Tuesday, April 12, 2011

Ein Tag voller Überraschungen

Der Morgen beginnt:

Rezension zu Cinderella fertiggeschrieben und gepostet (die Gedanken an die wunderbare Premiere hängen noch immer nach :-))

"2. Schwiegermutter" von Cinderella, Raphaël Coumes-Marquet, auf dem Weg zum Bäcker getroffen

Gespräch mit einem Clustermanager (am Telefon und ca. 5 min (!)) zu geplanter Filmveranstaltung zu TranscendentMan, ich höre Frust in seinen Worten "... wir sind doch eh nur die verlängerte Werkbank des Westens und globalisierter Unternehmen!" (sollte es doch kein weltoffener Hightech-Standort sein? Ein wenig wundere ich mich, doch ähnliche Worte hörte ich erst vor genau einer Woche von einem anderen Clustermanager - alles scheint auf der Lauer zu liegen und auf das Wunder zu warten)

Mittags an der Musikhochschule Carl Maria von Weber am Wettinplatz, ein roter Strick auf weißem Papier schlägt mir von Betonsäulen entgegen "Ist das Kultur oder kann das weg?" - Kundgebung zum Erhalt kultureller Vielfalt in Sachsen am 19.04.2011, 15 Uhr vor dem Sächsischen Landtag Dresden (Bernhard-von-Lindenau-Platz 2) ---- ich erinnere mich an Worte von Frau Dr. Ulrike Hessler, Intendantin der Semperoper, nicht nur in Talkrunden in den letzten beiden Wochen sondern auch im Spielplan 2011/2012 "... weil die Kultureinrichtungen so genannte weiche Standortfaktoren sind, eine hohe, berechenbare Umwegrentabilität besitzen (...) und weil sie Voraussetzungen bieten für eine wirtschaftliche Entwicklung einer Region wie Sachsen, die sich als Hochburg für Zukunftstechnologie versteht." (Seite 6, Saisonvorschau Semperoper Dresden 2011/2012)

Wenig später: zwei Absagen (Computergeschäft und Hightech-Startup), wo ich mich als Callcenter Agent beworben hatte (bei der Firma bin ich bereits seit 2009 persönlich bekannt, wir konnten feststellen, dass ich als Logistiker und findiger IT-Umsetzer durchaus in die Firma passen kann, und ich bin mit dem Geschäftsführer gut bekannt) - Ablehnungsbegründung: (Computergeschäft) = keine; (Hightech-Startup) = "Wir glauben Du bist unterfordert!" - "Verdammt, habe ich mich unklar ausgedrückt? Ich wollte eigentlich nur einen einfachen Job, und Callcenter habe ich von der Pike in der Katastrophe 2002 gelernt, die unterschiedlichsten Fragen und Probleme lösen müssen. Dann war es ähnlich bei BMW in Leipzig, wo ich das "wandelnde Callcenter" war, denn ich war immer und überall im Werk erreichbar, und dank meines seit 10 Jahren aufgebauten und auf dem Smartphone abgespeicherten Netzwerks immer den passenden Ansprechpartner zu finden, mit dem gemeinsam das Problem zu lösen ist" - Habe ich doch etwas falsch verstanden und die Aussagen in der Zeitung die letzten Wochen hießen doch, "Arbeitskräfteüberfluss, bitte verlassen Sie den Freistaat, wenn Sie gut ausgebildet sind und sich auf Veränderungen gut einstellen können!"?! -- noch mehr Fragezeichen poppen in meinem Kopf hoch.

16 Uhr - wieder eine Netzwerkveranstaltung, diesmal der 7. Runde Tisch Technische Visualistik, spannende Vorträge im Bioinnovationszentrum am Tatzberg, komme mit einigen Teilnehmern in Kontakt besser gesagt ins ausführliche Gespräch. Wir kommen auf Hightech in Dresden und da fällt, "Och, das machen wir schon seit 10 Jahren hier!" - Mir fällt es wie Schuppen von den Augen: schon wieder einer von diesen "Hidden Nano Champions" (Hermann Simon, den ich als Professor für Marketing an der Uni Mainz genießen konnte, prägte den Begriff "Hidden Champions" für Unternehmen, die trotz ihrer geringen Größe in ihrem Markt einen überwiegenden Teil des Weltmarkts befriedigen). Das Besondere an "Hidden Nano Champions" ist deren schiere Kleinheit und die klare Nischenstärke (meist Hightech, wie in der Region nicht anders zu erwarten).
Kultur [lat. cultura "Bebauung", "Pflege", "Verehrung"] - was das Land braucht sind nicht die Bewässerer (mit Fördergeldern), die Besucher (die den Garten schön finden, und auch mal einen Gang ins Museum, an den Elbestrom oder die Semperoper und die Landesbühnen Sachsen finden), oder diejenigen, denen es nie recht zu machen ist, da sie den Garten gleich am ersten Tag perfekt sehen möchten.

Es braucht die visionären Gärtner, die die kleinen Samen und das Potential in diesem Land so reich an Hochkultur und Hightech (sowohl in Forschung als auch Wirtschaft, man denke nur an all die Cluster, von "Cool Silicon", "Biosaxony", "Silicon Saxony", und noch viele mehr, zu dem machen was es verdient und auch imstande ist:


Mitteldeutschland 2023 - fruit of small changes today
(Titel eines Kurzvortrags, von mir gehalten auf der Elevatorpitch Night Leipzig 2008 - am Ende der Veranstaltung kam der damalige Clustermanager der Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland, Klaus Wurpts, auf mich zu und fragte mich, "Herr Lippold, können Sie mehr über Ihre Vision sagen? Ich würde gerne mehr wissen darüber.")
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