um die Vernetzung von Teilnehmern, Branchen, Clustern noch einfacher und schneller zu ermöglichen, sowie den Wissensaustausch in Echtzeit über verschiedene Räume, Themen und Branchen fließen zu lassen.

Alles in allem hat es sich bei #SachsenIndustrie40 um eine gelungene Veranstaltung gehandelt, die gezeigt hat, dass das Thema Industrie 4.0 angekommen ist und Sachsen der Zukunft und den digitalen Herausforderungen mutig und entschlossen gegenüber steht bzw. stehen.

Autoren:
Angela Incampo & Ralf Lippold


Weiterführende Links:


Ausblick auf kommende Veranstaltungen mit Industrie 4.0 - Bezug:




Wednesday, April 13, 2016

Gasbeleuchtung und Elektrofahrzeuge - wie gehört das zusammen?

Vor reichlich 100 Jahren hat die Elektrizität das nächtliche Erscheinungsbild unserer Städte und Dörfer verändert, von Gas zu Elektro. Es schien schon so, als ob Elektrizität die bis dahin dominierende Gasbeleuchtung auf einen Schlag ablösen würde. Doch es kam anders. Der Druck der Veränderung führte zu neuen Materialien und Technologien, die das Gaslicht effizienter und billiger machten und so die vollständige Elektrifizierung der Beleuchtungsanlagen (die auch stets mit erheblichen Infrastrukturinvestitionen verbunden waren) nicht ermöglichte. Innovationen im Kontext "alter" Technologien geschieht oft, wenn der Druck durch neue disruptive Technologien (in diesem Fall Elektrizität) steigt.

Kurz vor der Ölkrise 1973 wagte der staatliche französische Energiekonzern EDF den Vorstoß das VEL (Vehicule Electrique) zu promoten und den Wandel hin zum Elektroauto zu forcieren (Electrical Vehicle Case 1: VEL experiments in France; aus: Unintended Consequences of Renewable Energy: Problems to be Solved, Otto Andersen). Renault als halbstaatlicher Konzern sollte für die praktische Umsetzung mit den Modellen R4 und R5 verantwortlich zeichnen. Doch es kam nicht dazu, denn die Manager von Renault favorisierten die bisherigen Technologien, da sie erprobt, bei den Kunden bekannt waren und Gewinne sicher waren. Ein Wandel hin zu Elektroantrieben für Fahrzeuge erschien als zu riskant und so kam es trotz Ölkrise 1973 dazu, dass neue Technologien den Verbrennungsmotor effizienter machten und das Vordringen des Elektroantriebs nicht ermöglichten.

Noch vor sechs Jahren titelte die Süddeutsche Zeitung "Warten auf Grün - Ob Mindset, Ampera, Loremo oder Mini E - vielen Elektroauto-Projekten droht der Strom auszugehen in der Finanzkrise sind starke Kapitalgeber nur schwer zu finden."

Eine Person war zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Jahren mit einer Vision und eigenem Geld unterwegs: Elon Musk. Was 2006 noch wie ein Wunschtraum ( und wie die verrückte Idee eines Einzelnen klang sollte sich wenige Jahre später ändern. Die Auslieferung des ersten Tesla Model S an Steve Jurvetson (der Tesla Motors aktiv als VC unterstützt hatte) im Sommer 2012 machte den Anfang. Dass Elektromobilität nicht aus dem Antrieb allein, sondern der erforderlichen Infrastruktur (Werkstätten, Stromladestellen, Stromspeicher) und der nach wie vor erforderlichen Verbesserung der Kostenstruktur von Akkus, Solarpanels (für die heimische Herstellung von Strom für den "Stromer" in der Garage) bedarf bedingt auch ein interdisziplinäres Zusammenspiel der Industrieakteure und eine aktive Integration der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen.

Wie weit die Entwicklung im Autoland Deutschland gediehen ist werden die Teilnehmer auf der Ergebniskonferenz Schaufenster Elektromobilität 2016 ab morgen für zwei Tage auf der Leipziger Messe erleben können. Umsetzungen von disruptiven Technologien in das vorhandene und komplexe Wirtschafts- und Gesellschaftsgefüge verlaufen nicht geradlinig wie auch schon zu Zeiten der Gasbeleuchtung. Sehr oft braucht es den geeigneten Kontext und mehrere positive gesellschaftliche Kräfte und Strömungen, um disruptive Innovationen in der Mitte der Gesellschaft ankommen zu sehen.

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Ergänzende Links:




Sunday, March 27, 2016

Easter - A Time of Rebirthing

Sometimes you bear thoughts you'd like to share with someone, but don't dare to do so. Then there comes a unique opportunity where sharing something like this is part of the course curriculum as in the past ScalingUpMOOC gracefully led by Stanford professors Huggy Rao and Bob Sutton.

One of the early, individual exercises was the PREMORTEM Exercise which I'd like to share today on Easter Sunday which stands for death and rebirth at the same time. Only taking the courage to move forward when all seems to be stuck, or fail, is when you succeed in life.

Happy Easter to All and thank you to all all who have helped over the course of five decades to become who I am today, and in the future !!!


A Detoured Dream


The amazing global team of CitizenScienceLab during #ScalingUp MOOC


It is a day late in summer of the year 2017, the academic semester is shortly to begin and CitizenScienceLab should have been running as a high-level on-institute of the local university as their multi-disciplinary system dynamics institute.

Not quite so, the project had not taken off to reality, and the properties where it would be housed in the future are still abandoned, and unused (probably awaiting real estate speculation, or other).
What had happened?

Early in 2016 all looked promising, the years of connecting across the globe with top leaders in the field seemed to take fruit finally and scaling towards finalization looked as being just a mile ahead. What we underestimated was the inertia of institutions and their stakeholders to give us backwind to propel what sounded like a must in the turbulent times of the refugee crisis that had a massive (negative) impact due to weekly protest marches and bad mouthing across the world, which did not stop before foreign researchers that the university was attracting just months before due to playing a prominent role in the Germany-wide "excellence initiative" in order to raise global awareness of scientific and research excellence in the region. An urge of action by the various government, city and business constituencies not taking into account of going for another more sustainable approach that what have a positive impact on the "learning society" seemed still the norm, as it often is the case in crisis situations.

The initiator of the project, thus known in the city and government circles over the years, undebatable had a low credibility as everybody knew that two of his ventures (a consulting firm, and a coworking space he brought up in the aftermath of the financial crisis in 2009/2010 both failed). His global connectivity sort of scared people away, who were bound to their local communities, and often did not dare to speak in English or other languages than German. To overcome this short coming, he had built a global network of mentors, supporters and useful connections that even led him to C-level executives in VC funds, and tech giants hoping to tie all this together (via digital technology, for this he had initiated another startup in order to build up the trust of the local tech, science, arts and academic community over the years).

Yet all this did not look like a real scaling effort, and really hard work to most people around him, and who would be needed to bring the project to a lasting success.

Being an „outsider" to the local community and a born West German respect and trust was not as high brought back by local stakeholders so it would have fueled positively the process, and being not in the academic circles sort cut off from any support from institutions that are currently supported financially within a running governmental funding scheme. So things just took time to evolve - too long it seemed.

What really „killed the cat" was the fact that various aspects and focus topics of the CitizenScienceLab, such as action learning, lean thinking, Theory U, system dynamics being used to solve complex challenges, whether in the business, educational, governmental or societal context seemed way too broad and disconnected for most, especially scientists who became interested in the concept and offered to support and scale. In the end everyone is just close to their own issues, life & work challenges. And the viable business model had been vague for too long, especially as there is nothing comparable to the idea (even though the former Dean for Graduate Education at MIT, Christine Ortiz just stepped back from this position in order to found a new kind of university without professors, curriculum or major, mainly based on project based learning). The concept of citizen science is literally unknown in the region, and attracting larger parts of the civic society to get involved did not work, partially due to missing incentives, or language constraints.

The mindset of scaling, especially in the face of obstacles, sometimes putting a gear down in speed is an unfamiliar assumption in society here, where it is believed that success comes from hard work and going through "concrete walls" (if it needs), where the founder and his team is mainly focusing on finding the most elegant solution with the given resources, and having the future (long-term) in mind as well.

As progress did not positively scale new people for the team did not show up, perhaps also due to not doing marketing and attracting bright minds to co-create this new institution in the city that is known lately for being reluctant to quick change (even for prototypes).

Even though the project is not running in 2017, being ready for the first students, entrepreneurs and citizens to learn on how to bring a systemic view and understanding to solve their complex challenges, there is no end to and a next future milestone for 2018 will be set (with all the learning along the way to play out in a positive way).

Anybody willing to make it happen in 2017 is whole heartedly welcome to CitizenScienceLab

PS.: Anyone eager to learn more about what has happened over the years, here the story (formerly LockSchuppen - FutureLab2056 - SingularAcademy)



Wednesday, March 16, 2016

COW, oder wie ein Schwede das Verständnis von Ballett verändert

Am vergangenen Samstag den 12. März 2016 hatte "#COW - Ein Ballett" des schwedischen Choreographen Alexander Ekman auf der Bühne der Dresdner Semperoper Premiere. Nachdem der interessierte Ballettfreund (oder auch -freundin) bereits 2013 mit "Cacti" (im Rahmen von "Nordic Lights", das in der kommenden Saison wieder zu sehen sein wird) einen ersten Vorgeschmack auf seine Arbeit gewinnen konnte (seine Arbeiten unterscheiden sich, obwohl noch Anleihen des zeitgenössischen Tanzes vorhanden sind, ähnlich disruptiv von "üblichen" Ballettstücken wie einst Braque und Picasso mit dem Kubismus gegenüber der traditionellen Maltechnik und dem Fokus auf die Perspektive) stand also eine neue Überraschung auf dem Programmplan.

https://www.semperoper.de/spielplan/stuecke/stid/cow/
Warum die "Kuh" als Maß eines Ballettstückes? Die kurzen Clips zum Making von "COW Ein Ballett" sind dabei recht hilfreich (und unterhaltend zugleich).

Doch wer ein traditionelles Ballett mit viel Tanz erwartet - nun der wird möglicherweise ein wenig (oder mehr) enttäuscht von Dannen ziehen sollte er/sie sich für eine Karte der folgenden Aufführungen (heute Abend ist übrigens schon gleich die nächste - über die kommenden Wochen folgend noch sechs weitere Auführungen) geholt haben.

Obwohl, und dafür lohnt sich ein mutiger Gang in die 1.200 Besucher fassende Semperoper auf jeden Fall, wenn die Neugier größer als die Unsicherheit dessen, was einen erwartet, ist. Wer es wagt wird erleben, was eine Top-Ballettcompany wie das Semperoper Ballett wirklich kann (neben Balanchine, Forsythe, McMillan, u.a.) - ein Besuch lohnt sich. Darüber hinaus ist das Ballettstück ein außergewöhnliches "Cultural Island" (engl.; Blog von Abiel Guerra mit dem ich 2009 an einem Workshop von Edgar Schein teilnahm), das den Zuschauer aus seiner gewöhnlichen Rolle als ruhiger Betrachter und Genießer förmlich auf die Bühne und in den Flow zieht.

Wer sich vor einem Besuch der Bandbreite der Stimmungen offenbaren möchte, dem seien folgende Kritiken empfohlen:
... die obigen Kritiken in unbestimmter, wie gefundener, Reihenfolge und ohne Wertung. Jeder möge sich selbst eine Meinung bilden und dann entscheiden.

Ohne mich an dieser Stelle zu wiederholen (die vorliegenden Kritiken gehen bereits auf zahlreiche Aspekte ein) hier in aller Kürze der #PresencingStatus:
  • Good - Ballett mal ganz anders; Einbeziehung der kompletten Bühnentechnik (faszinierend, was alles möglich ist und selten zu sehen ist); ein neugieriges Premierenpublikum; es durfte auch spontan gelacht werden 
  • Tricky - keine Pause, um das Erlebte mit anderen auszutauschen; vergessen, dass Programmheft zu erstehen (da dürften noch einige Hintergrundinformationen zu finden sein
  • Learned - es bedarf Mut, ein solches Stück auf die Bühne zu bringen, und Aaron S. Watkin, Künstlerischer Direktor des Semperoper Ballett, kommt seiner Vision immer näher (die zahlreichen Einladungen der Company aus dem In- und Ausland machen dies ebenfalls mehr als deutlich)
  • Action - sicher ein oder zwei weitere Besuche (mal schauen, was sich machen lässt zeitlich)

Friday, March 11, 2016

ITB2016 - What has Saxony to offer?

Over the span of five days, March 9 - March 13, 2016, the world meets in Berlin during the 50th International Tourism Trade Show Berlin (Internationale Tourismusbörse Berlin or ITB at short) at the trade fair area around the famous Funkturm near the former race track AVUS.

March, still a rather cold month in Germany, and yet the best opportunity to experience the world at large, from Israel to Hiddensee, from the Netherlands to Saxony - spanning across all possible destinations. Besides strolling around the vast area, focus was during yesterday's visit to ITB as HTxA - HighTech x Agency on Saxony, and its vibrations within the global "tourism orchestra".

In Hall 11.2 (not far from one of the main entrances North entrance, close to ZOB) the three East German states, Saxony, Saxony-Anhalt and Thuringia collaborated along the focus on being "Cultural Heart of Germany".


The motto of this year's invitation to the global tourism community by the Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH (TMGS) at ITB is titled "Saxony - Feel the spirit of nature! Sachsen - Spüre die Natur!" - and this is what you experience when entering the hall, which is compared to some other halls (which often have large windows and high ceilings) rather cosy, and is reframing with installations and a huge video screen being somewhere in the Saxony Switzerland. Of course is not everything Saxony has to offer, and other parts of the state surprise with industrial and cultural heritage. The most prominent may be the Gewandhaus Orchestra Leipzig, Saxon State Opera Semperoper Dresden or the famous Porcelain Manufacture Meissen (April 22.-23. 2016 there is the upcoming Open Day Bellevue Arts Museum in Washington State).
where you can get a personal feeling what it means to handcraft the pieces of art in porcelain; currently the co-created artwork "Forbidden Fruit" by Chris Anteman who attended the ArtCampus at Meissen® can be seen at the

As Saxony, besides being a central part of the reformation and culture in general mainly driven by far looking monarchs like August the Strong, always had a strong focus on technology (not just today as the center for semiconductors and microelectronics, namely "Silicon Saxony") and at various places you can combine the outdoor activities with having deeper looks into the past of such as Chemnitz with its Saxon Industrial Museum. Radeberg (just a mere 30 min train ride from Dresden and at the north-eastern part of the Dresden Heath) where not only beer has a long tradition but also a new exhibition on its industrial and innovation legacy at Schloss Klippenstein (article in the Sächsische Zeitung [German]).

At the second day of the ITB The Saxonz, a Saxon breakdance group that has also done some projects in the past with dancers of the Semperoper Ballett, has won a prize with its clip "Life is a dance". The video not only is stating the beauty of the nature that can be encountered in the countryside all around Saxony in often quite diverse forms but also the spirit of doing sports in many variations.

"Life is a dance" by Sebastian Linda 


Are you getting curious about Saxony and whether considering visiting this unique state in the south-eastern part of Germany?

Check out the website of the Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH (which offers information in over a dozen languages, and is also present on Facebook) and don't hesitate to ask on specifics - there is lots to explore in Saxony, not just a short visit to the big cities, and you definitely need some days (eventually weeks).

.... and some finalizing thoughts here the #PresencingStatus on yesterday's visit to ITB and the appearance of Saxony:

  • Good - dense, interactive, and diverse representation of Saxony, quite centrally located
  • Tricky - as masses rise over the day, the flow through the hall can become a "bottleneck"; literally too much to see (as always)
  • Learned - digital is rising (power plugs a nightmare at the whole area of ITB); using hashtags like #Sachsen #Saxony in connection with #ITB2016 has quite some potential to raise global awareness of what Saxony has to offer
  • Action - not stopping to share what Saxony has to offer as lately done during the MOOC #ScalingUp with an international team; not to forget various exhibitions around Camelia Japonica in Saxony (Kamelie at Schloss Pillnitz; Deutsche Kamelienschau at Landschloss Zuschendorf) 




Wednesday, March 9, 2016

#zeitsmashing - Ein mutiges Experiment, das es in sich hat

Im Februar 2016 feierte die Wochenzeitung Die Zeit ihren 70. Geburtstag. Um dieses Ereignis nicht nur gebührend zu feiern, sondern gleichzeitig Inspiration für die Zukunft des bekannten Meinungsbildners zu sein, wagte man sich an ein "Konferenzformat, das die alten Grenzen einreisst" (Zitat aus dem Programmheft).

Anders als man es üblicherweise gewohnt ist von Konferenzen, seien es wissenschaftliche Tagungen zu einen "schmalen" Forschungsbereich (doch mit fast unendlicher Tiefe, die für den Außenstehenden in der Regel nicht mehr zu erfassen ist) oder technologisch orientierte Konferenzen, die Manager und Fachleute zu bestimmten Themen zusammenbringt, ein Format das überbordend an Vielfältigkeit der Themen und Akteure. "Smashing Ideas" war der Name der Veranstaltung und dieser war auch zugleich Programm.

Ein Tag ist kaum ausreichend, die Eindrücke aufzunehmen, die Verbindungen wahrzunehmen und daraus für die eigene Unternehmung oder die persönliche Entwicklung die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Sind wir demnach vielleicht schon in einer Art von "Singularität" ("Is the Singularity Near?", Ray Kurzweil's book reframed) angekommen, einem Moment in dem wir nicht mehr gedanklich die sich einstellende Zukunft erfassen können?

Möglich, zumindest in einer gewissen Weise, denn wir können weder die uns erreichenden Informationen in ihrer Gänze erfassen, sie in unseren Gehirnen sinnvoll in Vorhandenes einbetten (größtenteils) und auch die "smarten" digitalen Geräte sind kaum in der Lage, diese Situation zum Besseren zu ändern (oder ist es bei Ihnen/Euch der Fall?).

Was fehlt? Tools und Möglichkeiten, die einzelnen Datenpunkte (Namen, Geschehnisse, Stories, ...) in einen/oder mehrere Kontexte einzubetten und daraus strategische und taktische Aktionen ableiten zu können.

Eine Übersicht über diverse Speaker, Themen und weiterführende Verbindungen kann u.U. auf neue sinnstiftende Verbindungen führen und Möglichkeitsfenster in die Zukunft eröffnen, die in dieser Weise am Tag in Hamburg nicht so unmittelbar möglich erschienen.

#SmashingIdeas (Link zum unten stehenden Bild), ein "Kunstwerk" (WikiWall genannt), das mehr als nur eine Konferenz und ein Experiment abbildet, das aktiv gestaltet (und gegebenenfalls) ergänzt kann.


Für alle, die überlegen, ob eine Teilnahme für sie in Zukunft bei #SmashingIdeas eine Alternative ist hier in aller Kürze der bewährte #PresencingStatus:


  1. Good - vielschichtige Konferenz den Bogen von Musik zu Space Travel spannend, WLAN, ein inspirierender Ort mit Geschichte (ehemalige Kranfabrik - wenn die Metapher erlaubt ist: Kräne, um Schätze zu heben, auch gedankliche), Hamburger Innovation und Weltoffenheit 
  2. Tricky - relativ späte Aktivität auf Social Media mit dem Hashtag #zeitsmashing, relativ weite Anreise aus der Partnerstadt Dresden
  3. Learned - sei immer neugierig, mache einen ersten Schritt und lasse Dich überraschen, was sich ergibt
  4. Action - lernen lernen lernen wie das uns umgebende vernetzte Wissen wertschöpfend über Grenzen des Denkens, Disziplinen und Organisationen gestaltet werden kann
Ein großer DANK an die Macher der Konferenz "Smashing Ideas" und für den Mut, etwas zu machen, was in der heutigen Konferenzlandschaft selten vorkommt: unterschiedlichste Domänen, Disziplinen, Personen, Sprachen und Kulturen an einem Ort zu einer Zeit zu verbinden!






Sunday, September 13, 2015

Chemie verbindet - Wissenschaftsforum 2015 Chemie der GDCh

Das Wissenschaftsforum 2015 Chemie der GDCh (Gesellschaft Deutscher Chemiker) zog vor wenigen Tagen (30. August - 02. September 2015) nicht nur 2.000 Wissenschafter aus Nah und Fern nach Dresden, sondern machte einmal mehr deutlich, welche Kompetenzen und Potentiale am "Standort am Rande der Republik" vorhanden sind und die es zu "wecken" gilt.

Es sollte das erste Mal sein, dass das Wissenschaftsforum 2015 mit all seinen Nebenveranstaltungen und Mitgliedersammlungen der unterschiedlichsten Fachgruppen im Osten Deutschlands stattfand, wie Prof. Dr. Michael Ruck, TU Dresden und Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe, und Vorsitzender des lokalen Organisationskomitees während der Pressekonferenz in der Börse Dresden betonte.

Dresden ist inzwischen in der allgemeinen Wahrnehmung als Standort des bedeutendsten europäischen Mikroelektronikclusters und diverser Forschungsschwerpunkte (z.B. Life Science, Nanotechnologie) der TU Dresden, die seit Sommer 2012 den Status einer Exzellenzuniversität trägt. Mit Chemie hingegen verbindet man die hiesige Wissenschafts- und Wirtschaftsszene nur selten. Die wenigsten werden wissen, dass Silikon in einer Nachbarstadt Dresdens, Radelbeul, mehr durch Zufall vom Chemiker Richard Müller entdeckt worden ist. Dabei, dessen sollten wir uns stets bewusst sein, steckt Chemie letztendlich in allem, was uns umgibt, vom Alltagsstoff bis hin zu neuen Werkstoffen (die Werkstoffwoche findet vom 14.-17. September 2015 übrigens ebenfalls in Dresden statt). 

Das Motto "Chemie verbindet", das betonte Dr. Thomas Geelhaar, Merck KGaA, Darmstadt und noch amtierender GDCh-Präsident (seine Nachfolgerin wurde auf dem Wissenschaftsforum 2015 gewählt und wird ab Januar 2016, die Präsidentschaft übernehmen), war nicht ohne Bedacht gewählt worden. Chemiker agierten in den vergangenen Jahrzehnten zu oft in ihren Elfenbeintürmen und hinter schwer dechiffrierbaren Formeln und Begrifflichkeiten, in einer immer komplexeren und mit großen Herausforderungen bedachten Welt (man denke an Energie, Nahrung und Wasserversorgung), die förmlich nach mehr Interdisziplarität und allgemeinverständlicher Kommunikation und neuen Formen der Wissensvermittlung rufen. Hier hat die während seiner Amtszeit gegründete Arbeitsgemeinschaft "Chemie und Gesellschaft" innerhalb der GDCh bereits einige Grundlagen für die Zukunft geschaffen, wie z.B. das Sonderheft "Der Menschenplanet - Aufbruch ins Anthropozän", das in enger Zusammenarbeit dem Deutschen Museum in München entstanden ist.

Dass die Vermittlung von Wissen, dessen Wert für die Gesellschaft und dessen Nutzbarmachung für Problemlösungen gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Art maßgeblich von der Sprache abhängt ist der Präambel der zuvor genannten Arbeitsgemeinschaft "Chemie und Gesellschaft" zu entnehmen:

"Hierbei sollten wir eine größere Bereitschaft zur Transdisziplinarität bis hin zum Brückenschlag 'Chemie und Geisteswissenschaften' zeigen und andere Disziplinen wie Kunst, Architektur oder Musik einbeziehen, um Begeisterung zu wecken"

Begeisterung wecken - das verwirklichte Prof. Dr. Stefan Hell, Träger des Nobelpreises in Chemie 2014, den er für seine Arbeit im Bereich der Fluorreszenzmikroskopie erhielt, mit seinem fulminanten Vortrag am letzten Tag des Wissenschaftsforums 2015. Die von ihm entwickelte Methode macht mikroskopische Auflösung unter die von Ernst Abbe postulierte ca. 200 nm (1/2 Wellenlänge des sichtbaren Lichts) hinaus möglich - dies durch einen (zunächst) physikalischen Trick. Selbstverständlich ist es mit Elektronenmikroskopen schon länger möglich geringere Auflösungen zu erreichen. Doch ist dies nicht z.B. bei lebenden menschlichen Zellen möglich. Durch bestimmte Substanzen können Zellenarten gezielt derart angeregt werden, dass sie Licht aussenden. Dies ermöglicht die Wahrnehmung mittels eines Lichtmikroskops. Jedoch sind bei der Sicht durch das Objektiv zur gleichen Zeit eine Vielzahl von Lichtpunkten innerhalb eines Schärfebereichs (ähnlich wie die bei einem Kameraobjektiv abhängig von der Blende der Fall ist).

Der geniale "Trick" den Prof. Stefan Hell umsetzte: die Leuchtanregung der nicht für die Beobachtung relevanten Zellen unmittelbar zu unterdrücken, d.h. sie dunkel zu lassen - "Make sure the molecule (cell) gets into the dark". Die Anzahl der An-/Aus-Zyklen entscheidet nun über die Auflösung und nicht mehr die Güte des Objektivs. Eine radikale, wenn auch schlichte, Idee, die zu zahlreichen Rückweisungen des Konzepts bei internationalen Journalen führte und ihm dann doch schlussendlich den Nobelpreis für Chemie 2014 gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen einbrachte.

Was ehemals als physikalisch-optische Frage begann hat sich nun gewandelt zu "Today it's a chemistry problem!", denn die Suche nach erforderlichen Molekülen, die die Fluoreszenz der Zellen unmittelbar ausschalten, hat erst begonnen.

In aller Kürze wie schon zu vergangenen Konferenzen, ob live oder digital begleitet hier der aktuelle PresencingStatus:


  • Good - Internationale Crowd in Dresden, sehr offene Chemiker-Gemeinschaft, die auch moderne Kommuniktionsmedien wie Twitter und Facebook aktiv nutzt (offizieller Hashtag und freies WLAN (!) in den Veranstaltungsräumen inklusive), Internetauftritt zweisprachig und die meisten der Vorträge auf Englisch
  • Tricky - bedingt durch die Masse an zeitgleichen Vorträgen war die Messe Dresden als Veranstaltungsort ausgewählt, die jedoch nicht in der Weise auf Konferenzen wie für Messen ausgerichtet ist (Steckdosen waren Mangelware in allen Räumlichkeiten, die diese bislang einzeln abgerechnet werden)
  • Learned - Wissenschaftsgemeinschaften, die über Jahrzehnte bzw. -hunderte in Fachkreisen kommuniziert haben ist ein Wandel hin zur Nutzung von neuer digitaler Kommunikationsmedien ein langer Weg, wobei die GDCh einen mutigen Schritt nach Vorne gewagt hat, der sich über Dauer auszahlen wird, auch um Chemie und dessen Bedeutung in Bevölkerung, Politik und Wirtschaft präsenter zu machen
  • Action - weiterhin über Felder und Fachdisziplinen schreiben, die als Boundary Object (siehe auch Beitrag zu Kartographie Boundary Object auf der 26. International Cartographic Conference Dresden 2013) die Fähigkeit haben andere Disziplinen und Stakeholder für breitere Ziel zusammenzubringen, sozusagen als Katalysator für die Zukunftsentwicklungen zu fungieren








Wednesday, June 3, 2015

Arbeiten wir noch im Gestern oder schon im Morgen?

1972 kam ich in die Schule als das Apollo Programm der NASA noch nicht die abschließende Mission Apollo 17 geflogen hatte. Im Gymnasium (Mitte der 70er bis Mitte der 80er) lernten wir u.a. in Erdkunde, dass sich die arbeitende Menschheit vom Primären Sektor (Landwirtschaft) langsam über den Sekundären Sektor (Industrie) hin zum Tertiären Sektor (Dienstleistung) verschieben würde. Ja, es stimmt, nur noch ein Bruchteil der Erwerbstätigen ist in den Industrieländern wie Deutschland noch  in der Landwirtschaft beschäftigt. Mechanisierung und Digitalisierung über die Jahrzehnte machten den Pflug mit Pferd (den konnte man tatsächlich noch auf einigen Feldern in Rheinhessen Mitte der 80er Jahre persönlich erleben) nicht nur überflüssig sondern brachte neue Arbeitsformen hervor. Nicht dass der Landwirt von heute weniger wüsste als seine Vorfahren, er konnte sich das Wissen von Damals und die Notwendigkeiten von Heute durchaus gemeinsam aneignen und erfolgreich umsetzen.

Wie konnte das geschehen und warum gerade in diesem Bereich?

Digitalisierung eröffnete Chancen (neben selbstverständlich auch vorhandenen Risiken), mit vorhandenen Ressourcen höhere Erträge als in der Vergangenheit zu erwirtschaften. Insbesondere die Öffnung Europas und die Erweiterung der EU-Grenze um Länder wie Spanien, Portugal und Griechenland "zwangen" hiesige landwirtschaftliche Betriebe, neue Wege zu gehen (wollten sie nicht für immer verschwinden).

http://www.arbeiten4punkt0.org/wp-content/uploads/2015/05/Bildschirmfoto-2015-06-03-um-11.29.13.png

#Arbeiten40 (dies ist der Hashtag eines heute in Berlin stattfinden Barcamps, das von der Bertelmannstiftung und zahlreichen Mitorganisatoren veranstaltet wird) setzte in diesem Bereich möglicherweise früher (und ohne ein solches "Label" zu erhalten) ein, als in Industriebetrieben, die noch immer in großem Maße ihre Produkte unter Label "Made in Germany" zu guten Preisen in der Welt verkaufen können. Warum sollte ein Unternehmen, Manager oder gar die ganze Wirtschaft in Deutschland sich auf die Digitalisierung und neue Formen der Arbeit fokussieren, wenn es "offenbar" keine entsprechenden "Kräfte" von Außen gibt?

Warum also #Arbeiten40? Weil es #Industrie40 inzwischen als Trend gibt? Weil es alle machen? Weil es uns als notwendig und fortschrittsorientiert erscheint?

Vielleicht ist der Fokus zu kurz gesprungen. Schauen wir uns nach "Kurzweiliger" um - welche exponentiellen Technologien wie #AdditiveManufacturing, #MaterialSciences, #Robotics, #ArtificialIntelligence u.a. mehr umgeben uns, lesen wir in den Medien oder erfahren wir auf Konferenzen in diversen Live-Vorführungen.

Hat das noch mit den Arbeitsumgebungen und Arbeitsprozessen unserer Eltern, uns selbst oder unserer Kinder viel gemein? Wie bereiten wir uns selbst, unsere Unternehmen und die Gesellschaft auf diese unzweifelhaft kommenden (so wie es Eisenbahn, Telefon, Asphalt, Beton, Internet in der Vergangenheit getan haben und Gesellschaften von oben bis unten und links bis rechts komplett gewandelt haben) Veränderungen vor?

Wie kann Arbeiten aussehen, wenn Menschen sich nicht unmittelbar am Ort der Leistungserstellung treffen, Ideen in Realitäten umsetzen, Fehler machen und gemeinsam lernen? Die digitale, denn zwei Zugstunden im Süden in Dresden sitzend, Teilnahme am Barcamp #Arbeiten40 hat mir erneut gezeigt, dass es noch ein langer Weg ist, Menschen, Nutzung digitaler Technologien und neue Wege der Zusammenarbeit (ob in Firmen, Unternehmensverbänden, anderen Organisationsformen) miteinander zu verbinden.

Meine Lessons Learned, auch #PresencingStatus genannt, während das Barcamp in seine letzte Phase eintritt:

Good - statt nach Berlin zu fahren digital dabei zu sein (soweit es die Zeit und Umstände erlaubten)

Tricky - es ist enorm herausfordernd, die Masse an Menschen für die Nutzung (da wo wertschöpfend) neuer Medien hinzuführen und zu begeistern

Learned - es braucht mehr Geschäftsführer wie Jan Westerbarkey von Westaflex, die neue Wege gehen und diese öffentlich über Social Media der verschiedensten Art teilen

Action - Abschlusspanel auf Twitter und sonstwie verfolgen (vielleicht gibt's wieder Livestream via Tablet oder Laptop?!)

Dank an Ole Wintermann & Team für die Ermöglichung dieses Barcamps, das nach Nachahmern ruft